Auf Einladung der Bürchauer Heimatforscher Harald und Daniel Senn sprach Werner Störk am Sonntag im Gemeindehaus in Bürchau über Schanzen und Grenzsteine in Neuenweg und Bürchau. Störks Anliegen ist es, auf die Bedrohung des „archäologischen Gesamtensembles“ im Bereich um den Belchen durch das geplante Windpark-Projekt am Zeller Blauen aufmerksam zu machen.

Von Heiner Fabry

Kleines Wiesental. Im Anschluss an den Vortrag machten sich rund 50 engagierte Bürger auf, um mit Gerhard Staib, zweiter Vorsitzender der Gesellschaft zur Erhaltung und Erforschung der Kleindenkmale in Baden-Württemberg (GEEK), die von Harald und Daniel Senn entdeckten rund 80 Grenzsteine auf dem historischen Grenzweg auf dem Höhenrücken vom Hau in Neuenweg bis hin zum Zeller Blauen zu dokumentieren und zu reinigen.

„Die Schanzanlagen und Grenzsteine um Bürchau und Neuenweg bis nach Elbenschwand bilden ein zusammenhängendes und einzigartiges „archäologisches Gesamtensemble“, das schätzenswert und schützenswert als Zeugnis unserer jüngeren Vergangenheit ist“, erklärte Werner Störk zu Beginn seines Vortrags, zu dem sich knapp 80 Zuhörer eingefunden hatten. Um die Anlagen in den historischen Zusammenhang zu stellen, skizzierte der Historiker die Situation im Südschwarzwald in der Folge der Reformation im 16. und 17. Jahrhundert.

Wegen machtpolitischer Spannungen zwischen dem Habsburger Kaiserreich fanden sich die 1535 durch Erbteilung entstandenen Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach sowohl von Westen (Elsass) als auch von Osten (Kaiserreich) in die Zange genommen.

Erste Schwierigkeiten ergaben sich, als in der Folge des Reichstags von 1529 die evangelischen Territorien die konfiszierten katholischen Kirchengüter wieder zurückgeben sollten. Fünf evangelische Landesfürsten und 14 Reichsstädte hatten gegen diesen Entscheid Protest eingelegt (daher „Protestanten“ für evangelische Gläubige).

Markgraf stellt sich gegen deutschen Kaiser

Der (evangelische) Markgraf von Baden-Durlach schloss sich dieser „Protestation“ an und stellte sich im Dreißigjährigen Krieg gegen den deutschen Kaiser. Als er dann im Jahr 1622 mit 15 000 Mann gegen den Kaiser zu Felde zog, war das in den Augen des Kaisers Verrat. Schlimmer noch: Als der Markgraf im Jahr 1628 wegen verwandtschaftlicher Beziehungen dänische Soldaten und im Jahr 1630 schwedische Soldaten nach Baden-Durlach, also fremde Mächte auf deutsches Territorium zu Hilfe rief, musste das aus kaiserlicher Sicht als Landesverrat gewertet werden.

Das Markgräfler Land war kriegerischen Einfällen aus dem Elsass schutzlos ausgeliefert. Durch die Brückenköpfe in Hüningen und Breisach fielen katholische Truppen immer wieder in die Markgrafschaft ein.

Bei Kriegszügen von Breisach über Neuenweg und den Pass auf dem Hau wurde in den Jahren 1672, 1673, 1677 und 1678 die Stadt Schönau mehrfach angegriffen und teilweise zerstört.

Daraufhin wurde die vom „Türkenlouis“ (Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden) errichtete Verteidigungslinie, die östlich von Schönau von Murg bis Heidelberg verlief, durch eine sogenannte „Vordere Linie“ von Neuenweg über Bürchau bis Elbenschwand und Zell ergänzt.

Damit wurde der Höhenrücken zum Zeller Blauen die Grenze zwischen der Markgrafschaft und dem Kaiserreich. Wegen der exponierten Lage als Grenzort und Einfallstor für Angriffe aus dem Westen wurde die Region zwischen Neuenweg und Bürchau ein „verkehrstechnischer, geopolitischer und konfessioneller Dreh- und Angelpunkt sowie militärisch-strategischer Brückenkopf“ (Werner Störk) und entsprechend gesichert.

Ein ganzes Ensemble von Schanz- und Verteidigungsanlagen entstand um Neuenweg und Bürchau, das in dieser Vollständigkeit einmalig ist.

Holderschanze in ihrem Bestand gefährdet

In einer umfassenden Dokumentation zeigte Werner Störk, dass die Planungsskizzen für den Windpark Zeller Blauen die Holderschanze in Neuenweg sowie durch erwartbare Zuwegungen zwei weitere Schanzanlagen in ihrem Bestand gefährdet sind. Entsprechende Schreiben hat der Lokal-Historiker sowohl an die Denkmalschutzämter in Stuttgart, beim Regierungspräsidium in Freiburg, an das Landratsamt in Lörrach sowie an die EWS geschickt. Aus Sorge um den Bestand „dieses regionalen Lebensraums als unseres lokalen Kulturraums“ plädiert Werner Störk dafür, seine Bedenken und Hinweise ernst zu nehmen, und sie bei der Planung des Windparks zu berücksichtigen.