Kleines Wiesental Gesteins- und Wasserprobe entnommen

Julian Rolker nimmt Wasserproben, um Aufschluss über die geologische und hydrologische Situation rund um Bürchau zu erhalten. Foto: Harald Senn Foto: Markgräfler Tagblatt

Kleines Wiesental-Bürchau (hf). Die erste Analysephase für ein mögliches Geothermie-Projekt in Bürchau hat in der vergangenen Woche begonnen. Julian Rolker vom Karlsruhe Institute of Technology (KIT) entnahm in Bürchau und in der näheren Umgebung Gesteins- und Wasserproben, um Aufschluss über die geologische und hydrologische Situation rund um Bürchau zu erhalten.

Auf Initiative von Harald Senn aus Bürchau hat der Verein „Erneuerbare Energien Kleines Wiesental“ ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem geprüft werden soll, ob das in Bürchau austretende warme Wasser von Menge und Temperatur her geeignet ist, auch großflächig für ein Heizprojekt nutzbar gemacht zu werden.

Eine bedeutende Unterstützung gewann der Verein durch das Kooperationsangebot des KIT, die Untersuchung durch eine wissenschaftliche Analyse zu unterstützen. Im Rahmen einer Masterarbeit wird Julian Rolker in und um Bürchau geologische und hydrologische Untersuchungen und Analysen vornehmen, die dem Verein als Basis für eine so genannte Machbarkeitsstudie dienen.

Das KIT hat zusätzlich ein eigenes Interesse an diesem Projekt. „Ob es parallel zum Oberrheingraben eine zweite Nord-Süd-Verwerfung gibt, die möglicherweise durch das Kleine Wiesental verläuft, wird zwar vermutet, ist aber bisher nicht bewiesen“, erläuterte Julian Rolker.

In der ersten Analysephase wurden von Julian Rolker Gesteins- und Wasserproben in Bürchau, an der Quelle der Kleinen Wiese am Belchen sowie bei anderen Wasseraustritten rund um Bürchau genommen; sie werden später in Karlsruhe analysiert. „Über die Bestandteile im Wasser lässt sich feststellen, mit welchen Mineralen das Wasser auf seinem Verlauf in Berührung gekommen ist“, berichtete Julian Rolker. Daraus lassen sich Informationen über die Gesteinszusammensetzungen im Belchengebiet ablesen.

Mit einer weiteren Analysemethode lässt sich nachweisen, ob es im Wasser radioaktive Spuren gibt, die auf die ersten Atomversuche im vergangenen Jahrhundert zurückzuführen sind. Lassen sich keine solche Spuren nachweisen, muss das Wasser „älter“ als rund 50 Jahre sein.

Mit unterschiedlichen Geothermometern kann ebenfalls festgestellt werden, welche maximale Temperatur das Wasser auf seinem Weg gehabt hat. Dies soll Aufschluss darüber geben, ob sich warme oder heiße Wasserreservoirs finden, die zu Heizzwecken nutzbar gemacht werden können. „Lässt sich ausreichend warmes Wasser nachweisen, muss in der Nähe des Wasseraustritts - also bei der Bürchauer Brücke - gebohrt werden, um dieses Wasser für die Nutzung zu erschließen“, folgerte Julian Rolker.

Die jetzt vorgenommenen Proben und die anschließenden Analysen werden noch einmal wiederholt werden. „Die ergiebigen Regenfälle der letzten Tage und Wochen haben so viel ‘frisches’ Wasser ergeben, dass wir nach einer längeren Trockenperiode noch einmal messen werden, um wirklich verlässliche Ergebnisse zu erhalten“, erläuterte Julian Rolker.

Der Verein „Erneuerbare Energien Kleines Wiesental“ ist sehr froh und dankbar über die Kooperation mit dem KIT, denn Analysen in dieser Professionalität und Qualität hätten sich die Aktiven nicht leisten können. „Und bevor wir einen weiteren Schritt in Richtung der Realisierung machen können, benötigen wir verlässliche Informationen“, ergänzt Harald Senn, der die Verantwortung für dieses Projekt übernommen hat.

Besonders erfreulich für den Verein ist auch, dass dieses Projekt finanziell großzügig vom KIT unterstützt wird. Das Master-Projekt wird vom KIT gefördert, für den Verein fallen lediglich die Kosten für Analysen an, die in Karlsruhe nicht geleistet werden können, sowie die Aufwände für den Aufenthalt von Julian Rolker in Bürchau. Aber der junge Mann ist schon jetzt von den Bürchauern so ins Herz geschlossen worden, dass von „Aufwänden“ niemand reden mag.

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