Kandern Witziger Bühnenspaß opulent inszeniert

Weiler Zeitung, 13.04.2018 22:43 Uhr

Kandern-Holzen (bn). So turbulent und knallig bunt wie vorgestern und gestern Abend ging es wahrscheinlich noch nie zu auf der Theaterbühne des Holzener Rathaussaals. Und so viel Spaß wie beim Dreiakter „Fleischchäs und rodi Straps“ hatte das dichtgedrängt sitzende Publikum wohl auch noch selten bei einer Veranstaltung des Gesangvereins.

Da wurde in der Alemannisch-Version des Lustspiels „Leberkäs und rote Strapse“ von Regina Rösch während zweieinhalb Stunden eine Zwerchfellmassage nach der anderen verabreicht und staunenswerter Aufwand hinsichtlich Bühnenbild, Kostümierung und Requisiten betrieben. Anfänglich geht es zwar noch ganz bieder zu in der Wohnküche des pensionsreifen Steuerbeamten und Fleischkäs-Liebhabers Friedhelm Bundschuh sowie nebenan in der Frisierstube von Emilie Meister, bei der sich gleich drei Damen in den besten Jahren auffrischen lassen. Doch schon die Angeberei mit früheren Heldentaten in der männlichen Tischrunde und das frustbeladene Gehechel des Frauenkränzchens über den Alltagstrott und die drögen Ehegatten deuten einen pikanten Fortgang des Spielverlaufs an.

Der stellt sich im zweiten Akt auch prompt ein, als die Herren ihren Frauen ein Wellness-Wochenende spendieren, um wieder einmal selbst – wie einst zu Hippiezeiten – gehörig auf den Putz hauen zu können. Was dann allerdings im Versuch steckenbleibt, weil die gealterten Knochen und Bandscheiben ihren Dienst quittieren.

Als Alternativ-Event wird eine St(r)ippvisite in einer Freiburger Erotik-Bar gewählt, natürlich verkleidet als Paparazzi im Blues-Brothers-Look. Dort allerdings sind die ihrer Wellness überdrüssigen Damen auch schon gelandet – auch sie nach dem Dresscode frivoler Vamps mit Sonnenbrillen und grellen Perücken anonymisiert.

Das braucht dann schon seine Zeit, bis jede und jeder dahinterkommt, dass der vermeintlich zaghaft erotische Auswärtsflirt der oder dem jeweils Angetrauten gilt. Selbstverständlich ist das hier karg dargestellte Handlungsgerüst noch mit vielen ulkigen Details angereichert, die das Holzener Publikum permanent bei bester Laune hielten, zumal die Darsteller-Crew mit komödiantischen Bestleistungen und mit verblüffenden Verwandlungskünsten aufwartete.

Den biederen Finanzbeamten verkörperte Werner Zuberer mit verschmitzter Treuherzigkeit. Als seine Kumpels, ein Bauunternehmer und ein Gärtner, stellten Heinz Schneider und Karlfrieder Berger sowohl unternehmerische Seriosität als auch flippige Hippie-Ausgelassenheit und öliges Paparazzi-Gehabe wesenstypisch zur Schau.

Den in grenzwertige Finanzgeschäfte involvierten Akademiker und Amtschef gab Stefan Land mit der smarten Grandezza eines arroganten Besserwissers. Die von soliden Hausfrauen zu Salondiven mutierenden Gattinnen verkörperten Beatrice Schneider, Heidi Greßlin und Ulrike Endters höchst charmant und in beiderlei Erscheinungsformen mit charakteristischem komödiantischem Esprit. Als Friseuse und Bardame machten zudem Alena Weiß und Juliane Schneider gute Figur.

Für die flotte Regie des turbulenten Geschehens mit dezent eingeflochtenen lokalen Anspielungen zeichnete Nathalie Scherr verantwortlich. Als effektstark erwies sich dabei im ersten Teil die jeweils separate Ausleuchtung der männlichen und weiblichen Tratsch-Runden auf der geteilten Bühne. Erfolg zeitigte nicht zuletzt Werner Zuberers unterschwellige Dauerreklame für die nach der Vorstellung angebotenen Fleischkäs-Weggli.

 
          0