Von Peter Schwendele

Kleines Wiesental-Elbenschwand. Geist und Körper in Harmonie zusammenbringen, Achtsamkeit für das Leben entwickeln, aus dem Stressmodus kommen - wer Ziele wie diese verfolgt, findet seit Kurzem in Elbenschwand eine Möglichkeit, ihnen näher zu kommen. Die Zenklause von Volker Hers-kamp lädt ein, in der inspirierenden Umgebung und der Abgeschiedenheit zwischen den Hügeln des Kleinen Wiesentals zu meditieren.

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Der Blick Richtung Belchen aus dem Garten - und aus dem Meditationsraum - im Domizil von Volker Herskamp ist atemberaubend - und hat viel dazu beigetragen, dass der gebürtige Aachener, der schon seit vielen Jahren in südlichen Gefilden in Deutschland und der Schweiz lebt, sich dafür entschieden hat, das alte, großzügig angelegte Anwesen im Elbenschwander Vorderdorf zu erwerben. Schritt für Schritt hat er in den vergangenen eineinhalb Jahren Räume ausgebaut und modernisiert, einen Meditationsraum und ein Sitzungszimmer gestaltet, Übernachtungsgelegenheiten eingerichtet und das Ganze zu einem Ort gemacht, an dem sich Sinnsucher und stressgeplagte Städter gleichermaßen wohl fühlen können. Es gibt sowohl die Gelegenheit für kurze so genannte Retreats (Rückzugseinheiten aus dem Alltagsleben) als auch die Möglichkeit, sich länger in der Zenklause aufzuhalten. Konzipiert ist der Meditationsort für bis zu zwölf Menschen, die sich in Ruhe und Abgeschiedenheit bewegen wollen.

Noch ist nicht alles fertig; das Anwesen weist nach wie vor einige Ecken auf, in denen mittelfristig kräftig weiter gewerkelt werden kann, doch die zentralen Elemente sind realisiert, und Volker Herskamp steht kurz davor, die Türen der Zenklause offiziell zu öffnen. Am 10. August plant er einen „Tag der offenen Tür“, an dem sich die Bevölkerung von 13.30 bis 17 Uhr bei Kaffee und Kuchen ein Bild von der neuen Einrichtung im Kleinen Wiesental machen kann.

Ebenfalls schon geplant ist der erste Zazentag am 23. August. Herskamp lädt dazu speziell an der Zen-Philosophie Interessierte ein. Er selbst wurde 1997 zum Zenmönch ordiniert, gründete 1998 das Zen-Dojo Basel und erhielt die Lehrerlaubnis.

Das erste Mal kam der frühere Leistungssportler, der 13 Triathlons absolvierte, bereits als Jugendlicher mit Meditation in Berührung, angeregt durch einen katholischen Pfarrer. Doch die klassischen Religionen waren Herskamps Ding nicht, er bezeichnet sich vielmehr als Sinnsucher. Nach einer Reihe von unterschiedlichen Meditationserfahrungen und der Auseinandersetzung mit östlichen Gedankenwelten fand der 49-Jährige in der aus Japan stammenden Zen-Tradition die zu ihm passende Philosophie.

Grundsätzlich möchte Volker Herskamp, der in Basel eine kleine Realschule mit Spezialisierung auf verhaltensauffällige Jugendliche leitet, sein Meditationsangebot offen halten. Angesprochen fühlen sollen sich in erster Linie Menschen, die in einer Krise stecken, die im Alltagsstress gefangen sind, die Gefahr laufen, in die Burn-Out-Falle zu tappen oder die bereits so ausgebrannt sind, dass ihnen ihr Leben nur noch wie ein beschwerlicher, auszehrender Weg vorkommt. „Mein Ziel ist es vor allem, gestresste Städter wieder fit zu machen fürs Leben“, sagt Herskamp.

Im Prinzip gehe es bei allen Meditationsübungen darum, Körper und Geist wieder zusammenzubringen, zu sich selbst zu kommen. „Meditation ist der Spiegel des eigenen selbst“, beschreibt der Zenmönch die Funktion des Versinkens in den Ruhezustand.

Oftmals wird davon ausgegangen, dass das zentrale Anliegen meditativer Bemühungen ist, den Kopf auszuschalten, doch so weit möchte der Neu-Elbenschwander nicht gehen. Ziel sei nicht das Eliminieren von Gedanken, sondern die Nichtbewertung der Gedanken - ein entscheidender Unterschied. „Es geht darum, nicht mehr Sklave des Hirns zu sein“, betont Volker Herskamp.

Dass der Effekt ein positiver ist, davon ist der Zenmönch jedenfalls felsenfest überzeugt. Durch die Meditation werde man bewusster und achtsamer, sowohl sich selbst gegenüber als auch gegenüber der Welt, in der man sich bewegt. Insofern werde man - ganz ohne ideologischen Überbau - Teil einer spirituellen Entwicklung, weil die Erkenntnisse, die sich über die Erfahrung einstellen, zu einer verbesserten Welt führen, meint Volker Herskamp.

Grundsätzlich empfindet es der Zenmönch als befreiend, dass man heutzutage offen über Meditation reden könne, ohne sofort in die esoterische Ecke gestellt zu werden. „Das Stigma des spirituellen Spinners bekommt man mittlerweile nicht mehr so schnell verpasst wie noch vor zwanzig Jahren“, meint Herskamp. Sogar weltwirtschaftlich führende Konzerne würden heute ihren Mitarbeitern die Meditation empfehlen, weil man mittlerweile wisse, wie wertvoll das Schöpfen neuer Kraft sei. Mit seiner Zenklause in Elbenschwand will Volker Hers-kamp dazu einen Beitrag leisten: „Ich bin zuversichtlich, dass es sich hier gut entwickelt.“

Zenklause in Kleines Wiesental, Elbenschwand, Ortsstraße 9, geleitet von Zenmönch Volker Gyoriki Hers-kamp; „Tag der offenen Tür“ am Sonntag, 10. August, von 13.30 bis 17 Uhr; Zazentag am Samstag, 23. August, von 9.15 bis 19 Uhr. Weitere Infos unter www.zenklause.de