Kleines Wiesental Bei der Wehr ist Feuer unterm Dach

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Müssen im Ernstfall an einem Strang ziehen: die Feuerwehrabteilungen. Archivfoto Quelle: Unbekannt

Bei den Feuerwehren im Kleinen Wiesental rumort es. Den Kommandanten von sieben Abteilungen ist jetzt offenbar der Kragen geplatzt – sie wenden sich in einem offenen Brief an Bürgermeister Schönbett und den Gemeinderat. Damit wollen die Kommandanten auf Missstände hinweisen, die „ausnahmslos“ Probleme mit der Führung der Abteilung Tegernau betreffen.

Kleines Wiesental (ma). Die Missstände würden teilweise seit Monaten beobachtet und könnten nicht länger hingenommen werden, lassen die Abteilungskommandanten von Bürchau, Elbenschwand, Neuenweg, Raich, Sallneck, Wies und Wieslet sowie die Verantwortlichen der Arbeitskreise Kleiderkammer und Geräteverwaltung wissen.

Thema Zugführer

Im Dezember des vergangenen Jahres sei vom Kommandanten der Feuerwehr bei den ausgebildeten Zugführern nachgefragt worden, ob diese auch weiterhin Interesse an der Ausübung dieser Funktion hätten. Dies sei ein ganz normaler Vorgang, da sich im Laufe der Zeit viel verändere und der Funktionsträger selbst über die Fortführung entscheiden dürfe, heißt es in dem offenen Brief. Trete eine Führungskraft ins zweite Glied, dann ebne diese den Weg für einen Kameraden. Anscheinend hätten die beiden Zugführer der Abteilung Tegernau diese Abfrage missverstanden „und machen seither Stimmung gegen das Kommando“, heißt es in dem Schreiben an Bürgermeister und Gemeinderäte. Es sei keinesfalls korrekt, dass Zugführer aus der Funktion gedrängt worden seien, so wie es aus der Abteilung Tegernau wiederholt behauptet werde. Die Feuerwehrkommandanten schreiben, ein klärendes Gespräch mit dem Kommando wäre hier ein geeigneter Weg gewesen; die Abteilung Tegernau ziehe es jedoch vor, sich direkt beim Bürgermeister zu beschweren. „Diese Vorgehensweise werten wir als ein Übergehen des Kommandos und lehnen dies strikt ab“, heißt es in dem offenen Brief.

Kleiderkammer/Geräteverwaltung

Um mit effektiven Abläufen den finanziellen Aufwand zu minimieren, sehen es die unterzeichnenden Kommandanten als erforderlich an, dass Ausrüstung und Geräte inventarisiert werden, um so Fragen zur Neubeschaffung beantworten zu können. Mit Ausnahme der Abteilung Tegernau hätten alle Abteilungen ihre vorrätigen Kleidungsstücke in der Kleiderkammer abgegeben. Dieses Verhalten der Abteilung Tegernau habe letztlich zu einer unnötigen Investition geführt: Benötigte Ersatzkleidung sei beschafft worden, obwohl diese originalverpackt im Gerätehaus in Tegernau verfügbar gewesen sei, heißt es weiter im offenen Brief. Die sieben Abteilungen seien mit der Funktion der Kleiderkammer sehr zufrieden und unterstützten die Arbeit, die in vielen Stunden ehrenamtlich geleistet worden sei. Nach diesen positiven Erfahrungen wolle man diese Vorgehensweise auch bei den Geräten anzuwenden. Es hätten sich mehrere Kameraden gemeldet, um die Aufgabe zu übernehmen, und in Wies seien Räumlichkeiten gefunden worden. Aus der Abteilung Tegernau habe es keine Bereitschaft gegeben, in diesem Arbeitskreis mitzuarbeiten.

Es sei selbstverständlich, dass auch die Beladung aller Fahrzeuge inventarisiert werde. Es biete sich dabei an, mit der Abteilung Tegernau zu beginnen, da diese Geräte aktuell nicht mehr für Einsätze zur Verfügung stünden und somit kein Zeitdruck bestehe. „Es ging niemals darum, Gerätschaften aus einer Fahrzeug-Normbeladung in andere Abteilungen zu verlegen und dort dauerhaft zu belassen, heißt es in dem offenen Brief. Was die Mitglieder des Arbeitskreises dann hätten erleben dürfen, bilde einen Tiefpunkt in der Kommunikation mit der Abteilung Tegernau. Während die sieben Abteilungen das Projekt tatkräftig unterstützten, seien die Kameraden von der Führung der Abteilung Tegernau verbal attackiert worden.

Obwohl die Vorgehensweise zur Inventarisierung besprochen worden sei, habe der Weg des Abteilungskommandos wieder direkt zum Bürgermeister geführt. Dass dieser dem Kommando der Feuerwehr umgehend den Rücktransport der Geräte angewiesen habe, sei für alle Beteiligten „ein Schlag ins Gesicht“ gewesen. „Die Funktion dieses Arbeitskreises sehen wir als untergraben an und eine Motivation ist bei allen Mitgliedern aktuell nicht mehr vorhanden. So sieht keine Anerkennung eines Ehrenamtes aus“, schreiben die sieben Abteilungskommandanten. In einem Gespräch zwischen Bürgermeister, Kommando und Arbeitskreis hätte alles auf sachlicher Ebene besprochen werden können. „Es ist für uns enttäuschend, dass sich bislang weder Bürgermeister noch Gemeinderat für die ehrenamtliche Tätigkeit der Arbeitskreise Kleiderkammer/Geräteverwaltung und Atemschutzverwaltung interessiert hat“, heißt es in dem Schreiben.

