Kleines Wiesental Eine Aktion gegen die Klimakrise

ut gelaunt, weil das Wetter mitspielte, trafen sich kürzlich 13 motivierte Helfer am Feuerwehrhaus in Neuenweg, um die 100 Libanon-Zedern einzupflanzen, die der Verein „Erneuerbare Energien Kleines Wiesental“ gespendet hatte.

Von Dirk Friberg

Kleines Wiesental-Neuenweg. Der Projektleiter, Revierförster Joachim Trautwein, brachte noch weitere 100 Pflänzlinge mit, nämlich Douglasien, die ebenfalls als geeignete Pflanzen für den Klimawandel betrachtet werden.

Dem Verein wurde diese Spende möglich, da aus dem im Frühjahr für den Druck des von Norbert und Sonja Eiche sowie Bernhard und Ulrike Lenz gemeinsam verfassten „Offenen Briefes“, der als Beilage dem Mitteilungsblatt beigefügt wurde, eingegangenen, ausschließlich von Privatleuten stammenden Spenden noch rund 250 Euro übrig waren, die, so der Verein, „sinnvoll und zweckmäßig“ für die im „Offenen Brief“ erklärte Zielsetzung Verwendung finden sollten.

Nach kurzer Lagebesprechung startete ein kleiner Autokonvoi. Auf rund 1100 Meter Höhe befindet sich in der Nähe der „Richtstätte“ der „Distrikt 4“ des Gemeindewalds, ein sogenannter Grundwald, darin ein brachliegender, schotterbedeckter Steilhang, der durch die Anpflanzung der 200 Bäume wieder aufgeforstet werden soll.

Zu Beginn der Pflanzaktion gab Revierförster Joachim Trautwein noch einen kurzen Überblick, warum diesmal Libanon-Zedern zum Einsatz kommen sollten. Die Idee, diese Baumart zu verwenden, stammt von Stefan Niefenthaler, Leiter des Forstreviers Schopfheim. Im letzten Jahr wurden bereits 200 Exemplare der großen Küstentanne“ gepflanzt, die sich gut als Mischbaumart in einen bestehenden Forst integrieren lässt.

Nun solle mit der Pflanzung der Libanon-Zeder ein weiterer Baum hinsichtlich seiner Eignung zur Aufforstung getestet werden. Der langsam wachsende Baum (in den ersten zehn Jahren erreicht er rund drei Meter Höhe) soll mit den klimatischen Veränderungen wie langanhaltende Trockenheit oder Durchfeuchtung und Staunässe bei Starkregen bestens zurechtkommen. Zudem hält er sowohl kalte Winter als auch trockene Sommer aus.

Den Helfern bot sich an der Pflanzstelle ein trostlos wirkendes Bild: Der schotterbedeckte, nach Westen und Südwesten ausgerichtete Steilhang zeigte nur geringe Spuren einer vorangegangenen ersten spärlichen Neubepflanzung – ansonsten prägten nur die verbliebenen Stümpfe der vorherigen Bäume das Bild. Diese sind im Boden verblieben, da deren weitverzweigtes Wurzelwerk nicht nur den Hang vor Erosion schützt, sondern auch den Zöglingen, die nun gepflanzt werden sollen, Halt und Schutz bietet.

Bevor das Pflanzen der 200 Bäumchen beginnen sollte, gab Trautwein noch wertvolle Hinweise, wie die Pflänzlinge zu behandeln seien und an welchen Stellen sie gesetzt werden sollten: Durch die Anzucht in den Töpfen entstand bei den Wurzeln ein Drehwuchs. Diesen galt es beim Entfernen aus den Töpfen zunächst durch Zurechtzupfen der Wurzelstränge zu beseitigen, da dieser sich negativ auf das Wachstum der Wurzeln auswirken würde. Die Libanon-Zeder entwickelt zunächst ihr Wurzelsystem, bevor sie in die Höhe wächst.

Dann zeigte Trautwein ideale Pflanzstellen, etwa unterhalb der Stümpfe zwischen den ausgeprägten Wurzeln. Als Pflanzabstand in den einzelnen Reihen empfahl er einen Abstand von eineinhalb Metern.

Während die Forsthelfer die geplanten Pflanzreihen durch Stangen markierten, begannen die Helfer, Holzkisten mit den Pflänzlingen in den steilen Hang hochzutragen. Unter Anleitung von Joachim Trautwein und den aufmerksamen Augen der Helfer wurde die erste Pflanze fachmännisch gesetzt. Dann verteilten sich die Helfer auf dem Hang, um den Zöglingen eine neue Heimat zu bieten. Im Anschluss an die mühselige Pflanzaktion lud der Verein die Helfer zu einem stärkenden Mittagessen ein.

Die Libanonzeder kommt in Höhenlagen zwischen 500 bis 1400 Meter vor, wie Joachim Trautwein erläuterte und dabei aus einer Broschüre der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg zitierte.

Die Libanon-Zeder gehört zu den schönsten und ältesten Bäumen der Erde. Schon seit der Antike wurde sie begehrt und gehandelt. Ihr Holz ist wetterbeständig und leicht zu behandeln. Sie kann ein Alter von 800 bis 1000 Jahren, eine Höhe bis zu 40 bis 50 Meter und einen Kronendurchmesser von 30 Meter erreichen; der Brusthöhendurchmesser kann bis zu zweieinhalb Meter betragen. In ihrer ursprünglichen Heimat gibt es nur noch Reliktstandorte, da dort der Bestand durch jahrhundertelangen Raubbau weitestgehend zerstört wurde. Daher wird der Baum in der „Encyclopedia of Life“ auch als gefährdet eingestuft, weil sein Bestand derzeit noch weiter abnimmt.

Im Libanon kommt er vermehrt noch an der Grenze zu Syrien vor; sein größes Vorkommen hat der Baum heute in Anatolien. Anpflanzungen in Italien, Iran, Bulgarien, in Mittelgebirgslagen Frankreichs und in Usbekistan waren überaus erfolgreich. In Deutschland ist er bislang nur als Park- oder Gartenbaum bekannt.

Die Pflanzung der gestifteten Exemplare soll daher auch Aufschluss darüber geben, ob dieser Baum tatsächlich die hier gebotenen Klimaverhältnisse annimmt. Sollte dies der Fall sein, könnte diese Baumart durch Neupflanzung nicht nur nachhaltig erhalten werden, sondern langfristig auch die stark gefährdeten Fichten, die jetzt noch das Bild des Schwarzwalds prägen, ersetzen. Zudem gilt die Libanon-Zeder als „nicht invasiv“: Sie vermehrt sich nicht unkontrolliert und macht anderen Bäumen den Lebensraum nicht durch Verdrängung streitig. Somit wäre sie auch für einen Mischwald bestens geeignet. Gute Erfolge gab es bereits bei Vermischung mit Eichen, Tannen und Kiefern.

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