Kreis Lörrach Auf Tuchfühlung mit den Fans

Die Oberbadische, 16.07.2017 23:00 Uhr

Die Überraschung ist gelungen: Hunderte von Smartphones sind auf die Bühne gerichtet, um nach stundenlangem Ausharren an vorderster Sommersound-Front auch bloß keine Sekunde vom heiß ersehnten Auftritt zu verpassen.

Von Anja Bertsch

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Schopfheim. Da taucht das Objekt der Objektivbegierde auf einmal ganz am anderen, hinteren Ende des Marktplatzes auf, sprintet zu den Klängen von „Der Junge der rennt“ mitten durch die dicht gedrängte Menge und rauf die Bühne. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass Max Giesinger an diesem Abends auf Tuchfühlung mit seinen Fans geht und pure Seligkeit zurücklässt.

Gepusht vom Erfolg bei „Voice of Germany“, war Max Giesinger als Support von Mark Forster 2015 schon einmal beim Schopfheimer Sommersound zu hören. Zwei Jahre und einen EM-Hit später kehrt er nun ­als Hauptact zurück und füllt den Marktplatz mit knapp 3000 Zuhörer nun selbst ganz mühelos.

Max′ Giesingers Zielpublikum ist zum großen Teil noch nicht in dem Alter, in dem man ein Konzert ganz alleine besuchen darf, und so kommt′es, dass der Schopfheimer Marktplatz an diesem Abend zum großen Familienausflugsziel wird. Papa-Mama-Kind-und-Kind, vielleicht eine Schulfreundin oder die Oma noch mit dabei: Die Tickets für diese Konzert dürften oft im größeren Bündel über den Tresen gegangen sein; so lange eben, bis es etliche Tage vor dem Konzert bereits ausverkauft war. Und wo Max Giesinger seine jungen Fans ohnehin von Anfang an in der Tasche seiner Jeans hat und in verzückte Begeisterung versetzt, gewinnt er mit sympathischer Show und jungenhaftem Charme schnell auch die Erziehungsberechtigten ringsum für sich: Strahlenden Gesichtern unter einem Meer von schwenkenden Armen und leuchtenden Smartphones (ohnehin, und hier weiter verbreitet als das Feuerzeug-Flämmchen alter Romantik-Schule) sind leuchtender Beleg der Wohlfühlstimmung, die hier im Nu um sich greift.

„Ich bin der Max, das ist die Band – wie ist die Lage?“, startet Max in die Vorstellungsrunde und schlägt damit den Grundton an, in dem er sich seinen Fans präsentiert: Unkompliziert ist er, lieb und sympathisch. Schon irgendwie cool aber nicht zu sehr; eher nett und einer von uns. Ohnehin, und hier ganz besonders: Max Giesinger kommt aus einem Dorf bei Karlsruhe, und weil das ja irgendwie mit Schopfheim zusammengehört, intoniert er erst den Karlsruher Dialekt und dann das Badnerlied – und hat im Jung-Publikum einen erstaunlich textsicheren Chor vor sich, der bereitwillig mittut. Einige Grade besser kommt es aber natürlich denn doch, wenn er die echten Max-Giesinger-Songs anstimmt. Gut verdaubarer Pop ist das, mit netten Melodien und mitsingbaren Refrains, manchmal ein bisschen härter angerockt, dann wieder im gefühlvollen, Synthesizer-gestärkten Balladengewand. Der 28-Jährige hat eine eingespielte Band im Rücken, hängt sich aber immer wieder mal selbst die Gitarre um den Hals. Zum Beispiel, als er zur Akustik-Sektion in der Mitte des Programms die Newcomerin „Lotte“ zum Singer-/Songwriter-Duett auf die Bühne bittet, die bereits das Vorprogramm bespielt und dabei kräftigen Jubel eingefahren hat.

Zwei Alben hat Max Giesinger mit seiner Musik bislang gefüllt, und wo die eingefleischten Fans jedes der guten Dutzend Stücke im Repertoire des Sommersound-Abends Silbe für Silbe mitsingen können, sind es doch vor allem zwei Songs, die wirklich jeder kennt und die auch auf dem Schopfheimer Marktplatz den größten Jubel einfahren: In „Wenn sie tanzt“ besingt noch der kleinste Konzertbesucher hingebungsvoll das Schicksal der alleinerziehenden Mutter, die sich aus dem Alltagsstress hin und wieder ins selige Körperwiegen verabschiedet. Und ganz am Ende findet endlich auch „Einer von 80 Millionen“ seinen Weg auf den Schopfheimer Marktplatz. Wieder und wieder lässt Max die Menge den Refrain singen und bringt sie damit endgültig zum Abheben.