Kleines Wiesental Landwirte zeigen Solidarität

Kleines Wiesental/Steinen - Ein Puzzleteilchen fügte sich in das andere und am Schluss stand ein voll beladener Schwertransporter mit Silageballen und weiterem Tierfutter zur Fahrt in die Hochwassergebiete von Rheinland-Pfalz auf den Wiesen beim Steinener Schwimmbad bereit.

Vernetzung der Landwirte zahlt sich aus

Es hat sich wieder einmal bewährt, dass die jüngeren Landwirte aus dem Kleinen Wiesental und der näheren Umgebung vernetzt sind: Anfang August informierte der Langenauer Landwirt Jörg Schön in der Whats­App-Gruppe seine Kollegen darüber, dass sich ein Spediteur von den überfluteten Gebieten in Rheinland-Pfalz aufgemacht hatte, im Südwesten der Republik lebensnotwendiges Heu für das Vieh einzusammeln. Schön unterstützte die Sammelaktion tatkräftig.

Die Information fand auch im Kleinen Wiesental Gehör. So überlegte Jörg Brennfleck, Forst- und Landwirt mit Pferdehof auf dem Henschenberg, wie die Aktion unterstützt werden kann und fand zügig Mitstreiter. Brennfleck: „Schnell stellte sich heraus, dass der Transport des Tierfutters das Aufwendigste war.“

Im Zusammenschluss mit seinen Kollegen Jörg und Fritz Volz aus Wieslet ergab eine Sammlung spendierfreudiger Stallgemeinschaften eine Summe, welche die erwarteten Transportkosten tatsächlich weit überstieg. So konnte noch für über 2000 Euro Sackware-Futter für Hühner, Pferde, Rinder und Alpakas beschafft werden, das auf der Ladefläche des Transporters Platz fand. Die Spender aus den Stallgemeinschaften stifteten großzügig nicht nur Bares, sondern auch Zubehör wie Pferdedecken und Halfter.

Brennfleck berichtete im Gespräch von einem optimal verlaufenen Frühjahr für die Futterernte in der Region. Er sagte: „Keine Frostnächte, der reichhaltige Niederschlag und die Wärme verschafften eine erfolgreiche Erntesaison.“ So beschlossen die Kleinwiesentäler Landwirte, die Überschüsse nicht einzulagern, sondern zu spenden.

Dutzende Heuballen zum Abtransport bereitgestellt

In einer Dreitagesaktion war es dann geschafft: Dutzende Heuballen von den Wiesen der Landwirte bei Steinen und im Kleinen Wiesental wurden zum Abtransport bereitgestellt.

Unterstützt wurde die Aktion durch zahlreiche Sponsoren: Die Spedition Odenbach, ohnehin engagiert im Katastrophengebiet, stellte den Sattelauflieger für den Schwertransport zur Verfügung, die Zugmaschine kam von der Firma Trautwein in Schopfheim.

Das Pressen der Heuballen übernahm das landwirtschaftliche Lohnunternehmen Uwe Bühler aus Hägelberg, auch die Stallgemeinschaft der Bühler-Ranch hatte sich großzügig eingebracht. Die Firma Ziegler aus Tannenkirch stiftete die notwendigen Folien für die Heuballen.

Gründland, Mühlen und Lagerhäuser im Ahrtal stark beschädigt

Freudig erwartet wird der Transport am Verteillager des Tierhalterverbandes in Ferschweiler in der Südeifel, wo die Ballen die Weiterreise zu den notwendigen Futterplätzen antreten werden. Den Initiatoren war bekannt, dass die Überschwemmungen das Grünland, die Mühlen und die Lagerhäuser im Ahrtal stark beschädigt hatten, so dass der Futtertransport dringend notwendig ist.

Auch stand der Chauffeur des Transporters bereit: Jörg Brennfleck ist nebenberuflich ohnehin als LKW-Fahrer tätig, so dass für ihn die nächtliche Fahrt zur etwa 500 Kilometer entfernten Abladestelle kein Problem darstellt.

Nicht nur der Tierhalterverband erwartete den Transport sehnlichst, auch die neunjährige Tochter Tess freute sich als Beifahrerin auf die Fahrt mit Papa. Sie meinte: „Wir möchten nicht, dass dort die Tiere sterben, und möchten helfen.“

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