Kleines Wiesental „Haben gegen Auflagen verstoßen“

Gerald Nill

Forst BW beantragt, den Holzlagerplatz Tegernau auch in den kommenden 15 Jahren nutzen zu können. Förster Hubertus Stratmann sichert zu, dass der Betrieb des Lagerplatzes künftig sicherer und umweltfreundlicher ausgeführt werde. Der Gemeinderat Kleines Wiesental äußerte zwar Bedenken gegen den Nasslagerplatz, der vor allem im Dürrejahr 2020 in die Schlagzeilen geraten war, genehmigte den Weiterbetrieb letztlich aber bei drei Gegenstimmen.

Von Gerald Nill

Kleines Wiesental. Stratmann räumte in der Gemeinderatssitzung ein, dass das Nassholzlager ihn „in den letzten zwei Jahren Nerven gekostet und graue Haare verursacht“ habe. Wie berichtet, hatten Umweltschützer moniert, dass in Dürrezeiten zu viel Wasser aus der Köhlgartenwiese zur Beregnung der eingelagerten Fichtenstämme entnommen wurde, dass das Wasser nicht auf dem Lagerplatz versickert und letztlich belastet wieder dem Gewässer zugeführt wurde.

Jetzt räumte Stratmann ein, dass „die ursprüngliche Genehmigung nicht umzusetzen war“. Der Förster wörtlich: „Wir haben mit der Einleitung von Wasser vom Holzlagerplatz in die Köhlgartenwiese gegen Auflagen verstoßen.“ Das gehe so nicht, räumte er ein. Aber die Auflagen hätten aufgrund der Bodenbeschaffenheit, der Nähe zum Bach und der Topographie auch gar nicht eingehalten werden können, bat Stratmann um Verständnis.

Als das Ablaufdatum für das Nassholzlager in Tegernau näher rückte, habe der Forstbetrieb überlegt, „ob wir das Lager überhaupt noch brauchen“. Der Lagerplatz ist für die Fichte gedacht, aber die Fichte ist ein Auslaufmodell in Zeiten des Klimawandels.

Bei Wassermangel wird die Anlage abgestellt

Ein aktuelles technisches Problem in einem der beiden Großsägewerke mit der Folge eines Annahmestopps für Holz zeige aber, dass ein Holzlagerplatz doch eine sinnvolle Sache sei.

„Um auch zukünftig flexibel auf Situationen reagieren zu können, in denen der Holzanfall die jeweiligen Absatzmöglichkeiten übersteigt, insbesondere bei größeren Sturmholzmengen und Borkenkäferkalamitäten, ist die Nasskonservierung auch ein wichtiger Baustein für den Waldschutz“, heißt es in dem Genehmigungsantrag. „Daher beantrage ich hiermit die wasserrechtliche Erlaubnis und baurechtliche Genehmigung zum Betrieb des Nassholzlagerplatzes über 15 Jahre, Laufzeit bis Ende 2036.“ Die maximale Einlagerungsmenge solle 10 000 Festmeter betragen.

Allerdings muss der Forst bei den Umweltschutzauflagen erheblich nachbessern. Stratmann versprach für den Holzlagerplatz eine „Kläranlage mit einem mehrstufigen Verfahren“. In einem Sandfang sollen zunächst die Holzpartikel, die durch die Beregnung der Stämme aus dem Holz gewaschen werden, herausgefiltert werden. In einem nächsten Schritt sollen in einem Schilfbeet auch die Gerbstoffe aus dem Brauchwasser herausgeholt werden, ehe es wieder der Köhlgartenwiese zugeführt wird. Stratmann bezifferte die Kosten für die Reinigung des Beregnungswassers auf 50 000 bis 60 000 Euro.

Katharina Matzken, Ortsvorsteherin von Bürchau, fragte, ob immer genug Wasser für eine Beregnungsanlage da sei. Der Förster antwortete, dass der Wasserstand am Pegel der Kleinen Wiese in Tegernau maßgeblich sei. „Es kann sein, dass wir die Anlage abstellen müssen, wenn zu wenig Wasser da ist.“

„Die Sorgen der Enkensteiner ernst nehmen“

Gudrun Gehr, Gemeinderätin aus Wies, griff die Einwände der Bürger aus Enkenstein auf. Sie fand, dass man die Sorgen der Bürger durch zunehmende Holztransporte in engen Ortsdurchfahrten ernst nehmen sollte.

Stratmann gab zu bedenken, dass nicht jeder Holztransport im Lagerplatz Tegernau ende, vielmehr seien auch andere Transporteure am Werk. Er riet: „Das müssen Sie mit dem Landratsamt klären.“ Das Holzlager sei nur „eine kleine Nummer“ und falle mit „maximal zehn bis elf Fahrten am Tag ins Gewicht“.

Gemeinderat Frank Weber aus Bürchau störte die lange Genehmigungsdauer von 15 Jahren, er hielt das Gelände in Tegernau als Holzlagerplatz für ungeeignet. „Ich tue mich schwer mir der Genehmigung“, bekannte Weber. Alexander Ziegler aus Elbenschwand fragte nach: „Was ist, wenn Sie die Werte nicht einhalten?“ Stratmann: „Dann schalten wir ab.“

Und weiter: „Bei Niedrigwasser in der Köhlgartenwiese müssen wir den Betrieb einstellen.“ Das sei das Restrisiko des Betreibers.

Gemeinderat Daniel Dreher aus Sallneck meinte bei der Sitzung, der Holzplatz sei vor allem ein Lager für die Waldbesitzer im Kleinen Wiesental.

Schließlich wurde über den Genehmigungsantrag über die Weiterführung des Nassholzlagers abgestimmt.

Eine Mehrheit des Gremiums war für den Weiterbetrieb, drei Stimmen erntete der Forst dagegen.

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