Leserbrief „Auf Gedeih und Verderb durchhalten“

Die Bundes-Notbremse beschäftigt unsere Leser. Foto: sba/Wolfram Steinberg

BETRIFFT: „Notbremse im Landkreis greift wohl ab Dienstag“, Die Oberbadische vom 26. April

Geschäfte auf, Geschäfte zu – ein Umstand, der natürlich den Geschäftsinhabern an den Nerven zehrt – was sonst. Jeder, der die Zeit hinter sich hat und aus dem täglichen Arbeitsprozess mit einer genehmigten Rente von zu Hause aus das Geschehen beobachten kann, wird Lobeshymnen singen.

Es ist in der Corona-Zeit ein schrecklicher Umstand, der viele bis an die Grenzen der Belastbarkeit bringt. Was mich da aber auf den Gedanken bringt, ist die Tatsache, dass es nicht nur die Geschäftsinhaber sind, welche diese Maßnahmen zu ertragen haben, sondern auch die vielen Millionen Menschen, die in ihrem psychischen Notstand oftmals die Fassung verlieren. Den Schreihälsen auf den Straßen und Plätzen geht es in diesem Fall zwar etwas besser, weil sie ihren Frust oftmals in einer Lautstärke herausschreien, die auch kaum erträglich ist – und bei vielen introvertierten Menschen Verwunderung und Bewunderung hervorruft –, gleichzeitig aber auch bei vielen ein Unverständnis erzeugt, gepaart mit Angst, Beklemmung und Panik. Skandierend in minutenlangen, gleichbleibenden Tonlagen – im Hintergrund die Polizei, und bei Gegendemonstranten wie Sympathisanten – gehen durch Mark und Knochen. Egal, in welcher Konstellation sich der oder die Betroffenen im Umfeld befinden, es ist ein Akt, der kaum in den physischen Befindlichkeiten ertragbar ist. Jeder hat nur den einen Wunsch: „Wann ist dieser Zustand zu Ende? Wann können wir wieder – ohne psychische, aber doch notwendige Vergewaltigung unserer Freiheitsrechte – leben, wie wir es immer seit Ende des Zweiten Weltkrieges gewohnt waren, leben und das Leben genießen?“

Wie wir das Blatt auch drehen und wenden – beide Seiten der Medaille sprechen im Prinzip mit einer Zunge. Die Introvertierten mit Angst, Zurückhaltung und Disziplin und die anderen mit Frust, Demonstration und einem Verhalten in öffentlichen Räumen, das den konservativen Bürgern noch mehr Angst und psychische Probleme bereitet. Die Frage darf in den Raum gestellt werden, welche von beiden Seiten am längeren Hebel sitzt, der allerdings von weder noch betätigt werden kann und darf. Wir sind dem Notstand unterworfen und müssen auf Gedeih und Verderb durchhalten, bis die Massenimmunität uns verstandesmäßig Entwarnung geben kann.

Karlheinz Breuer

Lörrach

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