Kleines Wiesental „Humor macht trocken Brot zum Leibgericht“

Einen Gottesdienst der ganz besonderen Art durften die Besucher des ökumenischen Gottesdienstes am Sonntag in der Wiesleter Kirche erleben. Ulrich Henze, evangelischer Pfarrer aus der Ortenau, ist Notfallseelsorger und seit neun Jahren „Pfarrer im ständigen Vertretungsdienst“ der Kirche.

Von Gudrun Gehr

Kleines Wiesental-Tegernau. Henze ist einer der fünf Springer, die in einem „Springer-Pool“ zusammengefasst sind. Er ist 62 Jahre alt und wurde von der evangelischen Landeskirche Baden entsandt, um „Gemeinden in Nöten“ beizustehen. Sechs Jahre lang war er als Springer für einige Gemeinden im Rebland zuständig.

Darüber hinaus ist der außergewöhnliche Pfarrer noch Träger des „Bändele Häs“ seiner Narrenzunft aus Zell / Harmersbach, ebenfalls ist er auch Fan vom FC St. Pauli. Mit dem Fasnachtsgottesdienst führt er eine von Pfarrerin Susanne Roßkopf bis ins Jahr 2014 geführte Tradition der Kirchengemeinde Vorderes Wiesental weiter, damals verzog die Pfarrerin.

Lehrreich eröffnete der Ortenauer seine Predigt in der Wiesleter Kirche. Die heutige Fasnacht sei kein christliches Fest, hat aber ihren Ausgangspunkt im christlichen Jahresablauf. Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch, dann soll 40 Tage lang bis Ostern gefastet werden. Es seien aber genau genommen 47 Tage bis Ostern, weil aus theologischen Gründen die sieben Sonntage entfernt wurden. Henze schmunzelte: „Schon habt ihr wieder was gelernt.“ Außerdem meinte Henze auf gut ortenauerisch: „Ich schwätz nit so wie Ihr - Ihr müsst Euch in meinem Dialekt zurechtfinden. Aber Fasend ist völkerverbindend, über alle Sprachen hinweg“.

Begleitet wurde der besondere Gottesdienst vom Organisten Henk van Heel. Das Willkommensstück „Über den Wellen“ von Juventino Rosas, auch bekannt als Ohrwurm „Schlittschuhwalzer“, animierte die Besucher zum Mitwippen der Füße. Die Liturgie in Form von selbstgeschaffenen Reimen wurde von Henze präsentiert : „Humor ist sozusagen der Senf unseres Lebens / Er macht ein Stücklein trocken Brot zum Leibgericht / Wer ihn nicht selbst besitzt, der hamstert ihn vergebens / So hat man ihn entweder - oder hat ihn nicht.“

Bei seiner hintergründigen und humorvollen Predigt nahm er in Reimform das Alltagsgeschehen aufs Korn: „Lasse die Leute kein falsches Geld machen / aber auch das Geld keine falschen Leute; Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit / und der Wahrheit mehr Freunde; Gib den Regierenden ein besseres Deutsch / und den Deutschen eine bessere Regierung.“ Auch tagesaktuell präsentierte Henze seinen Reim: „Der China-Virus ist nun mal / Die Schattenseite von global / Außerdem werden wir nun lernen müssen / Die Fasned ohne Küssen“. Aber Henze hatte auch Trost parat: „Und diese Welt ist immer gleichzeitig beides: Spielplatz der Freude und Höhle des Leides.“ Auch das Thema Alkohol wusste Henze augenzwinkernd zu erwähnen: „Zur Fasnacht g’hört ja Bier und Wein / Man will genießen, fröhlich sein /

Ihr Frau’n und Männer merket wohl / Ein schlimmer Feind ist Alkohol /

Doch in der Bibel steht geschrieben / Du sollst auch Deine Feinde lieben.“

Organist Henk van Heel, hervorragender Pianist, ließ bei mitreißend intonierten Stücken, darunter „The Entertainer“, seine Fähigkeit zur Improvisation und die Leidenschaft zum Jazz erkennen, woraufhin ihm die Besucher spontan applaudierten. Henze bedankte sich bei van Heel: „Henk, Du bisch de Kracher.“

Henze spendete einen „Bewegungssegen“, wobei die Besucher aufgefordert wurden, aufzustehen und sich während des Segens zu bewegen. Henze verabschiedete sich: „Ich wünsche euch noch eine schöne Fasend, bliebet gsund und gfräß“.

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