Kreis Lörrach Arbeitsmarkt zeigt sich stabil

Die Oberbadische
Trotz Corona-Krise ist es bisher nicht zu einer Entlassungswelle gekommen, berichtet WSW-Geschäftsführer Alexander Maas. Derweil ist die Zahl der Ausbildungsverträge stark rückläufig.Foto: Archiv Foto: Die Oberbadische

Die Corona-Krise hat Gesellschaft und Wirtschaft weiter fest im Griff. Es sei immer noch schwer, die genauen Auswirkungen zu erfassen, wie Alexander Maas, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Südwest, am Mittwoch in der jüngsten Sitzung des Kreis-Verwaltungsausschusses erklärte. Derzeit sehe es danach aus, als könne die Wirtschaft insgesamt mit einem blauen Auge davonkommen.

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Der zweite Lockdown führte nicht zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, sagte Maas in seinem Bericht zur Einschätzung der wirtschaftlichen Lage im Kreis Lörrach. „Trotz aller Einschnitte zeigt sich der Arbeitsmarkt im Dreiländereck äußerst stabil.“ Es habe keine große Entlassungswelle gegeben, auch dank Kurzarbeit. Dass mehr Menschen als im Vorjahr eine Beschäftigung aufnehmen, bezeichnete er als positives Signal. Trotz Krise werde der Bedarf an Fachkräften durch die Pandemie nicht weniger. „Das kann unsere Wirtschaft in einigen Jahren zusätzlich unter Druck setzen.“

Produzierendes Gewerbe

Die Lage im produzierenden Gewerbe im Landkreis zeigt sich sehr heterogen. Manche haben von der Pandemie profitiert, andere hat es schwer getroffen. Während sich die Pharma- und Baubranche stark, der Chemie- und Lebensmittelbereich stabil zeigen, leiden Maschinen- und Messebau stark. „Einzig Asien ist der Lichtblick im Export“, betonte Maas. Negativ: Investitionen im Investitionsgüterbereich werden zurückgehalten und um Monate nach hinten verschoben sofern sie nicht dringlich sind.

Handel

Im Handel ist der Umsatz „zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“, verdeutlichte der WSW-Geschäftsführer die Lage. Der innerstädtische Handel – Lebensmittler ausgenommen – hat im zweiten Lockdown durchschnittlich noch 30 bis 60 Prozent des üblichen Umsatzes. „Die Schweizer Kundschaft fehlt, und Click & Collect bringt nur minimalen Umsatz“, so Maas. Händler, die bereits vor dem Lockdown digital gut aufgestellt waren, hätten es in der Krise etwas leichter, wie weiter zu erfahren war. Angesichts der weiteren Pandemieentwicklung und dem Inzidenzwert bestehe Unsicherheit, was sich auf den Wareneinkauf auswirke.

Gastronomie

Gastronomie, Hotellerie und Tourismus sind aufgrund des anhaltenden Lockdowns bekanntermaßen besonders hart getroffen. „Angebote wie Abholservice oder Take away sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Laut Maas berichten Gastwirte von Kündigungen der Mitarbeiter. Statt Kurzarbeit würden andere Beschäftigungen wie zum Beispiel an der Supermarktkasse angestrebt.

Handwerk

Lichtblicke gibt es derweil im Handwerk: Es gibt viele Gewerke, die ausreichend Aufträge haben und diese auch ausführen können. „Allerdings sehen wir besondere Herausforderungen, insbesondere bei den Betrieben, die auf den grenzüberschreitenden Wirtschaftsraum angewiesen sind.“ Denn einige Firmen können und konnten wegen Verordnungen gar nicht oder nur eingeschränkt arbeiten.

Problematisch zeigt sich auch die Ausbildungssituation: Im Landkreis ist die Zahl der Ausbildungsverhältnisse im Handwerk gegenüber dem Vorjahr um rund 15 Prozent zurückgegangen. Dies liege nicht nur an fehlenden Praktika und ausgefallener Berufsorientierung, sondern auch an einer Unsicherheit vieler Ausbildungsbetriebe, was die weitere wirtschaftliche Entwicklung betrifft.

Stimmen der Fraktionen

Der Bericht unterschätze die Dramatik, kommentierte Grünen-Fraktionschef Bernd Martin die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft. Zuvor betonte Klaus Eberhardt (SPD), dass sich die Entwicklung auch auf kommunaler Seite bemerkbar machen. In absehbarer Zeit würden 25 Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen fehlen. Und mit Blick auf die Lage von Jugendlichen, Heranwachsenden und Auszubildenden sei die Lage verheerend. Bei einschneidenden Schutzmaßnahmen einzig auf den Inzidenzwert zu blicken, betrachte Eberhardt mit großer Sorge und sprach sich angesichts der Impfungen, der neuen Teststrategie und dem Schutz vulnerabler Gruppen für eine Abkehr davon aus. „Sonst wird der Lockdown noch viel länger dauern.“ Der Einzelhandel sei bald am Ende, warnte er vor Strukturveränderungen. „Europa droht im zweiten Quartal eine wirtschaftliche Katastrophe“, kommentierte Manuel Karcher (FDP) die Entwicklung. Derweil befürwortete er das sogenannte Tübinger Modell. Der dreiwöchige Modellversuch soll ausloten, ob mit dem intensive Einsatz von Schnelltests auch zusätzliche Öffnungsschritte umsetzbar sind, ohne dass es dadurch einen negativen Effekt auf das Infektionsgeschehen gibt. „Diesen Versuch wird die Kreisverwaltung genau beobachten“, erklärte Landrätin Marion Dammann.

Sollte die Landesregierung nach positivem Ausgang grünes Licht geben, könnte Tübingen auch Vorbild für den Landkreis Lörrach werden. Darüber hinaus betonte Dammann die Wichtigkeit der Test- und Impfstrategie. Sie äußerte den Wunsch, dass auch Betriebe ihre Mitarbeiter testen, um Ausbrüche schnell in den Griff zu bekommen. Außerdem hofft sie auf die baldige Fortführung der Impfungen mit Astrazeneca und die Einbindung der Hausärzte.

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