Kleines Wiesental Bürger fahren Bürger von A nach B

Sie wollen „im Tal leben – im Tal bleiben“. Aber wie, wenn außer „Wohnen“ nicht mehr viel bleibt von der einst perfekten Infrastruktur im Kleinen Wiesental mit allen Schularten, mit Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten und auch Arbeitsplätzen?

Von Hans-Jürgen Hege

Kleines Wiesental-Tegernau. „Schön wohnen“ kann man in toller Landschaft zwischen Bergen und Tälern, ohne Zweifel. Aber reicht das? Wie sind unter anderem die Ziele zu erreichen, vor allem älteren Menschen ein möglichst langes Leben nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch in der Gemeinde, in der sie aufgewachsen und alt geworden sind, zu ermöglichen?

Antworten darauf erhofft sich die Gemeinde Kleines Wiesental mit einem Mobilitätskonzept, an dem Melanie Mühlhäuser im Tegernauer Rathaus arbeitetet. Es sei „eines der großen Themen in der Gemeinde, mobil zu sein und mobil zu bleiben“, sagt sie und präsentiert der Bevölkerung aktuell eine der Möglichkeiten, „ohne eigenes Auto mobil zu werden beziehungsweise zu bleiben“.

Das Mobilitätskonzept klingt simpel: „Bürger fahren Bürger“, und zwar nicht spazieren, sondern jeweils die paar Kilometer, die zum Erreichen des nächste Anschlusses an den ÖPNV erforderlich sind. Angedacht sei ein „Rufbus / Rufauto-System, das die Menschen von und zu den Haltestellen bringt“, stellt sie die Basis von Überlegungen vor.

Fahrer werden gesucht

Die Überlegungen können zu einem schlüssigen Konzept führen, wenn der Halbjahres-Versuch, den das Land Baden-Württemberg unter Federführung der „Initiative Zukunftsmobilität“ in Kooperation mit „bwegt“ und mit der Gemeinde Kleines Wiesental anbieten will, gelingt.

Christian Klaiber aus Trossingen stellte am Montag einen elektrisch angetriebenen Bus auf den Rathausplatz, der sechs Sitzplätze bietet und von jedem gefahren werden kann, der die für Pkw erforderliche Fahrerlaubnis besitzt. „Gesucht sind Fahrer(innen), die bereit sind, Fahrerdienste zu leisten“, heißt es. Und zwar unabhängig davon, ob diese – natürlich ehrenamtlichen – Dienste mit dem privaten Pkw oder mit dem „bwegt“- Bürgerbus erledigt werden. Wichtig dabei ist vor allem: „Die Fahrten, in die auch ‚Mitfahrbänkle‘ mit einbezogen sind, müssen den bestehenden ÖPNV sinnvoll ergänzen, die Mobilitätsbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger in der Region abbilden und natürlich bezahlbar sein.“

Gelingt der Halbjahrestest mit dem E-Bus, den das Land der Gemeinde kostenlos zur Verfügung stellt, steht die Anschaffung eines gleichartigen (oder evenuell kleineren) Busses durch die Gemeinde an. Wie auch immer die endgültige Lösung aussieht, hängt natürlich davon ab, ob die Menschen im Kleinen Wiesental auf den „mobilen Zug“ aufspringen und den Bürgerbus oft und gerne rufen.

Vor Melanie Mühlhäuser, der Projektbeauftragten, liegt keine ganz einfach Aufgabe. Sie muss bis zum kommenden April pünktlich zum Start des halbjährigen Experiments einen Plan aus dem Hut zaubern, der Mitwirkende benennt, eine machbare Finanzierung aufzeigt und Genehmigungen beinhaltet. „Kommunikation und Zusammenarbeit“ unter allen Beteiligten ist gefragt, damit der Aufbau einer funktionierenden Anschlussmobilität gelingt und es tatsächlich möglich wird, mehr Menschen auf Bus oder Zug zubringen.

Kostenlose Leihgabe

Unter anderem muss auch die Akzeptanz der Mitfahrbänke verbessert werden, um am Ende abgelegenste Orte mit zentralen Zielen sinnvoll anzubinden. Das „innovative Verkehrsangebot“ des Landes ist nicht nur ein „Zuckerle“ für die Bewohner des Kleinen Wiesentals, sondern auch Teil eines Forschungsprojektes. Bis dato werden E-Busse vor allem im Raum Stuttgart eingesetzt.

Ob sich das Gefährt mit einer Reichweite von rund 100 Kilometer, nach denen eine mindestens eineinhalbstündige „Fahrerpause“ zum Aufladen folgen muss, auch im Schwarzwald durchzusetzen in der Lage ist, soll sich beim Einsatz im Wiesental im kommenden Jahr herausstellen.

Auf alle Fälle sei die kostenlose Leihgabe „eine gute Möglichkeit, eine fundierte Entscheidung zur Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs“ vorzubereiten.

Am Einsatz freiwilliger Fahrer scheint das Experiment, in das am Montag mal kurz reingeschnuppert werden konnte, nicht zu scheitern. Gleich sechs Männer und Frauen ließen sich von Christian Klaiber schon mal zeigen, was auf sie zukommen könnte, wenn sie auf dem Dienstplan, den Melanie Mühlhauser noch ausarbeitet, auftauchen.

Weitere Interessenten können sich bei ihr melden. Und: Am Sonntag, 19. September, wird das weiß-gelbe Fahrzeug beim „Tag der offenen Tür“ in Neuenweg als Shuttle eingesetzt. Und am Dienstag, der dem Thema „Mobil im Kleinen Wiesental“ gewidmet sein wird, will die Gemeinde beim Rathaus zum einen erste Inhalte ihres Konzeptes vorstellen, eine weitere Fahrereinweisung anbieten und in den Nachmittagsstunden Fahrgäste „in kleinen Ausfahrten zu den schönsten Winkeln im Kleinen Wiesental“ kutschieren.

  • Bewertung
    2

Umfrage

reg_0210_Impfung_dpa_Christoph_Soeder

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hal vorgeschlagen, die „epidemische Notlage von nationaler Tragweite“ Ende November zu beenden. Was halten Sie davon? 

Ergebnis anzeigen
loading