Kreis Lörrach Arbeiten in der Risikogruppe

Kreis Lörrach - Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus stellt das Gesundheitswesen vor große Herausforderungen. Nicht nur Kliniken und Pflegeeinrichtungen haben Schwierigkeiten, den nötigen Nachschub an Schutzausrüstung zu erhalten, auch ambulante Pflegedienste sind mit einer Mangelverwaltung konfrontiert. Und: Die Unsicherheit bei den Patienten ist groß, wie Jörg Schneider, Geschäftsführer der katholischen Sozialstation Lörrach-Inzlingen, weiß.

Ambulante Pflegedienste verrichten jeden Tag ihre Arbeit an alten und kranken Menschen, also genau jener Gruppe der Gesellschaft, die besonders anfällig für schwere Covid-19-Krankheitsverläufe ist, berichtet Schneider im Gespräch mit unserer Zeitung.

Um der Pandemie Einhalt zu gebieten, wird neben Hygiene auch auf soziale Distanz gesetzt. Letzteres ist im Pflegebereich indes kaum umsetzbar. „Umso wichtiger ist daher der Schutz unserer Patienten und Mitarbeiter“, verweist der Geschäftsführer auf das Tragen von Masken, Handschuhen, Schutzmantel und den Einsatz von Desinfektionsmitteln. Handschuhe habe man noch, bei den Masken sei es problematisch. Hier müsse man den Bedarf strecken, verweist Schneider auf eine im dreistelligen Bereich liegende Zahl an Hausbesuchen, die das 35-köpfige Team täglich absolviere.

Schutz ist oberstes Gebot

Schneiders Sorge gilt Pflegenden wie Patienten, unter denen nicht nur Senioren sind. Der Schutz vor einer Infektion und der Verbreitung des Erregers sei oberstes Gebot. Man orientiere sich dabei an den Empfehlungen und Vorgaben des Robert Koch-Instituts. Dementsprechend hoch sei der Mehraufwand, nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht: „Die Preise für Schutzausrüstung haben sich verzehnfacht“, schildert der Geschäftsführer. Beim Landratsamt habe man zwar den Bedarf angemeldet, eine Lieferung sei indes noch nicht erfolgt. „Wir warten auf Rückmeldung, aber auch dort herrscht Mangelverwaltung.“

Während größere Einrichtungen die Spendenbereitschaft von Privaten und Unternehmen zu spüren bekommen, sieht dies in der ambulanten Pflege anders aus. „Vielleicht liegt es daran, dass Einrichtungen wie unsere weniger im Fokus von Öffentlichkeit und Politik stehen“, meint der Geschäftsführer.

Versorgung verbessern

Dass die Versorgung mit Schutzausrüstung dringend verbessert werden müsse, erklärte jüngst die CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller. Für die Kreise Lörrach und Waldshut habe das Land jeweils rund 11 800 Handschuhe, 10 800 Masken und 35 Anzüge zur Verfügung gestellt. Das reiche bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken, kritisiert Hartmann-Müller. Positiv sieht sie, dass Sozialminister Lucha weitere Tranchen in größerem Umfang für die nächsten Tage in Aussicht stellt.

Unsicherheit

Unsicherheit herrscht nicht nur bei der Versorgung mit Schutzausstattung, sondern sie macht sich auch bei den Kunden der Sozialstation bemerkbar, wie Schneider berichtet. „In Zeiten von Corona wirken unsere Mitarbeiter deshalb beruhigend auf sie ein.“

Ängste vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus hätten sowohl Pfleger als auch Kunden, berichtet Martin Strittmatter, stellvertretender Vorsitzender des Evangelischen Altenwerks in Lörrach. So würden vereinzelt Kunden Aufträge im hauswirtschaftlichen Bereich absagen und Kontakte reduzieren.

Derweil schützen sich die Pfleger im Kundenkontakt mit Handschuhen und Mund-Nasen-Schutz. Über FFP-Masken, also solche, die das Ansteckungsrisiko deutlich verringern, verfügt der Pflegedienst nicht. „Wir müssen die häusliche Pflege von Infizierten ablehnen.“ Das Gesundheitsamt habe man darüber in Kenntnis gesetzt, eine Antwort blieb bislang aus.

Langes Warten

Die Mitarbeiter würden bei Erkältungssymptomen umgehend getestet, um eine Ausbreitung des Erregers zu vermeiden, verweist Strittmatter auf die enge Zusammenarbeit mit Hausärzten. Bis das Ergebnis vorliegt, sollen die Angestellten zuhause bleiben und sind dann nicht einsetzbar. Das Problem: Derzeit dauert es sechs Tage bis zum Abstrichtermin; bis der Befund vorliege, könnten manchmal zwei Wochen vergehen. Große Ausfälle im Personalbestand gebe es allerdings nicht. Und: Bisher seien alle Tests negativ.

Die allgemeinen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus sollen die Risikogruppe schützen, allerdings haben sie auch einen Nebeneffekt: „Wir sind oft der einzige Kontakt, den die Senioren noch haben, weil sie keinen Besuch mehr empfangen sollen.“ Daher regt Strittmatter an, öfter mit den Angehörigen zu telefonieren oder eine Karte zu schreiben.

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