Kleines Wiesental Jazzklänge im Gotteshaus

Gudrun Gehr
Organist Bernd Harbeck-Pingel gab ein Benefizkonzert in der Wieser Kirche. Foto: Gudrun Gehr

Zur Einführung des Benefiz-Orgelkonzertes in der Wieser Kirche am Samstagabend brachte es Pfarrer Christian Rave kurz und knapp auf den Punkt: „Hier entfaltet die ältere Schwester in Wies Aktivitäten für ihre jüngere Schwester in Tegernau“.

Von Gudrun Gehr

Kleines Wiesental-Wies. Zu Gast war der Organist Bernd Harbeck-Pingel, Professor für Theologie an der evangelischen Hochschule in Freiburg und Mitglied des Instituts für Kirchenmusik in Freiburg. Der Organist hatte bereits mehrfach bei Gottesdiensten in der Wieser Kirche begeistert.

Pfarrer Rave erwähnte in seiner Begrüßung die notwendige finanzielle Unterstützung der Renovierungsarbeiten für die 1895 erbaute Merklin-Orgel in der Laurentiuskirche in Tegernau. Diese wird von Orgelbauer Jens Steinhoff derzeit neu intoniert. Deren Zinnpfeifen wurden im Ersten Weltkrieg beschlagnahmt und eingeschmolzen. Die Pfeifen wurden später durch minderwertiges Zink ersetzt, was nicht mehr korrigiert wurde. Auch wurden in den 1960er Jahren typische Romantikregister ausgebaut, die Windzuführung und Intonation wurde verändert. Glücklicherweise blieben die meisten der ausgebauten Pfeifen erhalten und wurden bei Dienstantritt von Pfarrer Rave in Tegernau vor einigen Jahren auf dem Dachboden der Kirche bestens erhalten wiederentdeckt.

Bei der nunmehr anfallenden Renovierung der Orgel werden die Register wieder eingebaut, fehlende Pfeifen im damaligen Stil ersetzt, die Windzuführung wird erneuert und die Orgel in den originalgetreuen Stil der Romantik zurückversetzt. Die Tegernauer Orgel gilt als die größte und besterhaltene Merklin-Orgel im Umkreis. Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2022 beendet sein.

Die Wieser Orgel ist ihrerseits rund 100 Jahre älter als ihr Pendant in Tegernau. Diese wurde in den 1787/1788 in der Werkstatt von Orgelbauer Georg Marcus Stein erbaut, die Orgel wurde 1855 von der evangelischen Kirche in Gernsbach nach Wies versetzt und von Orgelbauer Merklin aufgestellt. Das Wieser Instrument steht heute ebenfalls unter Denkmalschutz. Beide Orgeln sollen zusammen nach Abschluss der Arbeiten in Tegernau Teil der Deutschen Orgelstraße werden.

Organist Bernd Harbeck-Pingel stellte das Musikprogramm vor, das zehn Stücke aus Barock, Klassik bis hin zum zeitgenössischen Jazz umfasste. Darunter befanden sich Kompositionen von Johann Gottfried Müthel bis zu Carl Czerny. Ein großes Augenmerk richtete der Organist auf die Komposition der 1964 geborenen Jazz-Organistin Barbara Dennerlein. Ihre Jazz-Komposition „Le Coeur Bleu“ stammt aus dem Sammelband „Orgelmusik in Zeiten von Corona“ des Deutschen Musikrates und der Deutschen Bischofskonferenz, was die Corona-Zeit künstlerisch reflektiert. Die Orgelwerke sollen das Musikleben aktiv befördern und die Hörer zu einer Auseinandersetzung mit den Pandemie-Erfahrungen anregen.

Eingebettet in Stücke von Carl-Philipp Emanuel Bach und Johann Sebastian Bach verstand es der Organist in seinem virtuosen Spiel, der ehrwürdigen Stein-Orgel ungewohnte Jazzklänge zu entlocken, die sich um einen Mittelpunkt herumbewegten, in kleinen filigranen Intervallen kreisend. Das melodisch einfache, zeitgemäße Werk mit seinen unerwarteten Harmonien überraschte die Besucher.

Das mehr als einstündige Konzert beendete der Organist mit einer Zugabe. Das Publikum bedankte sich mit lebhaftem Beifall für die Klänge und der Künstler wurde nach dem Konzert zu einem Umtrunk mit einem „Orgel-Wein“ eingeladen.

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