Kreis Lörrach - Die Kreiskliniken haben ihre Schlaganfalleinheit kontinuierlich ausgebaut und jetzt das Gütesiegel einer regionalen Stroke Unit im Rahmen einer Rezertifizierung erhalten. Seit einem Jahr sind nun alle neurologischen Patienten in einem Arbeitsbereich konzentriert. Damit ist die Einheit ein fester Bestandteil einer wohnortnahen Versorgung von Schlaganfallpatienten in der Region.

Bei einem Schlaganfall kommt es auf jede Minute an, wie Chefarzt Jens Wattchow weiß: „Es ist ein zeitsensibler Notfall, bei dem ein gut funktionierendes Versorgungsnetzwerk von extrem hoher Bedeutung ist“, verweist der Experte im Rahmen eines Pressegesprächs auf die beiden wichtigen Grundsäulen der Schlaganfallbehandlung: Die sogenannte Lyse-Therapie, bei der ein Medikament verabreicht wird, das die Verstopfung im Blutgefäß lösen soll, und die interventionelle Thrombektomie. Hier wird ein größeres Gerinnsel mit einem Katheter entfernt – eine Behandlung, die es nicht in Lörrach, sondern nur in Kliniken der Maximalversorgung gibt. Bei Bedarf werden die Patienten nach Freiburg geflogen (7,7 Prozent der Patienten) oder in Basel weiterbehandelt. Schnelligkeit ist angesagt, wenn man das Risikogewebe nach einem Infarkt schützen will.

Dass es für die Diagnose Expertise braucht, blieb nicht unerwähnt: Symptome wie Sprachstörungen, Schwindel oder etwa eine gelähmte Hand müssen nicht zwangsläufig Ursache eines Schlaganfalls sein, sprach Wattchow von einer diagnostischen Herausforderung in der Notaufnahme, wo es gilt, einen Fall schnellstmöglich einzuordnen.

Die Statistik belegt die hohe Bedeutung der Neurologischen Klinik für die Versorgungslandschaft am Hochrhein. Im Jahr 2009 erfolgte erstmals die Zertifizierung als lokale Stroke Unit mit vier Betten in der Intensivstation des Klinikums. Die Anzahl der behandelten Patienten in der Neurologie stieg seither stark an, und zwar von rund 580 im Jahr 2009 auf 1890 in diesem Jahr. Hiervon waren 857 Schlaganfallpatienten, wie Klinikenchef Armin Müller erklärte.

Die Stroke Unit, die einen deutlichen höheren Personalschlüssel aufweist – auf vier Patienten kommt eine Pflegefachkraft – stieß zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Nach Zustimmung durch das Sozialministerium wurde die Schlaganfalleinheit auf acht Betten erweitert und in die Station Rosenfels eingegliedert. Für die notwendige Technik und Umbaumaßnahmen hat die Klinik 200 000 Euro in die Hand genommen.

Als neue Leiterin der Stroke Unit konnte die erfahrene Oberärztin Julia Schoof gewonnen werden, zusätzlich ist durch die Erweiterung des Stellenplans mit einem neuen ärztlichen Dienstmodell eine neurologische Versorgung in der interdisziplinären Notaufnahme rund um die Uhr möglich geworden, wie beim Pressegespräch zu erfahren war. Als Höhepunkt der Entwicklung freute sich die Klinikleitung nun über die Höherstufung von der lokalen zur regionalen Stroke Unit und die Zertifizierung durch die Deutsche Schlaganfallgesellschaft.