Kleines Wiesental Isetta kommt auch mit in den Urlaub

Bernd Haas und Günter Metzger sind Nachbarn. Beide lieben Oldtimer. Aber auf unterschiedliche Weise. Das Markgräfler Tagblatt hat sie in Wieslet besucht.

Von Christoph Schennen

Kleines Wiesental-Wieslet. Bernd Haas besitzt einen Praga Piccolo, den er vor etlichen Jahren über einen Bekannten günstig erwerben konnte. Ab und zu nutzt er das Gefährt für einen Ausflug – allerdings äußerst selten. Und um am Auto zu arbeiten, fehle ihm die Zeit, sagt er.

Eine feine Staubschicht bedeckt den Oldtimer, der einige Straßen abseits seines Wohnhauses wettergeschützt unter einem Dach steht. Einige Male war der Praga für Bekannte bei Hochzeiten im Einsatz, und dann wurde nicht nur über das Brautpaar gestaunt, sondern auch über das Auto. Nur Bernd Haas und sein Sohn sind bisher mit dem Oldtimer gefahren. Seine Frau Dagmar möchte den Rechtslenker, dessen Motor noch per Handkurbel gestartet wird, nicht steuern.

Bernd Haas` Nachbar Günter Metzger ist stolz, wenn er auf seine BMW Isetta aus dem Jahr 1959 blickt. Den Kleinstwagen, der noch kürzer ist als ein Smart Fortwo, gibt es in sehr viel größerer Stückzahl als den Praga Piccolo und wird deshalb auch nicht so hoch gehandelt wie dieser. Günter Metzger verbindet mit seiner Isetta Kindheitserinnerungen, sein Vater besaß ein solches Fahrzeug – in der gleichen Lackierung. „Vor vier Jahren wurde ich pensioniert, und dann habe ich mir einen Traum erfüllt und mir eine Isetta gekauft“, sagt der gelernet Maler. Die Isetta hat einen Rückwärtsgang, der bei Kleinstwagen nicht selbstverständlich war, und vier nicht synchronisierte Vorwärtsgänge, die zum Zurückschalten Zwischenkuppeln und Zwischengas verlangen. Der Schalthebel liegt links neben dem Fahrer. Angetrieben wird die Isetta von einem Viertakt-Motor, der seine 13 PS aus einen Hubraum von 300 Kubikzentimeter schöpft. Die Isetta verbraucht drei Liter auf 100 Kilometern, sagt Günter Metzger. Mit einer Tankfüllung komme man 300 Kilometer weit. Zwei Erwachsene und ein Kind finden in der Isetta Platz. Der Einstieg befindet sich –­ ungewöhnlich für die heutige Zeit –­ an der Front.

Am Heck befindet sich ein Gepäckträger, auf dem ein Koffer ruht, und der Einfüllstutzen des Kraftstofftanks.

Der Wiesleter wollte Automechaniker werden, ist dann aber Maler und Lackierer geworden. Seit er im Ruhestand ist, hat Günter Metzger viel Zeit, um sich seinem Liebling zu widmen. Wenn etwas kaputt ist, braucht er nicht in die Werkstatt zu fahren, um den Wagen reparieren zu lassen; Metzger macht das alles selber. „Jedes Ersatzteil bekommt man.“

Hinter der Sitzbank ist ein Reserverad untergebracht, ebenso ein Radkreuz für Zündkerzen und Radmuttern.

Demnächst will Günter Metzger ein Radio in sein Fahrzeug einbauen, direkt neben dem Aschenbecher, der Blumenvase und dem Münzspender, die Original-Objekte aus den Fünfziger Jahren sind.

Der 71-Jährige ist mit seinem kleinen BMW nicht nur im Dorf unterwegs, sondern legt auch längere Strecken auf der Landstraße zurück. Er präsentiert die Isetta auch auf Oldtimer-Schauen und ist mit ihr schon bis zum Bodensee gefahren. Auch mit in den Urlaub nimmt er den Oldtimer. Die leicht schiebbare Isetta, die 370 Kilogramm wiegt, wird dann auf einem Hänger an den Urlaubsort transportiert.

„Heiß wird es in der Isetta nicht“, versichert Günter Metzger. Im Sommer wird der Mini nämlich zum Kabriolett.

Die Isetta war das „Fahrzeug für den kleinen Mann“, der sich einen Volkswagen noch nicht leisten konnte und noch keinen Pkw-Führerschein besaß. Sie durfte man mit einem Motorradführerschein fahren. Das Fahrzeug gab es damals für einen Preis von rund 2500 Deutsche Mark.

Noch einen anderen Oldtimer bewundert er: den Opel P4. „Mein Vater hat ein solches Fahrzeug als Zugmaschine für den Heuwagen genutzt“, erinnert sich der Wiesleter. Wer also einen Opel P4 in der Garage stehen hat und ihn nicht mehr braucht, kann sich an Günter Metzger wenden.

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