Kandern Widersprüchliche Studien

Alexandra Günzschel
Wird in Kandern am Bahnhof eines Tages wieder eine S-Bahn halten? Foto: Alexandra Günzschel

Ist die Kandertal-S-Bahn ein zukunftsweisendes Projekt oder schlicht unwirtschaftlich? Zwei aktuelle Gutachten bewerten die Aussichten einer Reaktivierung der 13 Kilometer langen Bahnstrecke für den Personennahverkehr sehr unterschiedlich. Vor diesem Problem stand der Kreisumweltausschuss am Mittwoch.

Von Alexandra Günzschel

Kandertal. Die Enttäuschung war groß, als die Ergebnisse der vertiefenden Machbarkeitsstudie am 19. Juli bekannt wurden. Das Institut SMA kam bei einer vereinfachten Berechnung des Nutzen-Kosten-Indikators lediglich auf einen Wert von 0,28. Für eine angenommene Wirtschaftlichkeit und damit einhergehend auch die Förderfähigkeit des Projekts wäre jedoch ein Wert von eins oder höher erforderlich.

Schnell war klar, dass für viele das letzte Wort noch nicht gesprochen war, zumal Anfang Juli neue Regeln für eine standardisierte Bewertung veröffentlicht wurden, die unter anderem den Umweltaspekt stärker berücksichtigen.

Die IG Pro Kandertalbahn, ein Zusammenschluss von Unternehmern entlang der Trasse, der sich für die Reaktivierung einsetzt, reagierte mit der Beauftragung eines neuen Gutachtens durch Marc-André Eschenbacher von der Luzerner Firma otimon. Dieses Gutachten kam auf einen Nutzen-Kosten-Faktor von 1,3. Am 13. Oktober soll es öffentlich vorgestellt werden.

Derweil hat sich der Landkreis bereit erklärt, sich an den anfallenden Kosten für eine weitere Machbarkeitsstudie nach den aktualisierten Bewertungskriterien zu beteiligen. Für diese Nachuntersuchung wurde bereits ein Angebot bei der SMA über 50 000 Euro eingeholt.

Bessere Vergleichbarkeit

Unter anderem soll dabei für eine bessere Vergleichbarkeit von S-Bahn-Betrieb und Busverkehr bei Letzterem von einem dichteren Takt und damit einhergehend höheren Betriebskosten ausgegangen werden. Dies würde das Ergebnis zugunsten einer S-Bahn verbessern.

Für dieses Gutachten wird mit einem Landeszuschuss in Höhe von 8000 Euro gerechnet. Von den dann verbleibenden 42 000 Euro will der Landkreis 60 Prozent (rund 25 000 Euro) übernehmen. Der restliche Betrag wäre von den beteiligten Städten und Gemeinden zu tragen.

Christian Renkert (CDU) schlug ein anderes Vorgehen vor. Er riet dazu, die beiden vorliegenden Studien erst einmal zu vergleichen, bevor eine neue in Auftrag gegeben wird. Mit diesem Ziel soll sich die interkommunale AG Kandertal-S-Bahn zeitnah treffen, abwägen und beraten.

Auch Ulrich May (Freie Wähler) sprach sich für dieses Vorgehen aus. Er kritisierte zudem die Vorwürfe, die nach Bekanntwerden der Machbarkeitsstudie aufgetaucht waren, der Landkreis habe durch Unterlassung ein besseres Ergebnis verhindert. Erster Landesbeamter Ulrich Hoehler erwähnte ein Entschuldigungsschreiben, das diesbezüglich mittlerweile eingegangen sei.

Sorgfalt vor Schnelligkeit

„Sorgfalt vor Schnelligkeit“ wollte auch Klaus Eberhardt (SPD) walten lassen, warnte jedoch vor Euphorie. Man könne Parameter nicht nach Belieben austauschen.

Peter Schalajda (Grüne) kritisierte, dass in der Machbarkeitsstudie der SMA nur das ausgewählte Betriebskonzept mit einem Halbstundentakt und Zügen, die im Wechsel nach Basel und Lörrach fahren, in Betracht gezogen wurde. Die Aufgabenstellung jedoch hätte vielmehr lauten müssen, mit Engagement und Kreativität ein Betriebskonzept zu entwickeln, das erfolgreich funktionieren kann. Auch er sprach sich für eine eingehende Analyse der vorliegenden Gutachten aus, bevor das Projekt bei einer Nachuntersuchung erneut Schiffbruch erleide. Bernd Martin (Grüne) mahnte zudem die Dringlichkeit an: „Es geht auch um die Zeitachse.“

Vor der nächsten Kreistagssitzung, so der Beschluss, will man sich nun mit den Unterschieden der beiden Gutachten auseinandersetzen und so die Kriterien für die neue standardisierte Bewertung schärfen, wie es Landrätin Marion Dammann ausdrückte.

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