Kleines Wiesental „Vor der Geschichte nicht die Augen verschließen“

Hansjörg Noe hat wichtige Arbeit geleistet. Foto: Fabry

Kleines Wiesental - Mit großem Interesse folgten zahlreiche Teilnehmer aus dem Kleinen Wiesental und den umliegenden Gemeinden der Buchvorstellung von Hansjörg Noe über die Entwicklung der NS-Geschichte in den Ortschaften des Kleinen Wiesentals. Seine Darstellung der historischen Entwicklung verband der Autor mit eindrücklichen Warnungen vor einem neuen Erstarken rechts-populistischer Tendenzen in der Gegenwart.

Bei der Reichstagswahl im März 1933 erreichte die NSDAP im Amtsbezirk Schopfheim 49,3 Prozent, im Land Baden 45,3 und im gesamten Reichsgebiet 43,9 Prozent. In den Ortsteilen des Kleinen Wiesentals lag der Stimmanteil in Bürchau bei 97,8 Prozent, in Elbenschwand bei 98,2, in Neuenweg bei 89,0, in Raich bei 97,9, in Sallneck bei 92,6, in Tegernau bei 88,4, in Wies bei 83,2 und in Wieslet bei 87,4 Prozent. Diese hohen Stimmanteile liegen wohl primär in der Situation begründet, dass das Kleine Wiesental eine eher bäuerlich strukturierte Gesellschaft darstellt, in der Elemente einer proletarisch-industriell orientierten Arbeiterschaft weitgehend fehlen. Hinzu kam laut Noe, dass die evangelische Kirche in den 1930er Jahren auf Ausgleich mit dem NS-Regime angelegt war, und eine positive Haltung zu den neuen Machthabern einnahm.

Wichtige Quelle waren Zeitungs-Ausschnitte

Hansjörg Noe hat in sein Buch solche statistischen Daten aufgenommen und zudem Archive in den Kleinwiesentäler Ortsteilen und andere Archiven ausgewertet. Eine wichtige Quelle waren auch die Veröffentlichungen des Markgräfler Tagblatts, das in der Rubrik „Aus der Heimat“ alle wichtigen Informationen aus der Region veröffentlichte. Eine wichtige Ergänzung zu diesen Informationen fand der Autor in rund 25 Zeitzeugen-Interviews, die er im Zuge seiner Recherchen geführt hatte.

Der Autor bedankte sich ausdrücklich bei den Mitarbeitern der Verwaltung der Gemeinde Kleines Wiesental, die ihm bei der Auswertung der Ortsteil-Archive und der Kontaktnahme zu den Zeitzeugen zur Seite gestanden hatten. Die Buchveröffentlichung sollte zuerst durch finanzielle Unterstützung der Gemeinde und des Vereins „KuK - Krone und Kultur“ ermöglicht werden. Doch trotz der massiven Unterstützung durch Bürgermeister Gerd Schönbett und Hans Viardot von KuK-Kleines Wiesental wurde keine Bewilligung der erforderlichen Mittel gegeben. Daraufhin wurde die Veröffentlichung ermöglicht, als der „Geschichtsverein Markgräflerland“ die Herausgabe des Bandes als Sonderband der Reihe „Das Markgräflerland“ übernahm.

Dieser Sonderband, der nun in Buchform vorliegt, beleuchtet in Einzelkapiteln alle wichtigen Elemente der Machtergreifung und Machtsicherung der NS-Herrschaft im Kleinen Wiesental. Dabei werden auch kontroverse Aspekte dieser Entwicklung wie die „Inbesitznahme der Jugend“, die Rolle der Kirchen in dieser Zeit oder das Wirken besonderer Persönlichkeiten in der Region nicht vornehm ausgespart, sondern eingehend dokumentiert und kritisch behandelt.

In seinem Schlusswort erinnerte Hansjörg Noe daran, dass heute wieder rechtspopulistische Kreise an Einfluss gewinnen. „Vor unserer Geschichte im vorigen Jahrhundert dürfen wir nicht die Augen verschließen. An das, was war und wie es war, müssen wir immer wieder erinnern, und damit es sich nicht wiederholt, müssen wir fest halten an der Überzeugung ‚Nie wieder rechts‘“. Es ist höchst beunruhigend, wenn heute der Anteil der Menschen, die rechtspopulistischen Meinungen zuneigen mehr sind, als die SPD heute Wähler hat, darf man sich schon Sorgen machen.

Das Buch von Hansjörg Noe „Mitgelaufen - NS-Geschichte in den Ortschaften des Kleinen Wiesentals“ ist zum Preis von 16 Euro in den Ortsverwaltungen des Kleinen Wiesentals oder im Buchhandel erhältlich (ISBN-Nr. 978-3-932736-79-1).

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