Kandern Wenn der Besuch ausbleiben muss

Die Corona-Krise und die damit verbundenen Maßnahmen stellen auch die Pflegeheime vor eine ungewohnte Situation: Besuchsverbot statt Aktivitäten mit den Enkeln, die Empfehlung, möglichst wenig nach draußen zu gehen, statt einem kleinen Spaziergang. Die Verantwortlichen der beiden Kanderner Pflegeheime haben Wege gefunden, mit der aktuellen Situation umzugehen – und zugleich Kraft aus vorherigen, vergleichbaren Krisen zu ziehen.

Von Adrian Steineck

Kandern. „Wir halten derzeit jeden Morgen eine Krisensitzung ab“, sagt Harald Preinl, Leiter des Seniorenpflegeheims im Wohnpark an der Kander. Dies geschehe natürlich unter Einhaltung aller Auflagen bezüglich des empfohlenen Mindestabstands von zwei Metern.

Auch für die 56 Bewohner, die größtenteils zwischen 85 und 100 Jahren alt und häufig gesundheitlich eingeschränkt sind, bringt die Corona-Krise Änderungen mit sich. Seit gut zwei Wochen ist das Pflegeheim für Besucher geschlossen. Apotheken, die Medikamente liefern, melden sich vorher, ihre Ware wird dann an der Tür in Empfang genommen. „Bei den Angehörigen gibt es großes Verständnis für die derzeitige Lage“, schildert Preinl seine Erfahrungen. Viele würden ihre Eltern oder Großeltern schon aus freien Stücken nicht besuchen, um diese nicht unnötig der Gefahr einer Ansteckung auszusetzen.

Jedem Heimbewohner wird nahegelegt, das Haus bis auf Weiteres nicht zu verlassen. „Aber gegen das Sitzen auf der Terrasse allein oder zu zweit gibt es nichts einzuwenden“, sagt Preinl. Schwierig sei es mit den Heimbewohnern, die dement sind und nicht verstehen, warum sie nicht mehr wie gewohnt vor die Tür gehen sollen. „Wenn jemand unruhig wird, versuchen wir, ihn mit Aktivitäten auf andere Gedanken zu bringen“, sagt Preinl.

Kein Mangel herrscht im Wohnpark an der Kander derzeit an Hygieneartikeln. 2500 Mundschutze werden vorrätig gehalten. Das ist auch notwendig, denn seit mehr als einer Woche tragen sämtliche Mitarbeiter des Seniorenheims einen Mundschutz. Damit sollen sowohl die Bewohner als auch die Mitarbeiter vor einer Infizierung mit dem Coronavirus geschützt werden. Auch bei Handschuhen und Schutzkitteln gebe es auf absehbare Zeit wohl keine Probleme., zumal die Firmen den Pflegeheimen entgegenkommen.

Engpässe aufgefangen

Zugleich gibt es im Wohnpark an der Kander einen Personal-Überhang, durch den Engpässe wie derzeit aufgefangen werden können. So fehlen derzeit drei französische Mitarbeiter, die aufgrund der Corona-Situation seit drei Wochen vorsorglich zu Hause bleiben müssen.

Zugleich sieht Preinl angesichts der Corona-Krise seine Mitarbeiter durch vorherige ähnliche Krisen gestärkt. „Man lernt den Umgang mit Viren irgendwann“, sagt der Heimleiter und erinnert an das Norovirus oder das mögliche Auftreten von Salmonellen. Auch der multiresistente Krankenhauskeim MRSA, der zu Beginn der 2000er-Jahre ein großes Thema im Gesundheitswesen war, habe gelehrt, wie man Krisen wie die derzeitige gemeinsam durchstehen und meistern könne.

Luise-Klaiber-Haus

In engem Austausch steht Preinl auch mit dem Luise-Klaiber-Haus. „Wir würden uns im Notfall auch gegenseitig aushelfen“, sagt er. Auch dort herrscht striktes Besuchsverbot, sagt Heimleiter Alexander Kreet. Nach einem „holprigen Start“ würden sich auch alle daran halten. Für Angehörige gibt es aber die Möglichkeit, Präsente für ihre Lieben im Heim abzugeben. „Durch unseren Windfang haben wir eine Schleuse, sodass alle Vorgaben erfüllt sind“, sagt Kreet.

Was aber macht das Besuchsverbot mit den Heimbewohnern, die dement sind und vielleicht die Situation um das Coronavirus nicht mehr wahrnehmen, aber merken, dass sie niemand mehr besucht? „Wer dement ist, der merkt das oft gar nicht mehr“, schildert Kreet seine Erfahrungen. Es seien eher die rüstigen Senioren, denen die Krise auch mental zusetze. „Hier schauen wir, dass wir die Situation durch zusätzliches Personal und Betreuungsangebote am Wochenende auffangen“, sagt der Heimleiter. Derzeit leben im Luise-Klaiber-Haus 84 Bewohner.

In materieller Hinsicht würden Mundschutz und Hygiene-Kittel langsam knapp, bei Desinfektionsmitteln aber sei man gut versorgt. „Wir stellen mittlerweile auch schon unsere eigenen Mundschutze getreu nach den Vorschriften her“, sagt der Heimleiter.

Kreet dankt auch den Mitarbeitern des Pflegeheims, die in der Krise „enger zusammengerückt“ seien. „Es gibt die normalen personellen Engpässe, die aber bisher aufgefangen werden können“, sagt der Heimleiter. Die Corona-Krise bringe auch eine große Solidarität mit sich, gewinnt er der derzeitigen Situation etwas Positives ab.

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