Kandern Zu viel Fremdwasser im Kanalnetz

Kandern (ag). Mit der Erstellung eines Fremdwasserbeseitigungskonzepts für die Stadt Kandern wurde das Ingenieurbüro Betaplan aus Grenzach-Wyhlen beauftragt. Vor drei Jahren hatte der Gemeinderat dafür nach längeren Diskussionen über die Notwendigkeit mehrheitlich grünes Licht gegeben.

Jetzt hat Markus Nöthe, Ingenieur bei Betaplan, im Technischen Ausschuss die Ergebnisse der Bestandsaufnahme bekannt gegeben. Die Projektkosten in Höhe von 98 220 Euro wurden mit 48 700 Euro bezuschusst. Das Fremdwasserbeseitigungskonzept ist bei künftigen Sanierungsarbeiten wichtig als Grundlage für Förderanträge.

„Eine Kläranlage darf nicht zu viel klares Wasser bekommen“, beschrieb Nöthe das Grundproblem. Quell-, Bach- oder Drainagewasser sollen deshalb nach Möglichkeit herausgehalten werden. Auch der Zufluss von Regenwasser sei nicht erwünscht, so der Experte. Für die Kläranlage in Hammerstein wurde jedoch eine Fremdwasserbelastung in Höhe von 54 Prozent fesgestellt. Die Abwasserbehandlung, so Nöthe, sei durch diesen Zufluss erschwert.

Um das Grundwasser zu schützen, brauche es dichte Kanäle, erklärte er weiter. In Kandern gilt es, ein Kanalnetz mit einer Länge von 90 Kilometern, vier Regenüberlaufbecken sowie eine Kläranlage zu unterhalten. 35 Kilometer des Kanalnetzes entfallen auf Schmutzwasser, 27 Kilometer auf Regenwasser und 28 Kilometer auf Mischwasser.

Den höchsten Fremdwasseranteil hat der Experte in der Kernstadt ausgemacht. Beim Regenüberlaufbecken in Kandern etwa kommen durchschnittlich acht Liter Fremdwasser pro Sekunde an. Nicht gerade rosig sieht es auch in Sitzenkirch aus: Mit 0,9 Litern Fremdwasser pro Sekunde wird dort mit 70 Prozent mehr Fremd- als Schmutzwasser ins Kanalnetz eingeleitet. Erstrebenswert wären 30 Prozent.

Größere Mängel hat Nöthe zudem in Tannenkirch festgestellt, wo 58 Prozent des gepumpten Abwassers Regenwasser ist, aber auch in Wollbach gibt es Handlungsbedarf.

Die Ergebnisse wurden bei nächtlichen Begehungen eruiert, wenn erfahrungsgemäß nur wenig Abwasser anfällt. Nöthe wies darauf hin, dass das öffentliche Kanalnetz möglicherweise gar nicht das Hauptproblem darstellt. Mindestens zweimal so lang und oftmals wesentlich provisorischer angelegt sei das Kanalnetz in privater Hand, weshalb eine Sanierung des Hauptnetzes nicht immer zu wesentlichen Erfolgen führe.

Die Kosten allein für die Sanierung der Hauptleitungen ohne Seitenanschlüsse in den vier priorisierten Gebieten bezifferte Nöthe mit sieben Millionen Euro.

Der Vortrag galt der Information des Gremiums. Einen Beschluss dazu gab es nicht.

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