Kleines Wiesental „Wir sind es den Älteren schuldig“

Die Gemeinde Kleines Wiesental will jetzt gemeinsam mit dem Evangelischen Sozialwerk Wiesental ein Seniorenzentrum schaffen. Im Bild Pia Späth, ESW, in der aktuell eröffneten Schopfheimer Senioren-WG.Foto: Gerald Nill Foto: Markgräfler Tagblatt

Kleines Wiesental (gni). Bei einer Gegenstimme hat der Gemeinderat Kleines Wiesental grundsätzlich der Entwicklung einer Senioreneinrichtung gemeinsam mit dem Evangelischen Sozialwerk Wiesental zugestimmt. Das Seniorenangebot soll vorrangig in der Schaffung von Tagespflege-Plätzen, ambulanten Wohngruppen sowie Service-Wohnen bestehen. Die Einrichtung könnte in Wieslet auf dem frei werdenden Gelände des Dorfgemeinschaftshauses entstehen.

Drei Träger von Senioren-Angeboten hatten die Gelegenheit, einem Gremium, bestehend aus Gemeinderat, Verwaltung und Kirche aus dem Kleinen Wiesental ein Angebot zu machen. Der Mühlehof Steinen machte der Gemeinde das Angebot,  dezentrale Lösungen in den Ortsteilen zu schaffen. Die Sozialstation Schopfheim, mit der bereits zusammengearbeitet wird, sah aktuell keinen Bedarf im Bereich Tagespflege im Kleinen Wiesental. Vielmehr gebe es bei diesen niederschwelligen Angeboten Überkapazitäten, so die Sozialstation. 

Das Evangelische Sozialwerk Wiesental brachte zur Besprechung konkrete Pläne zur Errichtung einer Senioreneinrichtung in Wieslet mit. Darin könnten die Module Tagespflege, ambulant betreute Wohngemeinschaft, Begegnungsstätte und eventuell Service-Wohnen realisiert werden. Das Evangelische Sozialwerk traut sich eine Realisierung eines Seniorenzentrums in Wieslet binnen vier Jahren zu. Dabei soll die Gemeinde das Grundstück kostenlos überlassen. Die weitere Finanzierung des Projekts erfolgt durch den Träger. Die Einrichtung soll überwiegend den Bewohnern des Kleinen Wiesentals zur Verfügung stehen. 

Bei der Diskussion im Gemeinderat führte Patricia Fromm an, dass zwei Anbieter angeblich keinen Bedarf für ambulante Seniorenangebote im Kleinen Wiesental sähen. Sie störe die Schaffung einer zentralen Senioren-Einrichtung in Wieslet und sie bevorzuge dezentrale Lösungen. Außerdem sei sie dagegen, dass dem ESW das Gemeinde-Grundstück kostenfrei überlassen werden solle.

Bürgermeister Gerd Schönbett argumentierte, es sei schwierig, überhaupt einen Investor im ländlichen Raum zu finden. Das ESW hat aktuell eine Senioren-Wohngemeinschaft in Schopfheim eröffnet und wird ein Senioren-Wohnprojekt in Maulburg betreuen, das von der Gemeinde in diesem Jahr begonnen wird.

Rolf Vollmer, Ortsvorsteher in Wies, gab zu bedenken, dass die Abwanderung von Bewohnern aus dem Kleinen Wiesental gestoppt werden müsse. Es sei Aufgabe der Kommune, den Mitbürgern adäquate Lösungen im Alter  anzubieten: „Wir sind es den älteren Bewohnern des Tales schuldig, ein Angebot zu machen.“

Gerd Schönbett ergänzte, dass die älteren Menschen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung bleiben wollen. Tagespflege biete die Möglichkeit, grundsätzlich zu Hause zu bleiben. Das sei auch „kleinräumig denkbar“, erwiderte Patricia Fromm. Da ergriff Pfarrer Christian Rave das Wort. Es sei nicht „redlich“, das Angebot des ESW schlecht zu reden. „Das ESW ist als einziges bereit, Pläne und eine Finanzierung mitzubringen“, so Rave. Der Gemeinderat beschloss bei einer Gegenstimme,  dass mit dem Evangelischen Sozialwerk konkrete Verhandlungen aufgenommen werden, um Angebote zu entwickeln und das Bauvorhaben einer Senioreneinrichtung im Kleinen Wiesental voranzutreiben.

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