Kleines Wiesental „Wollen hochwertiges Holz erzeugen“

Gerald Nill

Der erste Tagesordnungspunkt des Gemeinderats Kleines Wiesental verlief interaktiv. Die Leiterin des Forstbezirks Todtnau forderte die Gemeinderäte auf, an einer Stellwand die Ziele zu entwickeln, wie der Gemeindewald in den nächsten zehn Jahren gestaltet werden soll.

Von Gerald Nill

Kleines Wiesental-Tegernau. „Wie stellen Sie sich Ihren Wald vor?“, fragte Susanne Berger einleitend. Der Gesetzgeber habe vorgegeben, dass Waldeigentümer Ziele entwickeln müssen, „wohin die Reise gehen soll“. Als Vorgabe machte die Forst-Expertin einzig, dass die Bewirtschaftung des Waldes nachhaltig und sozial, ökologisch wie ökonomisch sein müsse. Als neue Größe komme aktuell der Klimawandel ins Spiel.

Die Gemeinderäte ließen sich nicht lange bitten und kennzeichneten mit grün und rot, wie die knapp zehn Jahre alten Ziele bei der Waldbewirtschaftung künftig geändert werden sollen. Eine Erkenntnis der Befragung war, dass den Gemeinderäten die CO2-Speicherung wichtig ist.

Es müsse noch diskutiert werden, ob dies durch mehr Stilllegung von Flächen und vermehrtes Totholz erfolgen soll oder durch das Produzieren von hochwertigem Holz, das in Baumaterial oder Möbeln langfristig klimaschädliche Gase bindet. Für Susanne Berger war klar: „Wir wollen hochwertiges Holz produzieren.“

„50 bis 60 Prozent Nadelholz wären denkbar.“

Diese Entscheidung habe Einfluss auf die Frage, welche Baumarten bevorzugt ausgewählt werden. Aufschluss über den Ist-Zustand werde eine Inventur bringen, die auf Basis von 760 Stichproben aktuell vorgenommen werde.

Eine andere Frage ist, welche Baumarten überhaupt im Klimawandel noch zukunftsfähig sind. Berger malte ein ziemliches Schreckensszenario an die Wand, wonach sämtliche heimische Baumarten durch die Erderwärmung massive Probleme in 70 Jahren bekommen werden, allen voran die Fichte. Etwas besser sieht es bei Tanne und Buche aus. „Die Douglasie macht in diesem Zusammenhang durchaus Sinn“, merkte Berger an und machte wieder Mut: „50 bis 60 Prozent Nadelholz wären im Kleinen Wiesental denkbar.“

Vorbehalte gegen den Einsatz schwerer Forstmaschinen melden Alexander Ziegler aus Elbenschwand und Werner Schwald aus Neuenweg an. Die Schäden, die an Waldböden und Forstwegen angerichtet werden, müssten bei der Kosten-, Nutzenberechnung einkalkuliert werden, meinten die Gemeinderäte. Katharina Matzken aus Bürchau sprang bei: Eine rasche Instandsetzung der Forstwege nach einem Hieb sei im Interesse der Bürger.

„Auf Naturverjüngung setzen“

Daniel Dreher plauderte aus der Praxis: „Direkt nach einem Hieb sieht es aus wie im Krieg.“ Susanne Berger bot an, häufiger einen Seilkran zum Einsatz zu bringen. Das habe aber seinen Preis.

Weiterhin ist den Gemeinderäten wichtig, wo möglich, auf Naturverjüngung zu setzen. Bestandsbäume hätten einen Standortvorteil. Aber es müsse kontrolliert werden, dass die Mischung stimme, was Pflegearbeiten erfordere. Rolf Vollmer aus Wies und Klaus Worms betonten: „Waldpflege ist nötig, sonst verhurstet die Fläche.“

„Den Wald klimastabil aufstellen“

Die Försterin schob nach: „Wir brauchen Ihren Auftrag, um zu wissen, was Sie für Pflege investieren wollen.“ Gemeinderat Rolf Vollmer schaffte den Bogen zur Windkraft-Diskussion und wies auf den damit verbundenen Verlust von Waldflächen hin. Er forderte vom Bund eine Entschädigung oder Prämie für den Erhalt des Waldes. Schließlich warf Vollmer auch noch die „Idee eines Friedwaldes“ in der Gemeinde in den Raum, „wobei ohne Aufwand Geld herausgeholt“ werden könne.

Nach einer zweistündigen Debatte zum Zehnjahresplan der Forsteinrichtung schloss Susanne Berger: „Ich nehme mit, es ist ein Anliegen, den Wald klimastabil aufzustellen.“ Weitere Abstimmungen werden noch folgen.

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