Kleines Wiesental Zurück zum romantischen Klang

Jens Steinhoff, Klaus Deuss und Pfarrer Christian Rave (von links) freuen sich über die Renovierungsarbeiten an der Tegernauer Orgel.Foto: Gudrun Gehr Foto: Markgräfler Tagblatt

Am heutigen Dienstag jährt sich zum 125. Mal das Eröffnungskonzert der Orgel der Laurentiuskirche in Tegernau. Da passt es, dass dieser Tage der Startschuss zum Umbau des edlen Instruments gefallen ist.

Von Gudrun Gehr

Kleines Wiesental-Tegernau. Aus diesem Anlass hatten Pfarrer Christian Rave, Projektbegleiter Klaus Deuss und Orgelbaumeister Jens Steinhoff zu einem Pressetermin eingeladen. Rave erinnerte sich: „Zwischen 2009 und 2013 wurde die Kirche wegen Einsturzgefahr geschlossen. Als ich gerade seit zwei Wochen als Pfarrer in Tegernau arbeitete, kam die Anordnung, den Dachstuhl schnellstens zu räumen. Dort fanden sich viele gut erhaltene Orgelpfeifen, die bei ihrem Ausbau in den 1960er Jahren entfernt wurden und dem Feuertod entgangen sind.“ Typische Romantikregister wurden damals aus der Orgel des Baujahrs 1895 ausgebaut und im neobarocken Stil ersetzt.  

„Die Orgel japste“

Die romantische Orgel mit ihrem orchestralen Klangbild hatte damals ausgedient und sollte nun  mit den neobarocken Registern eine neue würzige und dunklere Klangfarbe erhalten. Allerdings änderte sich die Windzuführung und Intonation der Orgel, diese funktionierte nicht mehr einwandfrei. Orgelbaumeister Steinhoff: „Die Orgel japste, ihr Klang der Orgel erwies sich nun als müde, flach und flau.“ Geschulte Musiker waren der Meinung, dass die Orgel durch den Umbau „ihre Seele verloren“ habe. 

Tastatur aus Elfenbein

Die Tegernauer Orgel stammt aus der Werkstatt von August Merklin, Mitglied der Orgelbau-Dynastie Merklin, und jedes Bauteil wurde einzeln hergestellt. Die Tastatur der Orgel ist aus zeittypischem Elfenbein. Diese Orgel stellt hinsichtlich ihrer Größe und ihres Erhaltungsgrads eine Besonderheit dar. Damals mussten 5000 Mark aufgewendet werden, ein Kraftakt, wenn man bedenkt, dass ein Postbote dafür acht Jahresgehälter erbringen musste. Die Gemeindemitglieder packten ordentlich mit an: Es wurden Fuhr- und Handfrondienste geleistet. Im Ersten Weltkrieg mussten die Zinnpfeifen der Orgel als kriegswichtiges Material abgegeben werden, diese wurden ersetzt durch minderwertige lackierte Zinkpfeifen, was bis heute nicht korrigiert wurde. 

Förderkreis gebildet

Durch die wiederentdeckten originalen Romantik-Orgelpfeifen auf dem Dachstuhl entstand die Idee und schlussendlich die Entscheidung der Kirchengemeinde, die Orgel in ihren authentischen Zustand zurückzuversetzen. Ohnehin wäre eine kostspielige Revision angestanden. Es bildete sich ein Förderkreis aus interessierten Bürgern.  

Pfarrer Rave ist sicher: „Hier geht es nicht nur um romantische Musik, wir wollen hier Begeisterung für ein gemeinsames Projekt des Tals schaffen.“ Unter dem Motto „Orgelklang Original für das Kleine Wiesental“ wird die Orgel in den originalen Zustand zurückversetzt. Den Auftrag erhielt die Orgelbaufirma Jens Steinhoff aus Schwörstadt, die von einer Bauzeit von etwa einem Jahr ausgeht. 

Ein weiterer Aspekt ist, die neue (alte) Orgel als Standort der „Deutschen Orgelstraße“ registrieren zu lassen und damit einen touristischen Anreiz zu bilden. Pfarrer Rave hat auch eine Vision entwickelt: „Die Romantikorgel in Tegernau und die benachbarte Barockorgel in Wies sind wie geschaffen für Doppelkonzerte.“ Auch die Wieser Kirchenorgel aus der Hand des Baumeisters Georg Markus Steiner blickt auf eine bemerkenswerte Geschichte zurück. 

Finanzierung läuft

Klaus Deuss berichtet: „Für den Umbau mussten wir grob 130 000 Euro veranschlagen.“ Ein großer Teil der Kosten sind abgedeckt durch Zuschüsse der evangelischen  Landeskirche und die „Leader“-Förderung. Für den Rest in Höhe von rund 28 000 Euro hofft man seitens der Kirchengemeinde auf Spenden. Das Projekt erfährt eine große Unterstützung der politischen Gemeinde. Aktivitäten zum Orgel-Sponsoring wurden bereits angedacht: Ein Orgelwein in Zusammenarbeit mit der Winzergenossenschaft Pfaffenweiler ist zugesichert, der Klein Wiesentäler Imkerverein hat Hilfe signalisiert, eine „Backpfeife“ als Gebäck vom Springerle-Model kann erworben werden und Patenschaften für die Orgel können eingegangen  und die alten Orgelpfeifen  als Erinnerungsstück erworben werden. 

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