Kleines Wiesental Rekordverdächtige Geburtenzahl

Auf großes Echo stieß die Einladung der Gemeindeverwaltung Kleines Wiesental zum Neujahrsempfang. Etwa 150 Bürger besuchten das Dorfgemeinschaftshaus. Bürgermeister Gerd Schönbett begrüßte die Gäste, zuerst den Landtagsabgeordneten Josha Frey und die Bürgermeister-Kollegen aus Zell und Steinen. Ebenfalls freute er sich über das Kommen des Gründers der Elektrizitätswerke Schönau - EWS Michael Sladek und dessen Mitarbeitern.

Von Gudrun Gehr

Kleines Wiesental-Wies. Im Anschluss präsentierte sich der Wieser Gesangverein „Harmonie“, der im vergangenen Jahr sein 140. Bestehen feierte. Mit den Liedern „Die Gedanken sind frei“ und „Sonne Jamaicas“ - temperamentvoll gesungen - startete der Bürgerempfang.

Ortsvorsteher Vollmer

Ortsvorsteher Rolf Vollmer aus Wies hielt Rückschau: „Einwohnermäßig tragen wir ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Wieslet aus. Langfristig wird uns allerdings Wieslet überholen, weil es die Leute halt mehr ins vordere Tal zieht.“ Neben dem Jubiläum des Gesangvereins konnte Wies auch noch den 30. Geburtstag des Weideviehmarktes feiern.

Seit 2018 wird der Bau eines Nahwärmenetzes in Verbindung mit der Verlegung von Glasfaser-Leerrohren in Wies betrieben. Vollmer meinte: „Eigentlich wollten wir die Maßnahmen im vergangenen Jahr abschließen, was sich aber nicht erfüllt hat.“ Auch findet dieses Jahr der Naturparkmarkt in Wies statt.

Bürgermeister Schönbett

Bürgermeister Gerd Schönbett präsentierte einige Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung. Insgesamt nahm die Einwohnerschaft seit 1990 um insgesamt fünf Prozent auf 2876 Personen ab. Ein deutlicher Rückgang ist insbesondere in Elbenschwand um 23 Prozent und Neuenweg um 24 Prozent zu verzeichnen. Auch die Einwohnerzahl von Raich hat sich im Vergleichszeitraum um 20 Prozent verringert, während sich Wieslet über eine um 18 Prozent vergrößerte Bevölkerung freuen kann.

Ebenfalls kann sich die Gemeinde über rekordverdächtige 29 Geburten im Vorjahr freuen. Die Altersstruktur hat sich deutlich gewandelt, 2018 lebten insgesamt 192 Personen im Alter über 80 Jahren in der Gemeinde - fast doppelt so viele wie seit 1990, während sich die Anzahl der unter Zwanzigjährigen um ein Drittel verringerte.

Die Bauplätze im Baugebiet Moosmatt in Niedertegernau sind komplett verkauft und sind in der Bebauung. Weitere Themen waren die Modernisierung des Hochbehälters in Bürchau, der 2019 eingeweiht wurde. Schönbett erinnerte an die Trockenphasen im Kleinen Wiesental und die schwierige Wasserversorgung in Bürchau. Von Oberhäuser kann nunmehr Bürchau über eine Verbindungsleitung mitversorgt werden.

Durch die Überlegungen und Geländebegehungen von Wassermeister Günter Zimmermann konnte hier ein Betrag von 200 000 Euro eingespart werden. Das Seniorensozialbüro konnte mit zwei Mitarbeiterinnen im Oktober gestartet werden. Ein wichtiger Grundstein wurde im Ortsteil Wieslet mit einem Architektenwettbewerb zum Bau eines neuen Dorfgemeinschaftshauses gelegt, da sich die alte Halle nicht mehr als sanierungsfähig erwies. Der Neubau erfolgt hinter der Schule, was sich auch wegen des Lärms als vorteilhaft erweist. Die Kosten belaufen sich auf knapp 2,9 Millionen Euro, etwa 2,5 Millionen an Zuschüssen werden erwartet. Baustart ist im Herbst. Ein laufendes Projekt betrifft die Sanierung der Mehrzweckhalle Tegernau, deren Elektroinstallationen unvorhergesehene Kostensteigerungen zur Folge haben, wobei die Gemeinde einen Betrag von 450 000 Euro selbst tragen muss.

