Kleines Wiesental Wolfsgeheul auf der Wiese

Gudrun Gehr

Ein weiteres Kapitel naturnaher Unterricht mit viel Spiel und Spaß präsentierte sich jüngst an der Naturparkschule Tegernau, die diesbezüglich ohnehin schon eine große Palette spannender Unterrichtsstunden für ihre Grundschüler verzeichnen kann.

Von Gudrun Gehr

Kleines Wiesental-Tegernau. Als Gast präsentierte sich anlässlich ihres selbst geschaffenen Pilotprojektes die Biosphären-Rangerin Ute Keilbach mit Unterstützung ihrer Tochter Insa.

Die Themenmodule hatte die Rangerin für Grundschüler entwickelt, hier will sie den Kindern die Lebensweise von Wölfen nach der Einwanderung aus dem Osten aufzeigen.

Vor allen Dingen soll der Wolf nach ihrem Vortrag sein schlechtes Image als „Bestie“ verlieren. Sie erklärte: „Ziel soll die Risikominimierung im Zusammenleben mit dem Wolf sein, wir sollten für ein fried- und respektvolles Miteinander arbeiten“.

Mit den Dritt- und Viertklässlern startete der erste Pilot-Unterricht, und im Nu hatte die Wolfsexpertin die 30 Grundschüler auf eine spannende und informative Reise in Sachen „Canis Lupus“ entführt.

„Ihr sollt alle kleine Wolfsexperten werden“

Die Rangerin wollte im Theorieteil zunächst die Grundstimmung der Schüler erfahren. Die Kinder durften ihr bisheriges Verhältnis zu Wölfen mitteilen. Fast alle Schüler nahmen den „Daumen hoch“, um zu signalisieren, dass sie das Erscheinen des Wolfes begrüßen. Keilbach meinte: „Wir schauen nun, wie es uns gelingen kann, mit dem Wolf zu leben. Deshalb sollt Ihr alle kleine Wolfsexperten werden.“

In Baden-Württemberg gebe es erst einen nachgewiesenen Wolf. Grundsätzlich würden Wölfe Kontakte mit den Menschen vermeiden. Sie seien konfliktscheu und vermeiden hohe Energieausgaben bei der Beutesuche. Ein Wolfsrevier umfasst rund 300 Quadratkilometer. Ein Wolf kann rund 70 Kilometer an einem Tag laufen. Pro Wurf kämen sechs bis sieben Wolfswelpen in Wurfhöhlen zur Welt, diese hätten noch blaue Augen, später seien diese gelb.

In Deutschland sind Wölfe streng geschützt, diese dürfen nicht erlegt werden. Ein Jäger, der einen Wolf hier erschießen würde, habe eine Strafe bis zu 50 000 Euro zu erwarten.

Auch sei es verboten, den Lebensraum von Wölfen zu stören, beispielsweise dürfe deren Wurfhöhle nicht zerstört werden.

Auf Spurensuche in den Workshops

Verschiedene Workshops begeisterten die Kinder. Ute Keilbach fragte: „Wie merkt man überhaupt, dass sich Wölfe in Deutschland aufhalten?“

Die aufmerksamen Kinder wussten von Spuren im Wald, von Wildkameras und von Kotfunden. Auch der Unterschied zum Hund interessierte die Schüler.

Die Wölfe verfügen über ein kräftigeres Gebiss und behaarte Ohren. Auch über die Fußballen sei eine Unterscheidung möglich, hier seien das „Caroluskreuz“ und eine „Hasenlinie“ vorhanden, gedachte Linien, die keinen Ballen durchschneiden.

Kreationen eigener Wolfssprachen

Jede Wolfsfamilie habe ihre eigene Sprache. So durften sich die Kinder (wolfs-)familienmäßig zusammenfinden und ein eigenes Wolfsgeheul erfinden. Auf der Wiese vor der Schule durften die Familienmitglieder ihre heulenden Angehörigen mit großem Spaß bei geschlossenen Augen identifizieren.

Experimenteller Anschauungsunterricht

Spannenden Anschauungsunterricht präsentierte Ute Keilbach in der mit Sand gefüllten Sprunggrube des Sportgeländes. So sei anhand der Tiefe der aufgefundenen Wolfsspuren erkennbar, wie schnell der Wolf unterwegs war. Plastiken der Ausscheidungen verschiedener regionaler Wildtiere wurden durch die Kinder zugeordnet, so war quasi nebenbei zu erfahren, dass ein Dachs den größten „Haufen“ produziert. Auch war erkennbar, was das Tier zuletzt verspeist hatte.

Interview mit dem Canis Lupus

Ein Überraschungsinterview mit Canis Lupus alias Ute Keilbach rundete die Workshops ab. So entschuldigte sich die Interviewerin Insa Keilbach bei Canis Lupus für das „dunkle Kapitel“ der Ausrottung der Wölfe vor 170 Jahren in Deutschland. Insa Keilbach meinte: „Wie konnten meine Vorfahren so schlecht mit Euch Wölfen umgehen!“. Canis Lupus berichtete von seinem anstrengenden Familienleben als (Wolfs-)Familienvater und den Versuchen, die Landschaft friedlich mit den Menschen zu teilen. Canis Lupus bat: „Bitte schützt Eure Schafherden mit Zäunen“. Und schmunzelnd sagte Canis Lupus: „Bitte nicht an meine Wolfskollegen weitersagen, aber Elektrozäune mögen wir gar nicht. Ein Kollege hat sich sogar die Nase daran verbrannt.“ Und weiter meinte Canis Lupus: „Bitte überzeugt Eure Politiker, dass wir als Nachbarn behandelt werden sollten und baut weniger Straßen.“

Thema Herdenschutz ist wichtig

Ute Keilbach sagte: „Die Weidetierhalter haben die Pflicht, ihre Tiere zu schützen.“ Es gebe finanzielle Unterstützung beim Zaunbau. Überaus gefährlich sei es, wenn Wölfe angefüttert würden. Auch Flatterbänder hätten eine schützende ergänzende Funktion. Robuste Herdenschutzhunde, die als Welpen in der Schafherde aufwachsen, würden die Schafe für ihre Familienmitglieder halten und diese beschützen.

Der Wolf ernährt sich zur Hälfte von Rehen, zu 20 Prozent von Wildschweinen und nur zu knapp zwei Prozent von Nutztieren. Grundsätzlich habe es der Wolf nur auf die Tiere in freier Wildbahn abgesehen und vermeide Risiken bei der Beutesuche.

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