Kleines Wiesental „Wo d`Luis de Moscht gholt hät“

Gudrun Gehr
Markus Manfred Jung (links) und Günter Giesin freuen sich über das Schilder-Trio an der Hauswand der „Krone“. Foto: Gudrun Gehr

Die „Krone“ in Tegernau befindet sich trotz der Pandemie nicht im Dornröschenschlaf. Erst jüngst fand das Wirtshausmuseum Aufnahme ins Projekt „Historische Gaststätten in Baden“, was die Anbringung einer Metalltafel am Gebäude zur Folge hatte. Diese Tafel fand nun Gesellschaft durch die Einweihung von zwei weiteren informativen Schildern.

Von Gudrun Gehr

Kleines Wiesental-Tegernau. Die „Krone“ dient seit Anfang der 2000er Jahre im Kleinen Wiesental auch als offizielles Standesamt, wobei sich die Brautleute zwischen dem alten kleinen Herrenzimmer im Erdgeschoss und dem Tanzsaal im Obergeschoss mit seinem charakteristischen blauen Kachelofen entscheiden können. Beide Räume sind originelle Feierorte. Zwischenzeitlich fanden in der Krone rund 20 Trauungen statt. Von der Gemeinde wurde nun ein Emailleschild mit der Aufschrift „Standesamt Kleines Wiesental“ mit Gemeindewappen gestiftet, das an der Hauswand angebracht wurde.

Beim Einweihungstermin der Schilder erklärte Bürgermeister Gerd Schönbett, für die Räumlichkeiten als Standesamt dankbar zu sein. Er sagte: „Die Krone ist für diese Zwecke mit ihrem Ambiente ein ganz besonderer Ort.“ Zwangsweise müssten sich derzeit ausgeführte Hochzeiten pandemiebedingt als „Schmalspurhochzeiten“ erweisen.

Hans Viardot von KuK erinnerte sich schmunzelnd an die kleinste Trauung, die in der Krone stattfand: „Neben dem Brautpaar und dem Standesbeamten waren keine Trauzeugen vorhanden. Kurzerhand bat das Brautpaar das anwesende Wirtshauspersonal von KuK, als Trauzeugen zu dienen. Einer davon war ich.“ Viardot bedankte sich für die Stiftung des Schildes.

Für das dritte Schild, das nun an der Hauswand angebracht wurde, hatte Günter Giesin aus Wies die Initiative übernommen. Er hatte bereits 2017 den Tourismusverein und den Brauchtumsverein im Kleinen Wiesental für seine Idee begeistert, die seine Pläne auch finanziell unterstützten.

Mit im Boot ist der Mundartdichter, Autor und Alemannisch-Experte Markus Manfred Jung. Seine Vorstellung, Metalltafeln für Hauswände mit alemannischen Redewendungen und deren Übersetzung anfertigen zu lassen, fand mit seinem Projekt „Alemannisch g’schwätzt“ in insgesamt 41 Fällen Anhänger. In Tegernau befinden sich drei Schilder, darunter am Haus von Hans Viardot mit dem Spruch „Numme nümmi warte bis kei Dokter meh chunnt“. Die Schilder finden sich zwischenzeitlich über den ganzen Landkreis verteilt, vorwiegend im Bereich Ried, Raich und Hohenegg. Fünf Schilder stehen vorrätig zum Kauf, die Käufer können für Bestellungen ihre eigenen individuellen Wünsche einbringen.

Das Schild mit dem Spruch „Chum emool go luege wo d`Luis de Moscht gholt hät“ vervollständigt nun das Schilder-Trio an der Hauswand der „Krone“; die Idee zum Spruch hatte Hans Viardot. Die Übersetzung lautet „Komm mal schauen, wo Luis den Most geholt hat“ und lehnt sich an die Redensart „Wo der Bartel den Most holt“ an.

Günter Giesin erklärte beim Einweihungstermin: „Ziel des Projekts ist, dass nahezu an jedem Haus in der Gemeinde irgendwann einmal ein solches Schild angebracht wird und glänzt.“ Die alemannische Sprache, die langsam in Vergessenheit gerät, soll wieder zum Leben erweckt werden. Fremde können beim Vorbeigehen etwas vom Dialekt lernen und verstehen. Die Edelstahlschilder verdeutlichen eine sichtbare Identifikation zur alemannischen Sprache.

Alemannisch-Fachmann Markus Manfred Jung ergänzte: „Das Alemannische ist kein grauseliger Rachenzehrer oder eine Halskrankheit, wie sie manchmal bezeichnet wird.“ Und weiter: „Wir brauchen uns auch nicht verstecken und keine Minderwertigkeitskomplexe entwickeln.“ Auch die Politik habe sich zum Erhalt des Dialektes zwischenzeitlich mit Fördermaßnahmen eingebracht. Und schlussendlich verdeutlichte Jung, dass es im Alemannischen keinen „Kuss“, sondern nur einen warmen zärtlichen „Schmutz“ gäbe.

Ein Grußwort von Sonja Eiche vom Brauchtumsverein verlas Günter Giesin. Auch Hubert Pohl, Vorsitzender des Tourismusvereins, ergriff das Wort; man plane, die Standorte der erworbenen Metalltafeln in einem Flyer zusammenzufassen. Die Schilder könnten sodann Interessierte als regionale Attraktion auf einer Tour besichtigen.

Kontaktaufnahme mit Günter Giesin per E-Mail unter guentergiesin@gmx.de . Die Schilder sind über ihn zum Preis von 50 Euro erhältlich. Bei der Anbringung der Tafel kann der Verein auf Wunsch unterstützen.

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