Kleines Wiesental Patienten nicht im Stich gelassen

Markgräfler Tagblatt
Das Praxisteam: (von links) Gabriele Geier, Nor Jafar, Simone Kuhn, Mohammed Jafar und Uschi Schöne.Foto: Gudrun Gehr Foto: Markgräfler Tagblatt

Freuen können sich seit Mitte November die Patienten der ehemaligen Hausarztpraxis von Gabriele Geier in Wies. Die über 70 Jahre alte Hausärztin hatte im April ihre Tätigkeit aus Altersgründen niedergelegt und suchte monatelang eine Nachfolge.

Von Gudrun Gehr

Kleines Wiesental-Wies. Zunächst verlief die Suche aussichtslos, und die Anzeichen einer endgültigen Schließung der Praxis, die ihren Sitz seit Jahrzehnten in Wies hatte, verdichteten sich (wir berichteten).

Doch das Unerwartete geschah: Aufgrund ihrer Suche in einem Fachblatt traf die erlösende E-Mail des einzigen Interessenten am letzten Tag der geöffneten Praxis ein, als alles schon verloren schien. Es meldete sich Mohamed Jafar, Facharzt für Allgemeinmedizin, Sport- und Physiotherapeut, der seinerseits eine Zweitpraxis im Südwesten suchte.

Zügige Einigung

Zügig wurde man sich über die Übergabe der Praxis einig, ins Boot geholt wurde auch der Vermieter der Räume, Arndt Grether. Dieser bewerkstelligte engagiert nach den Vorstellungen des neuen Hausarztes umfangreiche Umbauten in der neuen Praxis. Nicht nur die Möblierung musste neu beschafft werden, auch wartete eine neue PC-Anlage auf ihre Installation.

Gabriele Geier, seit 2005 in Wies praktizierende Fachärztin für Allgemeinmedizin, entschloss sich zudem, ihren Kollegen bei seinem Start im Kleinen Wiesental zu unterstützen. Sie erleichtert ihrem Nachfolger nun als dessen Angestellte zweimal vormittags und einmal nachmittags den Einstieg in die Praxis, deren Patienten sehr froh sind, sich keinen neuen Hausarzt suchen zu müssen.

Landarzt ist das Beste

Mohamed Jafar, Jahrgang 1968, stammt aus Bagdad (Irak). Dort begann er ein Medizinstudium. Aufgrund des Krieges floh er über mehrere Stationen nach Leipzig zu seinem Bruder, wo er 1996 eintraf. Zuvor hatte er in Syrien seine Frau Rania kennengelernt und geheiratet. Die vier Söhne des Paares sind zwischen 17 und 22 Jahre alt. Jafar, der immer eine Affinität zur Medizin hatte, absolvierte zunächst in Reutlingen und Balingen eine Ausbildung zum Sport- und Physiotherapeuten und entschied, sein Medizinstudium in Leipzig weiterzuführen. Dieses schloss er 2012 ab. Als Sporttherapeut arbeitete Jafar häufig in der Betreuung von Mannschaften. Seine Facharztprüfung als Allgemeinmediziner absolvierte er 2020. Als Hausarzt mit ausgeprägter Liebe zum Landleben war er zunächst in ländlichen Gebieten in Sachsen tätig, teilweise arbeitete er in den Notaufnahmen von Krankenhäusern. Er ist vom Schwarzwald begeistert und sagte: „Als Landarzt zu arbeiten ist das beste Ziel.“ Jafar sieht die Betreuung seiner Patienten ganzheitlich, in seiner neuen Wieser Praxis hat er auch die Möglichkeit, physiotherapeutisch zu arbeiten und meint: „Nur so macht es Spaß.“ Auch zwei Söhne treten schon in die Fußstapfen des Vaters: Der 22-jährige Nor ist derzeit in Ausbildung zum Physiotherapeuten, diese wird er im nächsten Frühjahr abschließen. Er will künftig das Praxisteam ergänzen. Der weitere Sohn begann zwischenzeitlich ein Medizinstudium. Jafar hat ein ambitioniertes Ziel: „Mein Wunsch wäre es, junge Ärzte in ihrer Ausbildung zu betreuen.“

Praxisteam ist komplett

„Ich habe hier in Wies viel Unterstützung von Frau Mühlhäuser vom Projektbüro, dem Bürgermeister und auch dem Vermieter bekommen“, sagt Jafar. Er meint: „Es wäre schade, die Leute hier im Stich zu lassen, da viele Ärzte keine neuen Patienten aufnehmen.“ Das Praxisteam vervollständigen die Arzthelferinnen Uschi Schöne und Simone Kuhn, beide aus Gresgen.

Erhebliche Anfahrt

Einen nicht unerheblichen Anfahrtsweg nimmt der neue Doktor auf sich. Der Familienwohnsitz ist derzeit noch in St. Blasien, er hat ein Haus in Blasiwald gekauft, das er im Frühling beziehen will. Auch hat Jafar noch weitere Pläne: Er ist dabei, bis Dezember seine Erstpraxis in Ühlingen-Birkendorf (Landkreis Waldshut-Tiengen) zu organisieren. Vor Überbeanspruchung hat der engagierte Hausarzt keine Angst: „Viel Arbeit macht mir viel Spaß.“ Auch ist Jafar für die Patienten stets auf seinem Handy erreichbar: „Ich will immer für die Patienten da sein.“

Weitere Informationen: Sprechstunden: Mo. 8 - 13 Uhr (Geier), Di. 8 - 17 Uhr (Jafar), Mi. 8 - 13 Uhr (Geier), Do. 8 - 13 Uhr (Jafar) und 15 - 19 Uhr (Geier), Fr. alle 14 Tage 8 - 13 Uhr (Jafar), Tel. 07629/912700; E-Mail: Praxis.jafar@gmail.com.

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