Kleines Wiesental-Bürchau - Die Suche nach archäologisch interessanten Spuren ist eine Passion, der Harald und Daniel Senn aus Bürchau schon längere Zeit nachgehen. In den dichten Wäldern im Kleinen Wiesental, aber auch auf den benachbarten Bergrücken und in den Seitentäler zum großen Wiesental finden sie immer wieder Bezüge zur Kulturgeschichte der hiesigen Gegend.

Dazu zählt auch ihr frischer Oberflächenfund auf dem Gewann Steinihof, das in der Grenzlage von Neuenweg und Bürchau liegt. Er ist deshalb besonders interessant, weil er der erste Bodenfund überhaupt ist, den man nun auch fachgerecht zuordnen kann. Dazu muss man wissen, dass sich um jenes Gewann viele Rätsel ranken. Heute wird es als „Wüstung“ bezeichnet, also ein Gebiet mit einer einstigen und später aufgegebenen Siedlung. Vermutlich stand diese schon sehr früh in direkter Verbindung mit dem genau gegenüberliegenden Bergwerk der Silbergrube am Spitzkopf.

Die Experten vom Landesdenkmalamt begutachteten den ihnen vorgelegten Fund wie folgt: „Es handelt sich um den Randbereich und Griff einer Pfanne bzw. eines Drei-beintopfes (Grapen). Er besteht aus oxidierend gebrannter, gelber Irdenware und wurde innen mit einer dunkelgrünen Glasur versehen. Geringe Glasurreste sind noch vorhanden. Der Griff ist längs durchbohrt (Durchmesser ca. 0,5 cm), um ein Reißen der Keramik während des Brennvorganges zu verhindern. Am Ansatz zum Gefäß wurden Fingernagel-Eindrücke angebracht. Derartige Gefäße waren vom 15.-17. Jh. gebräuchlich.“

Mit diesem zeitlichen Rahmen wird nun aber auch erstmals die ganze tatsächliche Siedlungszeit der einstigen Hofsiedlung abgedeckt. Der Steinihof bestand wohl aus mehreren kleinen Gebäuden und lag am direkten Aufstiegsweg zur großen Holder-schanze. Genau dies wurde ihm wohl um 1700 zum Verhängnis. Denn die von den Franzosen bevorzugte Angriffsroute vom Kleinen zum Großen Wiesental verlief genau entlang dieser Rinne des Steinihof-Baches – hoch zur mächtigen Holderschanze und dann wieder talwärts nach Schönau. Und das war wohl der entscheidende Grund dafür, dass die ganze Siedlung von ihnen zerstört und danach nie wieder aufgebaut wurde.

Im Hinblick auf die Holderschanze hat Daniel Senn kürzlich einen weiteren mas-siven Sperrgraben entdeckt, der sogar noch auf der historischen Gemarkungskarte von 1779 eingetragen wurde: er sollte einen feindlichen Aufstieg über den Rehgraben hoch zur Holderschanze verhindern. Völlig unbekannt war eine weitere Entdeckung auf der Westseite von Bürchau, wo man bislang noch keine solchen Befestigungsstrukturen vermutete. Hier sicherte ein Zickzackgraben den Übergang nach Kühlenbronn und ins Kandertal.

Dass die ausgedehnten Waldgebiete des Kleinen wie des Großen Wiesentals immer wieder für eine Überraschung gut sind, zeigte sich jüngst auch auf der benachbarten Gemarkung Böllen. Dort waren dem Revierleiter Rolf Berger aus Wembach ungewöhnliche Bodenspuren aufgefallen. Das fragliche Areal liegt in Nähe des Böllenbachs und heute in einem Hochwaldgebiet. Es war zuvor Weideland. Da der Geländepunkt in der Nähe eines bekannten Erzvorkommens liegt, ging man zunächst davon aus, dass es sich um historische Schürfspuren einstiger Bergbauversuche handelt.

Da es keine bekannten Vergleichsobjekte gab, blieben jedoch Zweifel. Um die zu zerstreuen, suchte man den Rat von Dr. Helge Steen, einem erfahrenen Montanhistoriker und Fachautor für Bergbau und Lagerstätten im Schwarzwald. In einer gemeinsamen Begehung wurde das Areal intensiv abgesucht. Doch auch der Experte und versierte Kenner alter Bergbauspuren musste gestehen, dass er sich weder das Objekt noch dessen mögliche Funktion erklären konnte.

Deshalb wurde jetzt das Landesdenkmalamt eingeschaltet, in der Hoffnung, über mögliche Vergleichsobjekte aus ganz Baden-Württemberg vielleicht doch noch die historischen Auftraggeber oder Erbauer dieser Objekte bestimmen und deren Funktion schlüssig klären zu können.