Kleines Wiesental Bienen-Rettung bei Baumfällarbeiten

Hansjörg Kropf und seine Frau Ute. Foto: Markgräfler Tagblatt

Spätwinter ist Baumfällzeit. Solange noch kein Saft in den Bäumen ist, wird Holz gemacht. Doch nicht nur im Wald, auch in den Weilern des Kleinen Wiesentals ist das Heulen der Motorsägen zu vernehmen.

Von Sonja Eiche

Kleines Wiesental-Raich. Ein über 200 Jahre alter Birnbaum in Ried war es, der neulich daran glauben musste. Morsch sei der alte Stamm gewesen und innen hohl, berichten Hansjörg Kropf und seine Frau Ute, das Wirte-Paar im Gasthaus „Adler“. Auf der Wiese hinter dem Haus stand der stattliche Baum mit einem Durchmesser von bald einem Meter - knorrig, unerschütterlich, die Jahrhunderte überdauernd. Mit Tonnen von Birnen hatte er seither seine Besitzer erfreut. Früchte zum genussvollen Verzehr, Most gegen den Durst, auch manch guter Obstler ist entstanden.

Nun war es an der Zeit, dass der alte Baum gefällt wurde. Auch aus Sicherheitsgründen. Zum Schutz des Nachbarhauses und der nahen Stromleitung, so Hansjörg Kropf.

Der „Adler“-Wirt wusste, dass sich ein Bienenschwarm den hohlen Stamm als Behausung ausgesucht hatte. Bereits im dritten Jahr hatte er das Summen vernommen und die ausfliegenden Insekten beobachtet.

Was tun? Diese für die Natur so wichtigen Insekten zu vertreiben, kam für Hansjörg und Ute Kropf nicht in Frage. Schließlich stehen auf der Wiese weitere Obstbäume, die auf Bestäubung angewiesen sind.

Mehrere Imker wurden um Rat gefragt. Es müssen entflogene Bienen eines Schwarmes sein, die sich zusammen mit einer Königin ein neues Zuhause gesucht hatten, war zu hören. „Schwärmen“ nennt man das. Und Einfangen sei hier nicht möglich. Also sägte Kropf den Baum mit größter Vorsicht – und mit der Hilfe von Freunden – um. Die halfen ihm auch, den Teil des Stammes mit dem Bienenvolk anschließend wieder aufzurichten und auf dem im Boden belassen Stumpf zu befestigen – mittels Bauklammern.

So steht er nun da, der mächtige alte Stamm, ragt über zwei Meter in die Höhe.

Und die Bienen fliegen wieder durch das erhaltene Loch am oberen Ende.

Während die Äste zu Brennholz verarbeitet wurden, ist aus Stamm und Stumpf eine Art Denkmal geworden.

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