Impulsgeber für eine erneute Untersuchung der Waldfläche rings um Elbenschwand war der Hinweis des Landesamtes für Denkmalpflege auf eine bislang unbekannte Schanze. Diese könnte durch die geplante Zufahrt zum Windpark gefährdet sein.

Von Werner Störk

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Kleines Wiesental. „Der Hinweis auf diese Schanze kam vom Landesamt für Denkmalpflege beim Windpark-Scoping-Treffen im Landratsamt Lörrach“, sagt der Schopfheimer Lokalhistoriker und Schanzenexperte Werner Störk.

Der für den dortigen Forst zuständige Revierleiter Rüdiger Motzke überprüfte daraufhin das fragliche Terrain und fand noch weitere Geländeformen, die er auf Grund ihrer Ausformung ebenfalls mit dem Schanzenbau um 1700 in Verbindung brachte. Spontan haben sich Werner Störk und Rüdiger Motzke zu einer gemeinsamen Begehung verabredeten.“

Über Stunden gingen beide alle fraglichen Waldflächen ab – mit einem völlig unerwarteten und auch archäologisch höchst erstaunlichen Ergebnis. Schnell wurde klar, dass es sich keinesfalls um eine Schanze handelt, sondern um eine Teilstück der Markgräflichen Vorderen Linie. Sie sollte das einstige habsburgische vorderösterreichische Wiesental ab Zell und vor allem das mehrfach von französischen Truppen überfallene Schönau schützen.

Dieser Teil besteht aus einem im Fachjargon bezeichneten „ausspringenden Winkel“ sowie sich jeweils nördlich und südlich anschließenden Sperrgräben. Solche Winkel ermöglichten es, die beiden offenen Flanken durch Musketen zu sichern. Auch der Laufgraben zwischen der Holderschanze und der Viereckschanze auf dem Neuenweger Hau-Pass trägt solche auffällige „Knicke“.

Dabei weist der nördliche Sperrgraben mit einer durchschnittlichen Breite von sieben Metern eine weitere Besonderheit auf: Er ist am südlichen Ende mit einem Querriegel ausgestattet, der eine zweite Rückzugslinie bilden sollte. Der zwischen den Sperrgräben eingebaute „ausspringende Winkel“ ist optimal durch ein ausgedehntes, wohl schon damals nicht begehbares Feuchtgebiet geschützt. Eine ganzjährig schüttende Quellen garantierte der stationierten Wachmannschaften eine stets frische Trinkwasserversorgung.

Für Werner Störk warf dies eine alles entscheidende Frage auf: „Wo ist die dazugehörende Schanze?“

Die Karten des Landesamtes für Denkmalpflege zeigten keine weitere Spuren – vor allem keine, die auf eine echte Schanzanlage hinwies. Also suchte er das gesamte nördliche Umfeld intensiv ab – mit Erfolg.

So schließt sich ein mächtiger Steinriegel zum Schutz des Sperrgrabens an, der dann ins Schanzenareal einmündet. Verstürzte Steinmauern zeugen von einer hier einst errichteten Schanzanlage (zirka 20 mal 20 Meter) zur Sicherung der historischen Wegverbindung zwischen Zell, Elbenschwand und Bürchau.

Überraschender Fund

Gleichzeitig wurde so der mögliche Aufstieg feindlicher Truppen vom Talboden der Kleinen Wiesen vereitelt und damit auch der strategisch wichtige Wolfsacker-Pass geschützt. Wie wichtig dieser Passübergang war, belegen auch die vier Schanzen an der Ostseite auf Zeller Gebiet.

Mit dieser überraschenden Entdeckung schien zunächst das archäologische Ensemble komplettiert und als archäologische Gesamtheit ausreichend dokumentiert. Doch Revierleiter Rüdiger Motzke hatte schon länger eine auffällige Grabenlinie bemerkt, die sich genau an der äußeren Peripherie und exakt an dem „ausspringenden Winkel“ anschloss. Also ging es für die beiden noch einmal zu Fuß durchs Unter- und Oberholz. Dabei wurde schnell klar: Dies ist der ehemaliger Laufgraben, die so genannte „Kommunikationslinie“ und damit das wichtigste Verbindungselement von der Schanze hinunter ins Tal. Oben noch relativ schmal, entwickelt sich diese Grabenlinie talwärts immer stärker. Damit hatte man eine wichtige Fundergänzung zur gesamten Schanzanlage – wobei der komplett erhaltene Laufgraben streckenweise mit einem massivem Steinbankett gesichert wurde.

Abgerundet wird der archäologische Befund durch die bereits auf einer militärischen Karte von 1701 eingezeichnet Stelle auf dem Wolfsacker, die damals als Standort für ein Signal- und Alarmfeuer diente und mit den anderen Signalstellen in Böllen, Wieden und Muggenbrunn sowie auf dem Zeller Blauen mittels Spiegel, Feuer und Rauch „korrespondierte“.

Der unerwartete Fund wird – wie auch der Standort der Holderschanze – im Zusammenhang mit der geplanten Errichtung des Windparks Zeller Blauen das Spannungsfeld Denkmalschutz und Energiewende neu beleben“, prohezeit Werner Störk. Die neu entdeckte Anlage liegt auf einer wichtigen Zufahrt zur geplanten Windkraftanlage.