Verhalten

Die Kommandanten werfen in ihrem Schreiben der Führung der Abteilung Tegernau auch vor, keinen „angenehmen Umgangston“ zu pflegen. Andere Abteilungen würden belächelt und als überflüssig betrachtet, so die Kommandanten. Es würde bei Einsätzen schlecht über das Kommando geredet, Mitglieder der Arbeitskreise würden verbal angegangen. „Das Auftreten an der Einsatzstelle wirkt generell in hohem Maße arrogant“, heißt es wörtlich in dem offenen Brief.

Weiterhin würden Anweisungen nicht befolgt wie die Vorgaben zum Tragen der medizinischen Masken und die geltende maximale Personenzahl in den Einsatzfahrzeugen. Dadurch falle es in den weiteren Abteilungen zunehmend schwer, diese Anweisungen zu vermitteln und durchzusetzen. Die Abteilung Tegernau berufe sich immer wieder auf einen Stützpunktwehr- oder Hauptwehr-Status; diesen gebe es aber seit Jahrzehnten nicht mehr. Es gebe keine Privilegien für eine einzelne Abteilung.

Ziele

Die Kommandanten versichern, mit der Abteilung Tegernau weiterhin zum Wohl der Bürger Dienst verrichten zu wollen. „Das funktioniert jedoch nur, wenn wir miteinander und nicht gegeneinander arbeiten“, heißt es in dem Schreiben. Dazu seien folgende Voraussetzungen notwendig: Einigkeit („Wir sind eine Feuerwehr mit 8 gleichwertigen Abteilungen“), respektvolle Kommunikation auf Augenhöhe, gleiche Wertschätzung für alle Abteilungen seitens Bürgermeister und Gemeinderat, hinter der Entscheidung des Kommandos aller Abteilungen stehen, das gemeinsame Verfolgen festgelegter Ziele und das Einhalten der Kommunikationswege – nur das Kommando solle den Kontakt mit Bürgermeister oder Verwaltung pflegen.

Die Kommandanten betonen, zuversichtlich zu sein, dass die Missstände ausgeräumt werden können. Bürgermeister Schönbett kündigte ein Treffen für heute an.

Kleines Wiesental (ma). Bürgermeister Gerd Schönbett hat für den heutigen Dienstag ein Treffen mit Vertretern der Feuerwehrabteilungen und dem Gemeinderat anberaumt, in dem über die Vorwürfe gesprochen werden soll, die die sieben Feuerwehrabteilungen gegen die Führung der Tegernauer Abteilung erheben.

„Die meisten Punkte sind nicht neu“

„Die meisten Punkte zur Abteilung Tegernau sind nicht neu“, sagte Bürgermeister Schönbett auf Anfrage unserer Zeitung, der sich etwas über den Zeitpunkt wunderte, zu dem er das Schreiben der sieben Abteilungen erhalten habe: Heiligabend.

Er habe schon in der Vergangenheit mit der Feuerwehr Tegernau über den Vorwurf „Nichteinhalten obskurer Dienstwege“ gesprochen und die Führung aufgefordert, in direkter Kommunikation mit den anderen Abteilungen nachzuhaken.

Es sei aber, so habe er erfahren, keine Reaktion erfolgt beziehungsweise die Vorwürfe seien nicht bekräftigt worden.

Das Schreiben der sieben Feuerwehrabteilungen selbst sei eher „unbestimmt“, die Vorwürfe würden nicht anhand konkreter Vorfälle belegt. „Deshalb tue ich mich mit einer Bewertung schwer“, so Schönbett gegenüber unserer Zeitung. „Mir liegen keine Anhaltspunkte vor, dass die Abteilung Tegernau sich entsprechend aufführen würde, und ich kenne die Leute gut“, betonte Schönbett.

Im übrigen müsse er einem Punkt in dem Schreiben „ganz klar“ widersprechen: „Zum Bürgermeister kann jeder kommen. Wir sind in einer demokratischen Gesellschaft, jeder hat das Recht, beim Bürgermeister vorstellig zu werden. Auch andere Abteilungen haben das schon gemacht.“

Zudem sei es nicht ständig vorgekommen, dass sich die Abteilung Tegernau an ihn gewandt habe, das sei vielleicht lediglich zwei- bis dreimal in sechs Jahren vorgekommen. „Da kann ich gar nicht dem Vorwurf folgen.“

„Mit einer Bewertung tue ich mich schwer“

Zu Einzelheiten, etwa zur Kleiderkammer oder zum Umgangston bei Einsätzen, könne er nichts sagen, da er nicht involviert sei. Richtig sei, dass es noch keinen Termin wegen der Kleiderkammer mit dem Gemeinderat gegeben habe. Dies liege indes an Corona. Gesprächsbedarf sieht der Bürgermeister allemal, da die Emotionen hochkochen. Bei dem heutigen Treffen solle versucht werden, die Wogen zu glätten.

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