Kleines Wiesental Zeitreise in die Vergangenheit

Markgräfler Tagblatt, 21.09.2014 23:02 Uhr

Von Heiner Fabry

Kleines Wiesental-Raich. Das Brauchtumsfest in Raich mit seinen fast dreißig verschiedenen Vorführungen alten Brauchtums und Handwerks hat sich in den Jahren zu einer Attraktion entwickelt, die sich einen hervorragenden Ruf weit über die Grenzen des Kleinen Wiesentals hinaus erworben hat. Trieben die Schauer die Besucher auch hin und wieder in die Lindenhalle oder unter die Bäume, so muss im Ganzen wieder von einem außerordentlichen Erfolg des Festes gesprochen werden.

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Als Ortsvorsteherin Sigrid Fricker in schmucker Markgräfler Tracht um 11 Uhr das Fest offiziell eröffnete, waren die Plätze in der Lindenhalle schon gut besetzt. Sigrid Fricker danke in ihrer Begrüßung besonders dem neu gegründeten Brauchtumsverein, der in diesem Jahr erstmalig die Organisation des Brauchtumsfestes übernommen hatte. Zum Frühschoppenkonzert spielte der Musikverein Gresgen auf, während sich die meisten Besucher bei einem nahrhaften Mittagessen Kraft für das Programm des Nachmittags sammelten.

Den Veranstaltern des Brauchtumsvereins muss man ein großes Kompliment ausstellen. Die Organisation klappte hervorragend und die Vorführungen gaben einen informativen und lehrreichen Einblick in das Leben und Arbeiten auf dem Land. Im Bereich der Landwirtschaft konnten die Gäste miterleben, wie das Gras von Hand oder mit einem Rossgespann gemäht wurde. Auch beim „Z’Acker fahre“, dem Pflügen, waren die Ross wieder eine große Hilfe. Dreschen mit dem Dreschflegel oder halb-maschinell unter Mitwirkung einer von Hand betriebenen Dreschmaschine ließ miterleben, wie mühsam das Leben der Landwirte vor einigen Jahrzehnten noch war. Dabei sprechen wir gar nicht vom „Griä chlopfe“, dem Zerschlagen der Granitblöcke von Hand, um Schotter herzustellen. Oder beim „Holz beschla“, bei dem Balken aus Fichtenstämmen von Hand herausgehauen wurden. Auch häusliches Handwerk wurde gezeigt, Anke mache – die Herstellung von Butter, spinnen, Strohschuhe herstellen oder Lichtspäne für die dunkle Jahreszeit machen.

Dieses Fest ist einfach ein Erlebnis, bei dem dem unerfahrenen Besucher auch schnell deutlich wurde, dass es kaum ein Gewerk gibt, das einer alleine ausführt. Fast alle Arbeiten wurden im Verbund mehrerer Akteure ausgeführt, bei denen jeweils unterschiedliche Kenntnisse und Fähigkeiten gebraucht wurden. So vermittelte die Arbeit ein Gefühl von der großen Solidarität und Verbundenheit der Menschen auf dem Land bei ihrer Arbeit, bei der jeder auf die Hilfe des Nachbarn angewiesen war. Und daraus entsteht dann eben auch dieses Gemeinschaftsgefühl, dass dann beim gemeinsamen Fest (mit)erlebt werden kann. So war es ein netter, aber darum typischer Zug der Veranstalter, dass das „Z’Nüni neh“ als eigene „Vorführung“ mit in das Programm aufgenommen worden war.