Weitere Themen waren die Nahwärmeversorgung in Wies und Neuenweg und die damit verbundenen Baustellen. Schönbett meinte: „Es geht etwas schleppend vorwärts. Mein Dank gilt den beiden Ortsvorstehern von Neuenweg und Wies, die als Prellbock den Ärger und Reklamationen der Anwohner abpuffern. Das heißt, dass dann das Wenigste bei uns in Tegernau ankommt.“

Die Arztpraxis von Hiltrud Heim in Tegernau wurde Ende 2019 aufgegeben, Katrin Mersch aus Zell konnte als Nachfolgerin gewonnen werden. Die in Wies tätige Hausärztin Gabriele Geier gibt ihre Praxis zum 1. April 2020 auf, eine Nachfolge konnte bislang nicht gefunden werden.

Üblicherweise verzeichnet die Gemeinde pro Jahr einen Gewinn durch ihren Waldbesitz in Höhe von jährlich 50 000 Euro. Im vergangenen Jahr wurde ein Minus von 100 000 Euro erzielt, auch für dieses Jahr ist die gleiche Summe prognostiziert. Das Holz ist derzeit kaum absetzbar, was sich an der Lagerung von großen Holzmengen an der Straße in Richtung Wies zeigt. Die Kreisabgabe beträgt dieses Jahr 70 000 Euro, vom Land sind weniger Schlüsselzuweisungen in Höhe von 100 000 Euro zu erwarten. So fehlen in der Kasse insgesamt etwa 300 000 Euro, über die bislang verfügt werden konnte. Schönbett sagte: „Es wird schwieriger werden, bei den vielen Verpflichtungen den Haushalt auszugleichen.“

Windkraft

Schönbett nutzte den Neujahrsempfang, um seinen Unmut gegen Bürger zu äußern, die die Pläne der Errichtung von Windkraftanlagen im Gebiet des Kleinen Wiesentals ablehnen. Er meinte: „Nur eine Handvoll Akteure erzeugt Angst und Verunsicherung, darunter notorische Briefschreiber und Leute, die publizistisch unterwegs sind. Es ist nur eine Handvoll Personen, die aktiv ist.“ Er meinte: „Diese verursachen Unfrieden im Tal.“

Im Gegensatz hierzu bedankte er sich ausdrücklich beim Verfasserkreis eines „Offenen Briefes“, der sich im November als Beilage im Mitteilungsblatt der Gemeinde befand und an alle Haushalte verteilt wurde. Schönbett verlas Passagen aus dem Unterstützerbrief, der sein politisches Handeln und jenes des Gemeinderates lobt. Er freute sich, dass die Initiatoren des Schreibens insgesamt 130 Unterschriften gesammelt hatten, die in dem Brief namentlich aufgeführt sind. Schließlich zitierte Schönbett Lew Tolstoi: „Alle denken nur darüber nach, wie man die Menschheit ändern könnte, doch niemand denkt daran, sich selbst zu ändern.“

Vorführung

Eine Vorführung, wie anspruchsvoll der Karatesport sein kann, präsentierte Trainerin Irmi Klemm. Ihre Schützlinge zeigten unter ihrer Moderation diverse Schauübungen. Die drei aus Tegernau kommenden Geschwister Simon Moser (elf Jahre alt, Weltmeister bei der Karate-WM in Sindelfingen), Johannes Moser (16, Karate Vize-Weltmeister) und Lena Moser (14, schwarzer Gürtel) begeisterten die Gäste, die sich mit langem Applaus bedankten.

Ehrungen

Für ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten wurden zwölf Bürger mit Präsenten geehrt: Ernst Schwald (Seniorenwart der Wandergruppe im Schwarzwaldverein), Ursula Rödel (Frauentreff Wies), Dorothea und Günter Giesin (Tourismusverein und Fahrradgruppe), Hubert Pohl (Sagenweg), Heiner Brunner (Weidegemeinschaft), Helmut Grether (Vorstand Gesangverein u.a.), Marion Brendlin (Pflege Kriegerdenkmal u.a.), Ernst Roser und Werner Roser (beide Werkhof), Melanie Mühlhäuser und Michael Degen (Hallenwarte). Auch drei junge Handwerksmeister wurden vorgestellt und geehrt: Alexander Brugger (Zimmerermeister 2018), Max Schneider (Friseurmeister 2019), Michael Georg (Landmaschinenmeister 2019).

Lesen Sie das ePaper inkl. der Vorabendausgabe ab 19.45 Uhr für nur 89 Euro bis zum Jahresende 2020! Klicken Sie HIER.

  • Bewertung
    0

Umfrage

71b0ca4e-56e1-11ea-9c40-cbce5930621d.jpg

Die Basler Fasnacht muss dieses Jahr zum ersten Mal nach mehr als 100 Jahren wegen des Coronavirus abgesagt werden. Der Schweizer Bundesrat verbietet alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen. Was halten Sie von diesem Beschluss?

Ergebnis anzeigen
loading