Kleines Wiesental Trio präsentiert „ei Sprooch“

Edgar Zeidler, Liv Markus und Markus Manfred Jung gefielen in der „Krone“. Foto: Dirk Friberg Foto: Markgräfler Tagblatt

Am Sonntag war der Andrang im „Wirtshausmuseum Krone“ wieder einmal besonders groß; es mussten sogar weitere Stühle in den Tanz-, Theater- und Festsaal im ersten Stock gebracht werden. Anlass war die Veranstaltung „Drei Länder – ei Sprooch“, eine Matinee in Alemannisch.

Von Dirk Friberg

Kleines Wiesental-Tegernau. Hans Viardot von „Krone und Kultur Kleines Wiesental“ stellte die drei vortragenden „Alemannen“ vor. Markus Manfred Jung (D), Liv Markus (CH) und Edgar Zeidler (F) standen für die drei Dialekte der alemannischen Mundart, die trotz einiger regionaler Färbungen eben doch „ei Sprooch“ ist.

Den Beginn machte die Bern-Baslerin Liv Markus, Baselbieter Cantautorin, Singer-Songwriterin, Pianistin, Kabarettistin und spät geoutete Trans-Künstlerin mit Dialektbearbeitungen aus ihrem neuen Programm „Ridicule 2020“.

Nach einer kurzen kabarettistischen Vorstellung ihres ersten Stücks begann sie mit Leonard Cohens „Hallelujah“. Ihre dunkle Stimme setzte die Schwere dieses Klassikers perfekt um: das ergriffene Publikum sang dann auch leise den Refrain mit. Weiter trug sie baseldeutsche Adaptionen von Charles Aznavours „Tu te laisses aller – Du lässt dich geh`n“, die immer wieder für Lacher beim Publikum sorgten, sowie einem Stück von Jaques Brel vor, dessen erste Strophe sie auf Französisch begann, um dann ins Alemannische zu wechseln. Die ungewöhnliche Auswahl dieses Lied-Repertoires alter Künstlerlegenden erwies sich als wie gemacht für sie, und die berührten Zuhörer dankten mit kräftigem Applaus.

Dann folgte der in Colmar geborene und in diesem Jahr mit der Hausener Hebel-Plakette ausgezeichnete Edgar Zeidler mit tiefgründig-witzigen lyrischen Anekdoten aus dem Elsass. Der ehemals Deutsch und Elsässerdeutsch unterrichtende Dichter setzt sich sehr für den Erhalt der alemannischen Mundart ein. Seine Liebe zu dieser Sprache kam in seinen kurzen, stets mit einem Schmunzeln beendeten Schilderungen aus dem Elsässer Leben bei den Zuhörern überaus gut an. Auch seine Beiträge wurden oftmals von herzlichen Lachern begleitet. Er traf mit seiner heiteren Art den Nerv der überwiegend „im besten Alter“ sich befindenden Zuhörer.

Den Abschluss des ersten Teils bildete der in Zell geborene Markus Manfred Jung, der in diesem Jahr als Burgschreiber in Laufenburg tätig war. Mehrfach ausgezeichnet, unter anderem auch mit der Hebel-Plakette, setzt er sich ebenfalls seit vielen Jahren für den Erhalt und das Fortbestehen der alemannischen Sprache ein.

Seine kurzen Schilderungen alltäglicher Situation weisen kritisch, aber ebenso liebevoll auf menschliche Schwächen wie Egoismus und Vorurteile hin. Seine ebenso komprimierte wie klangvolle Lyrik gleicht einem erhobenen Zeigefinger, der zum Nachdenken inspiriert.

Auch diesmal gelang es ihm wieder, mit seinen kurzen, aber prägnanten Vorträgen das Publikum zu erreichen, gewissermaßen auch zu ergreifen. Den Höhepunkt bildete ein mehrstrophiger, zungenbrecherischer Vortrag aus Aneinanderreihung alemannischer Ausdrücke, der, stakkatomäßig rhythmisch vorgetragen, selbst eingefleischte Alemannen kurzzeitig in Pressatmung versetzte. Dementsprechend heftig fiel der Applaus der gebannt Lauschenden aus.

Nach einer Pause, die die meisten Besucher zur Erkundung des Gebäudes nutzten, setzte sich das Programm – diesmal in umgekehrter Reihenfolge der drei Vortragenden – fort. Auch der zweite Teil dieser Matinee kam beim Publikum sehr gut an.

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