Kleines Wiesental Ein Visionär der ersten Stunde

Ein Macher und Praktiker: Die Gemeinde nimmt Abschied von Friedhelm Senn, dessen Sachverstand und umfangreiches Wissen sehr geschätzt wurden.           Foto: Gudrun Gehr Foto: Markgräfler Tagblatt

Nicht nur die Vereinskameraden vom Weide- und Landschaftspflegeverein Neuenweg trauern um ihr Gründungsmitglied Friedhelm Senn, der am 5. September im 75. Lebensjahr im Kreise seiner Familie zuhause in Belchenhöfe nach längerer Krankheit verstorben ist. Sein Tod  reißt eine große Lücke in den Verein. 

Von Gudrun Gehr

Kleines Wiesental-Neuenweg. Der Vereinsvorsitzende mit Stellvertreter Erwin Eiche, dessen Söhne Fabian Eiche  (Weidewart der Belchenweide) und Sven Eiche (Kassierer) sowie Schriftführer Dirk Wagner möchten die großen Leistungen des Verstorbenen für den Verein wertschätzen und  würdigen seinen unvergleichlichen Einsatz und seine Verbundenheit zum Belchengebiet im Gespräch mit unserer Zeitung. 

Eine gesetzliche Änderung schuf  1995 gute Voraussetzungen für die Gründung des Weide- und Landschaftspflegeverein Neuenweg, damals mit 16 Gründungsmitgliedern. Seitdem war Friedhelm Senn Vereinsvorsitzender, eine Tätigkeit, für die es wohl keine bessere Besetzung als ihn gab. Er stammte von einem landwirtschaftlichen Betrieb in Belchenhöfe, war gelernter Zimmermann mit jahrzehntelanger Bauführertätigkeit,  er hatte Durchsetzungsfähigkeit von der Pike auf gelernt.  Anfang der 2000er Jahre erhielt er eine Anstellung in Belchenhöfe, die ihm zeitlich und räumlich Gelegenheit bot, für die Belange des Weidevereins  „durchzustarten“.

Die elterliche Landwirtschaft wurde von ihm übernommen, aus der Ehe mit der Bürchauerin  Ingeborg, geborene Schwald, stammen die Kinder  Anja und Mario.  Der 27-jährige Fabian Eiche erinnert sich: „Friedhelm Senn engagierte sich von Anfang an für den Vereinsnachwuchs. Mich hat er bereits als zehnjähriges Kind auf seinem Traktor abgeholt, mit auf die Weiden genommen, mir alles gezeigt und mir die Freude an der Weidewirtschaft vermittelt.“

So gelang es dem Vereinsgründer bestens, junge Mitglieder anzuwerben. Seine Vereinskameraden erinnern sich: „Er blickte immer über den Tellerrand, er sah das Gesamte. Seine Leidenschaft galt der Offenhaltung und nachhaltigen Bewirtschaftung der Landschaft, er berücksichtigte hier auch Tierhalter mit kleinen Herden. Regelmäßig organisierte er den Besuch von Wanderschäfern. Er legte Wert darauf, dass auch kleine Gelände-Ecken offen gehalten wurden.“ Stellvertreter Erwin Eiche erinnert sich: „Friedhelm sorgte sich, dass auch ein kleiner Tierhalter mit zwei Ziegen unterstützt wurde und das ihm zustehende Material erhielt.“

Senn hatte Erfahrung im Umgang mit Behörden, kannte sich mit zweckgebundenen Förderungen aus und verband die Interessen von Forst, Naturschutzbehörde und Weideverein. Auch von den Behörden wurden  seine Erfahrungen  geschätzt.  Das Betreuungsgebiet des Landschaft- und Weidevereins umfasst derzeit 108 Hektar im Naturschutzgebiet mit der Belchen- und Holderweide und dem Nonnenmattweiher. Der Verein ist für etwa 100 Gastrinder zuständig. Die Viehhaltung und die Weiden sind biologisch zertifiziert. Der Aufenthalt der Gastrinder  wird vom Verein kostenfrei übernommen. 

Vieles stellte Friedhelm Senn, der als durchsetzungsfähiger Macher, Praktiker und Visionär beschrieben wird,  für den Verein auf die Beine: Die Belchenweide mit 44 Hektar Fläche wurde eingerichtet und im Laufe der Zeit vergrößert, der Geräteschuppen in Mittelheubronn wurde erstellt, die Bio-Zertifizierung erfolgte, die extensive Landschaftsoffenhaltung wurde betrieben.  Obendrein feierte man zum 20-jährigen Vereinsbestehen im Jahr 2015 ein großes Fest.

Der Verein hat derzeit 23 Mitglieder. Erwin Eiche: „So wie sich die Offenhaltung des Belchen-Südhanges jetzt darstellt, ist es das Verdienst von Friedhelm Senn.“ Seit einigen Jahren bereitet dem Verein die große Trockenheit Sorge, wobei bereits im Dürrejahr 2018 eine große Menge Wasser auf die Belchenweide geschafft werden musste. Die derzeitigen Wasservorräte sind knapp. Über die Wahl der Nachfolge des Vereinsvorstandes  wird in der nächsten Hauptversammlung entschieden, die allerdings vorerst coronabedingt noch nicht stattfinden kann. 

Der nun Verstorbene hatte neben seiner Vereinstätigkeit zahlreiche Hobbys:  Er fertigte  Zeinen und Straufinken  auf Bauernmärkten, gerne unternahmen seine Frau und er Kurzzeitreisen, und daneben kümmerte er sich um die Enkelin, die sich zu einer leidenschaftlichen Reiterin entwickelte.   Er war gern gesehener Gast bei den Tauziehern in Böllen und den Ringersportlern des Wiesentals. Der Weideverein war dankbar für die tatkräftige Unterstützung der Mitglieder der Feuerwehr, der  Fasnachtsclique „Belchebuure“ und der Tauziehfreunde aus Böllen. Diese halfen oft nach den Wintermonaten, die Weideeinzäunungen zu reparieren oder zu erneuern. Auch hatten die Vereine ihren Anteil an den regelmäßigen „Wurst- und Weidetagen“ , sie  halfen auch gerne im Notfall mit, ausgebrochenes Vieh einzufangen. 

Senn war 59 Jahre im Dienst der Feuerwehr Kleines Wiesental, davon 13 Jahre als Schriftführer der Feuerwehr Neuenweg. 2001 wurde er für seine lange Dienstzeit mit der Ehrennadel in Gold ausgezeichnet. Er war langjähriger Gemeinde - und Kirchengemeinderat.

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