Kleines Wiesental Emotionale Reise voller Nähe

Nähe und Distanz, Liebe und Wut, Beständigkeit und Vergänglichkeit. Das Tanztheaterstück „Ist nah“ nimmt das Publikum mit auf eine emotionale Reise. Foto: Lorenz Foto: Markgräfler Tagblatt

Von Ingmar Lorenz

Kleines Wiesental-Schwand. Auf der Freilichtbühne auf dem Rosenhof in Schwand sitzen 24 Männer und Frauen dicht gedrängt hintereinander auf dem Boden. Zu den sanften Klängen der Musik wiegt sich die Gruppe langsam hin und her wie ein Schiff im Ozean. Musik und Bewegungen werden immer schneller, immer intensiver. Ein Sturm kommt auf und bringt das Schiff zum kentern. Wie auf eine rettende Insel flüchtet sich die Gruppe in eine Ecke der Bühne. Einige strecken hilfesuchend die Hände aus, die Körper liegen übereinander, die Harmonie ist zum Chaos geworden. Eines aber ist geblieben: Die Nähe.

„Das Stück ist eine Reise“, sagt Pilar Buira Ferre über das Konzept der siebten Auflage von „In-Zeit-Sprung“ mit dem Titel „Ist nah“. „Man verändert sich und findet schließlich zu sich selbst. Das ist der Schlüssel“, so die einleitenden Worte der Choreografin zu Beginn des Tanztheaterstücks.

Seit dem 3. Juli hat sie das Stück, das am Mittwochabend auf dem Rosenhof in Schwand im Kleinen Wiesental uraufgeführt wurde, mit den 24 Tänzern erarbeitet. Zuvor hatten sich die Männer und Frauen, die alle über 40 Jahre alt sind, über viele Monate hinweg kennengelernt. „Die Tänzer haben während dieser Zeit die gemeinsame Sprache des Tanzes erlernt“, berichtet Pilar Buira Ferre.

Nur wenige Minuten nachdem das Stück begonnen hat, wird deutlich, dass alle Tänzer diese „Körpersprache“ inzwischen meisterhaft beherrschen: Die fließenden Bewegungen der Männer und Frauen verbinden sich auf der Bühne zu einer Einheit. Keine Spur von Zaghaftigkeit oder Nervosität.

Überzeugend ist die Inszenierung. Viele kleine Szenen wechseln sich ab, in denen die Tänzer verschiedene Facetten der Nähe zeigen. Dabei geht es wie im Fall des kenternden Bootes häufig um körperliche Nähe. Ebenso thematisiert das Stück aber auch emotionale Beziehungen: Die verzweifelte Wut eines Mannes wird von der zärtlichen Berührung einer Frau gelindert. Zwei Männer umkreisen eine Tanzpartnerin wie Motten das Licht. Sie nähern sich ihr an, um sich gleich darauf wieder gegenseitig wegzustoßen. Später bringen die Tänzer paarweise alle Spielarten der Verliebtheit auf die Bühne.

Und nicht zuletzt ist es auch die Nähe zum Publikum mit der bei „Ist nah“ gespielt wird. Das wird zu Beginn besonders deutlich, als 24 Freiwillige aus den Reihen der Zuschauer die Tänzer, die im Garten des Rosenhofs auf Stühlen unter leuchtenden Alabastersteinen sitzen, auf die Bühne führen und ihnen ein Wort ins Ohr flüstern. Dieses malen die Männer und Frauen auf der Bühne, anschließend mit weißer Kreide auf ihre Kleidung. Auch später wird die Distanz zwischen Tänzern und Publikum immer wieder aufgehoben, etwa als die Männer und Frauen auf der Bühne den Zuschauern Blumen oder aus Büchern herausgerissene Seiten überreichen.

Stimmungsvoll untermalt wird der Tanz von der hervorragend ausgewählten und aufgeführten Musik. Die Stücke, die die fünf Musiker mit Gitarre, Hang, Flöte, Geige und Gesang zu Gehör bringen, mischen sich harmonisch mit den Bewegungen auf der Bühne. Die Tänzer lassen sich von der Musik tragen, während die Musiker wiederum die Bewegungen aufgreifen und in die Musik einfließen lassen.

Und wo endet diese emotionale Reise? Natürlich dort, wo sie begonnen hat. Die Tänzer setzen sich zum Schluss wieder auf die Stühle neben die leuchtenden Alabastersteine, während auf der Bühne das letzte Scheinwerferlicht erlischt.  Aufführungen bis 22. Juli, 20 Uhr, Matinée Sonntag, 23. Juli, 11.30 Uhr, Kartenbestellung: Tel. 07629/919 079, memoria@kulturraumrosenhof.de, Abendkasse eine Stunde vor der Vorstellung

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