Kleines Wiesental „Tendenz zu autoritärem Verhalten“

Die Bürger, die die Aufstellung von Windkraftanlagen im Kleinen Wiesental ablehnen, treffen sich monatlich zum Austausch. Foto: Christoph Schennen

Kleines Wiesental - Die Windkraftgegner haben sich zu ihrem monatlichen Stammtisch getroffen. Zu den Gästen im Restaurant „Zum Maien“ in Neuenweg zählte auch Bürgermeister Gerd Schönbett und Georg Lutz, Fachbereichsleiter Umwelt beim Landratsamt Lörrach.

Lutz nahm auf Anfrage Stellung zum aktuellen Stand des Verfahrens „Aufstellung von Windkraftanlagen auf dem Höhenrücken Zeller Blauen“. „Dem Landratsamt liegt kein Genehmigungsantrag vor“, so der Mitarbeiter der Behörde. Es sei auch nicht damit zu rechnen, dass er vor dem Herbst eingereicht werde. Wenn die EWS den Antrag stelle, werde das öffentlich, versicherte er den Windkraftgegnern. Ein Mann fragte, ob kurz nach Einreichung des Antrags die Windräder aufgestellt würden. Auch hier gab Lutz Entwarnung. „Die Prüfung eines solchen Antrags dauert drei bis sechs Monate.“ Er verwies auf die umfangreichen Unterlagen, die eingereicht werden müssten. Er erwarte allein 20 Umzugskartons voll mit naturschutzfachlichen Gutachten. Ein Mann sagte im Hinblick auf die Situation in Gersbach, solange nicht geklärt sei, welche Auswirkungen Lärm und Infraschall auf windkraftgeplagte Bürger hätten, dürften keine neuen Anlagen genehmigt werden. Lutz räumte ein, dass es sensible Leute gebe. „In Gersbach liegt aber keine Gefährdung vor.“ Er verwies auf gesetzliche Richtlinien, denen zufolge man einen zumutbaren Geräuschpegel (45 dB für Mischgebiete nachts) und acht Stunden Schattenwurf pro Jahr tolerieren müsse. Wenn die Entscheidung über den Genehmigungsantrag gefallen sei, stünden den Windkraftgegnern Rechtsmittel zu, fügte der Behördenvertreter hinzu.

Neuer Windatlas

Bernd Fischbeck, Sprecher der Bürgerinitiative SchwarzwaldGegenwind, erinnerte daran, dass der neue Gemeinderat des Kleinen Wiesentals eine Verantwortung gegenüber den Menschen habe und das Thema Windkraft ernsthaft im Rat diskutieren müsse. Es müsse bei allen Entscheidungen vorrangig um das Wohl der Bürger gehen.

Harald Senn zeigte den Windkraftgegnern den neuen Windatlas von Baden-Württemberg. Der Höhenzug Zeller Blauen gehöre zu den ertragsärmsten Gebieten im Land, so der Bürchauer. Seiner Meinung nach gelte die Regel: „Je schlechter der Standort, desto höher ist die Vergütung und die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Die Gemeinden werden mit Pachteinnahmen geködert.“

Zu Beginn des Treffens hielt Siegfried Delzer einen Vortrag über energieautarkes Wohnen und Kybernetik. Er kritisierte manche Aussagen von Klimaschützern. Wer auf ein E-Auto umsteige, müsse bedenken, dass er nachts tanken müsse und dann mehr Kohlestrom verbraucht würde. Man habe dann eine schlechtere Kohlendioxidbilanz als ein Diesel-Fahrzeug.

Alte Technologien seien nicht per se schlecht. Dass neue Technologien von Wissenschaftlern forciert würden, läge auch daran, dass es keine Forschungsmittel für alte Technologien gebe. „Wichtig ist es“, so Delzer, „das Zusammenspiel zwischen den Techniken zu beherrschen.“ Er sehe in Bezug auf die Energie- und Klimapolitik in Deutschland eine „Tendenz zu autoritärem Verhalten.“ „Diktatorisches Verhalten ist für komplexe Systeme aber ungeeignet“, stellte Delzer fest.

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