Kreis Lörrach Ängste nehmen, Stärken aufzeigen

Die Oberbadische, 15.02.2017 21:56 Uhr

Um junge Menschen zu stabilisieren und die Bereiche Pädagogik, Psychologie und Medizin miteinander zu vernetzen, führt die Erich Kästner-Schule Lörrach bereits zum vierten Mal gemeinsam mit dem St. Elisabethen-Krankenhaus die Vortragsreihe „Junge Menschen stärken“ durch.

Kreis Lörrach. „Kinder bringen zunehmend Probleme nach Hause, die immer komplexer werden“, sagte Barbara Timm, Leiterin der Erich Kästner-Schule (Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum für Schüler in längerer Krankenhausbehandlung) beim Pressegespräch gestern in der Kinderschule des Elisabethen-Krankenhauses. Die Vortragsreihe umfasse daher verschieden­ste Bereiche von Therapie und Erziehung bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkranken, die sowohl Ärzte, Pädagogen, Psychologen und Eltern ansprechen sollen. „Wir wollen Wissen vernetzen und an einem Strang ziehen“, erklärte Timm.

Während die Schulleiterin, die seit Anfang des laufenden Schuljahres im Amt ist, zum ersten Mal die Vortragsreihe begleitet, ist ihre Stellvertreterin, Sigrid Springmann-Preis, seit Anfang an dabei. Gerne erinnert sie sich an die erste Vortragsreihe im Jahr 2011 zurück, bei der beim Vortrag über Schulverweigerung der Große Saal des Elisabethen-Krankenhauses „aus allen Nähten platzte“. Die positiven Rückmeldungen – die Vortragsbesucher freuten sich vor allem, dass es so etwas nun auch in Lörrach gibt – und die zahlreichen Anfragen in jüngster Zeit, ob es im Jahr 2017 eine neue Reihe geben wird, bestärkten Springmann-Preis und Barbara Timm, im vergangenen Herbst für eine weitere Auflage auf Sponsorensuche zu gehen – mit Erfolg.

Die Referenten waren schnell gefunden, denn mittlerweile habe sich die Vortragsreihe in Fachkreisen bereits herumgesprochen, sagte Springmann-Preis. Dass die – vergleichsweise kleine – Erich Kästner-Schule in Lörrach eine solche Vortragsreihe auf die Beine stellte, versprühe wohl einen gewissen Charme, meinte die stellvertretende Schulleiterin. Zudem sei die Vorstellung, vor einem völlig gemischten Publikum – vom Oberarzt bis zur besorgten Großmutter – zu sprechen, reizvoll.

In diesem Jahr sind folgende Referenten dabei: Dr. Frank Köhnlein, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uni Basel, erklärt am 22. März, wie Humor in Therapie und Pädagogik eingesetzt werden kann. Ganz nach dem Motto: „Lachen ist die beste Medizin“. Zwei Sonderpädagogen aus Riegel, Michael Eisele und Wolfgang Braun, zeigen am 17. Mai auf, wie man mit herausforderndem Verhalten von Kindern im Alltag am Besten umgeht. Dem Phänomen, dass die Pubertät heutzutage deutlich länger anhält und was dies für die Identitätsfindung der Jugendlichen bedeutet, geht Professor Franz Resch von der Uni Heidelberg am 4. Oktober auf den Grund. Heimspiel haben Dr. Katrin Haug und Andreas Kubetzko von der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Eli-Krankenhaus, die am 25. Oktober ein neues Konzept zum erfolgreichen Weg aus der Essstörung vorstellen. Den Abschluss macht am 22. November Dr. Johannes Dreschler aus Fribourg, der über psychosomatische Krankheitsbilder bei Kindern referiert – ein Thema, das Studien zufolge zunimmt.

Der Erich Kästner-Schule habe die im zweijährlichen Rhythmus stattfindende Vortragsreihe einen großen Schub gegeben: Häufiger würden Anfragen aus dem Schulamtsbezirk, aber auch von Eltern kommen, die „vorher mit unserer Schule gar nichts anfangen konnten“, sagte Timm. Die Idee ein Angebot so niederschwellig wie möglich – offen und kostenlos – anzubieten, sei also aufgegangen.

Die Vorträge finden jeweils mittwochs, am 22. März, 17. Mai, 4. und 25. Oktober sowie 22. November, um 19 Uhr im Großen Saal des Elisabethen-Krankenhauses Lörrach statt. Der Eintritt ist frei.