Kleines Wiesental Bogon und die betörend schönen Klänge

Jürgen Scharf

Ein besonderer Abendgottesdienst mit Musik, der die „neue alte“ Orgel in der Laurentiuskirche zu Gehör brachte, war für Pfarrer Christian Rave ein „richtiger festlicher Anlass“ zum ersten Advent. Fast überflüssig zu sagen, dass mit Bezirkskantor Christoph Bogon an diesem Abend ein schon vielfach ausgewiesener Meisterorganist am Spieltisch der frisch restaurierten Merklin-Orgel saß.

Von Jürgen Scharf

Kleines Wiesental-Tegernau. Bogon hatte bereits vor der Restaurierung und dem Einbau der alten Register, der wiedergefundenen Originalpfeifen, der Erneuerung der Windzuführung und der Neuintonierung im Stil der Romantik dem Tegernauer Instrument bescheinigt, dass es „nach der Rückführung absolut konzerttauglich“ wäre. Im bisherigen Zustand sei die Orgel nichts Außergewöhnliches gewesen, da in den 1960er Jahren im neobarocken Stil umgebaut, aber im rückgeführten Zustand wäre sie sehr interessant, da sie „romantische Orgelmusik mit originalen und betörend schönen Klängen ermögliche“.

Jetzt konnte man beim zweiten konzertanten Auftritt dieser „Königin der Instrumente“ im Kleinen Wiesental feststellen, dass sich Bogons Einschätzung bewahrheitet: Die Merklin-Orgel mit ihrer Originalsub­stanz ist „ein Glücksfall“.

Bogon hatte sein Programm in drei Musikblöcken zusätzlich zu Musik zum Eingang und Musik zum Ausgang auf die Klanglichkeit, Disposition und Register der Merklin-Orgel maßgeschneidert und abgestimmt. Dass der Schopfheimer Kirchenmusikdirektor dank seiner spieltechnischen und künstlerischen Meisterschaft exzellent, lebendig und den Werken angemessen zu registrieren versteht, zeigte er in seiner Auswahl der Literatur - zumeist meditative Orgelstücke der deutschen, englischen und französischen Romantik.

Bereits zum zweiten Mal in kurzem Abstand hörte man die zweite Orgelsonate von Felix Mendelssohn auf diesem Instrument. Heuer zeigte die Orgel ihre wirklichen Meriten, und Bogon konnte absolut überzeugend diese wertvolle Orgelsonate interpretieren, die musikalisch ins viktorianische England weist.

Dass Bogon die Substanz der historischen Orgel zu nutzen weiß, kam allein schon in der Begleitung des Gemeindegesangs bei verschiedenen Kirchenliedern, einem Festpräludium zum Advent in strahlendem C-Dur, dem Choralvorspiel „Es kommt ein Schiff geladen“ von Max Reger, dem kurzen, aber einfühlsamen „Pax vobiscum“ von Henry Elliot Button und der schwebenden „Melodie des Offertoire in h“ von Théodore Dubois zur Wirkung.

Pfarrer Christian Rave zeigte sich über Bogons Spiel ebenso erfreut wie über die Tatsache, dass die Pfeifen wieder so blinken wie zuletzt 1917, bevor sie im Ersten Weltkrieg beschlagnahmt und eingeschmolzen wurden. 100 Jahre hätte es nur Ersatz gegeben. Die „ganz sanften Flötentöne“ (also die Pfeifen) lagen 50 Jahre auf dem Speicher, haben überlebt und klingen wieder, so der Pfarrer.

Rave, der die Liturgie hielt, predigte über das Warten auf Weihnachten und das Hoffen auf das „Ende des Corona-Elends in dunkler Zeit“. Man würde sich nach Licht im Dunkel des Corona-Advents sehnen. Das Evangelium für den ersten Advent wurde aus Zeitgründen ein bisschen gekürzt und auch bei der Lesung mit einem Ausschnitt aus Jeremias Klagen wollte der Pfarrer „Zeit sparen“. Er hofft, dass es an Weihnachten in diesem Jahr überhaupt Gottesdienste geben kann.

Zur Orgelrestaurierung meinte er, das Projekt habe sich gelohnt. Auch Orgelbauer Jens Steinhoff, der an diesem Abend wieder da war, falls es mal wieder haken sollte, habe hervorragende Arbeit geleistet. Er erhielt, wie Organist Christoph Bogon, ein „flüssiges Dankeschön“ vom Orgelstand mit Orgelwein, Marmelade, Honig, Kerzen - den idealen Weihnachtspräsenten.

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