Kleines Wiesental Bühne frei für aktuelles Tanzschaffen

Die rührende Geschichte des Mädchens Janinka und seinem Hund Molsa erzählte das Tänzerpaar Joel Mesa und Paula Tato mit Puppen zum Auftakt des Tanzfestivals im Kleinen Wiesental.                                                 Foto: Jürgen Scharf Foto: Markgräfler Tagblatt

Von Jürgen Scharf

Kleines Wiesental. Im Kleinen Wiesental heißt es wieder: Bühne frei für das aktuelle Tanzschaffen! Pilar Buira Ferre vom Kulturraum Rosenhof präsentiert im Weideschuppen Wies ihr Tanzfestival „Tanz - Kultur - Dialog“ mit Profitänzern aus Deutschland, Spanien, Frankreich und der Schweiz.

Am zweiten Abend gastierte mit der Schweizer Compagnie Linga gleich ein Spitzenensemble mit dem sensationellen Stück „Flow“, das 2019 den Schweizer Tanzpreis bekam.

Der große Tanzboden in der zum Theaterraum umfunktionierten Maschinenhalle scheint von den Klängen und den Bewegungen der Tänzer her wie mit Wasser geflutet. Schwarmintelligenz wird simuliert, und das ist nicht nur faszinierend in der Natur, bei Fisch- und Vogelschwärmen, im Herdenverhalten von Säugetieren und beim Insektenflug. Auch wenn Menschen dieses Phänomen tänzerisch nachmachen, wogt es nur so mit nackten Oberkörpern. Der Zuschauer meint, mitten in einen Fischschwarm hineingetaucht zu sein, so pulsierend und ekstatisch ist die Sogwirkung.

Nicht nur die Interaktion ist staunenswert, ebenso die Schwerelosigkeit der Synchronisation in den Bewegungen zu Wasser, in der Luft, zu Lande. Die Choreografen und Gründer der Compagnie, die Polin Katarzyna Gdaniec und der Italiener Marco Cantalupo – beide kommen vom Béjart Ballett Lausanne her – haben sich von Naturbeobachtungen inspirieren lassen und setzen diese phänomenal in Tanz um.

Wie das Schwarmverhalten in einer Gruppe von sieben Tänzerinnen und Tänzern koordiniert wird, ist schlicht grandios. Vor allem ist es eine Energie- und Ensembleleistung sondergleichen, dieses immerwährende Fließen, Gleiten, die gemeinsamen Bewegungen und die blitzschnellen Änderungen der Geschwindigkeit und Richtung über eine Stunde aufrecht zu halten. Da ließ sich eine Gruppenerfahrung machen und das Nachahmen eines Kollektivbewusstseins in harmonischen Formationen erleben.

Vorangetrieben wird der Tanz von den hypnotischen, mystischen Klängen und hämmernden Rhythmen des französisch-koreanischen Duos Keda. E’Joung-Ju an der koreanischen Zither und Mathias Delplanque mit einer elektronischen Geräuschcollage liefern live den Soundtrack zu diesem instinktiven Schwarmverhalten. Ein Abend, der in seiner faszinierenden Dynamik und tänzerischen Präzision wohl kaum zu toppen sein wird.

Noone Dance-Company

Anfangen hat das viertägige Festival mit einer getanzten und auf katalanisch(!) erzählten Geschichte. Die Thomas Noone Dance-Company aus Barcelona zeigte mit dem Stück „Molsa“ eine anrührende Geschichte um ein kleines fröhliches Mädchen mit roten Haaren und seinen Hund, die im Krieg getrennt werden, Schicksalsschläge erleben, aber wieder zusammenfinden.

Die Inszenierung in der Regie von Thomas Noone ist ein Mix aus Tanz, Puppentheater und Animationsvideo. Auf der Leinwand kann man in Bildern nachvollziehen, wie der Krieg die Menschen auseinanderreißt. Bomben fallen, man sieht Panzer, einmarschierende Soldaten, Explosionen, Brände in der Stadt. Leute werden in einem Lager inhaftiert, können aber durch eine Lücke im Stacheldrahtzaun entkommen. Irgendwann trifft der Straßenhund Molsa wieder auf die Kriegswaise Janinka, und beide werden von dem ehemaligen Kriegsgefangenen Pavel aufgenommen.

Eine tragische Geschichte, aber mit einem Happy End, von dem Sprecher Blai Rodriguez aus der Perspektive des Hundes aufgerollt. Das Tänzerpaar Joel Mesa und Paula Tato agiert nicht nur äußerst geschmeidig mit den lebensgroßen Puppen und den beiden Hundefiguren Molsa und Menta, sondern zieht einen unwillkürlich in die Erzählung des katalanischen Schriftstellers hinein.

Am Schluss verbeugen sich das Mädchen, die Hunde, die Spieler und der Erzähler. Zum Applaus auf die Bühne geholt werden auch alle Helfer, die diese wunderbare Kultur im ländlichen Raum möglich machen.

  Abschluss des Tanzfestivals ist am heutigen Samstag, um 20 Uhr, mit vier verschiedenen kurzen Choreografien; weitere Infos unter: www.kulturraumrosenhof.de

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