Kommunalwahl 2024 Lörrach wählt den neuen Gemeinderat: Birger Bär streckt die Fühler aus

Bernhard Konrad
Kommunalpolitiker erörtern den Zwischenstand der Auszählung. Die Stimmung ist gedämpft. Foto: Bernhard Konrad

Lörrach hat gewählt: Drei etablierte Parteien verlieren Sitze – allerdings in Maßen –, das rechte Spektrum gewinnt hinzu. Für die „Bürger für Lörrach“ sendet Bär Signale an die Freien Wähler: Deren Fraktionsvorsitzender Matthias Lindemer reagiert prompt.

Früher war alles anders, zumindest vieles – ganz sicher aber die Wahlergebnisse für den Lörracher Gemeinderat und das Interesse an der Entwicklung der Zwischenstände.

Weiland hatte die Drugette im ersten Obergeschoss des langen Egon ein bisschen was von Public Viewing für Politikbegeisterte, mittlerweile verliert sich nur noch eine überschaubare Anzahl von Kommunalpolitikern, Medienleuten und Verwaltungsmitarbeitern vor dem großen Bildschirm. Schon bei der Kommunalwahl 2019 war das Interesse überschaubar, nun aber füllt sich der Raum nicht mal mehr auf der Zielgeraden zum Endergebnis.

Alle am Smartphone

Früher, ja früher...war das Foyer vor dem großen Ratssaal der Stadt Lörrach am Wahltag ein wichtiger Ort der politischen Debatte – bevor sich das Geschehen mit der ersten Sitzung des neu gewählten Gremiums wieder in den Saal verlagerte. Das Interesse an den Zwischenständen scheint sich zusehends in den digitalen Raum zu verlagern, aber seltsamerweise nutzen auch viele Anwesende – der Autor dieses Artikels eingeschlossen – unentwegt ihr Smartphone, obwohl der Zwischenstand auf der weißen Leinwand durchgehend aktualisiert wird.

Christ- und Sozialdemokraten, Grüne und Freie Wähler plaudern unangestrengt miteinander. Erste Hochrechnungen weisen zwei Plätze für die AfD aus, später erhärtet sich der Trend zu einem dritten Sitz und damit zur Fraktionsstärke. Diese erreichen die „Bürger für Lörrach“ nicht, aber zwei Sitze aus dem Stand heraus sind ein Erfolg.

Lindemer hofft und bangt

Ulrich Lusche und Petra Höfler schauen vorbei – beide waren über Jahre hinweg eine sichere Bank für die CDU. Ein bisschen seltsam sei das schon, sagt Lusche, den eigenen Namen nicht mehr auf dem Bildschirm zu sehen – nach so langer Zeit im Gemeinderat. Sein Besuch ist ein Beleg bleibenden Interesses an der Kommunalpolitik.

Matthias Lindemer hofft unterdessen auf Brombach: Das Wahllokal in der Sporthalle ist noch nicht ausgezählt. Vielleicht bringen die Stimmen aus der Hochburg der Freien Wähler doch noch den sechsten Sitz. Am Ende bleibt es bei fünf, aber die Freien Wähler haben als einzige etablierte Gruppierung im Rat leicht hinzugewonnen. Die FDP bleibt mit zwei Vertretern im Gremium ebenfalls stabil.

Grüne, CDU und SPD verlieren – können aber offenbar recht gut mit dem Ergebnis leben. Die „linke Mehrheit“ ist jedenfalls Vergangenheit, mit der AfD in Fraktionsstärke und den „Bürgern für Lörrach“ sitzen neue Akteure am Ratstisch. Ob er eine Zählgemeinschaft mit der AfD anstrebe, lässt Birger Bär – federführender Initiator der neuen Gruppierung – am Wahltag offen.

Bärs Sympathien

Indes macht er seine Sympathien deutlich: Neben den „Bürgern für Lörrach“ befinde sich eine weitere Wählervereinigung im Gemeinderat (die Freien Wähler, Anm. d. Red). Für diese hege er Sympathien, sagte Bär – und streckte damit doch schon mal die Fühler aus.

Indes begegnete deren Fraktionsvorsitzender diesem Gedankenspiel mit Skepsis. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte Lindemer, es sei zunächst nicht das Ziel, eine Zählgemeinschaft zu bilden. Aber wenn, dann sehe er als potenziellen Partner der Freien Wähler eine klar favorisierte Option: die FDP. Das alte und neue Ratsmitglied der AfD, Wolfgang Koch, war nicht zugegen – Birger Bär aber versicherte, er sei ein Mensch, der Mauern einreißen, nicht hochziehen wolle. Bald schon kann er dies im Lörracher Gemeinderat unter Beweis stellen.

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