Kreis Lörrach Aufsuchende Hilfen bewähren sich

Im Lörracher Erich-Reisch-Haus finden Wohnungslose Unterstützung und ein Dach über dem Kopf. Foto: Kristoff Meller

Kreis Lörrach - Die AGJ-Wohnungslosenhilfe im Landkreis Lörrach hat ihre aufsuchende Hilfen und Präventionsarbeit ausgebaut, wie Leiter Stefan Heinz gestern im Bilanzpressegespräch für das Jahr 2018 sagte. Er machte auch auf die sich immer weiter verschärfende Lage auf dem Wohnungsmarkt aufmerksam.

Ziel des im Jahr 2016 gestarteten „Fachdiensts Mobile Obdachlosenbetreuung“, das Haushalte, die bereits ordnungsrechtlich im Status „obdachlos“ untergebracht sind, betreut, ist das Erarbeiten gemeinsamer Perspektiven, um im Idealfall Obdachlosigkeit zu überwinden, wie Leiter Stefan Heinz darlegte. So hätten 13 von 57 betreuten Haushalte in Lörrach dank der Hilfe des Fachdiensts wieder einen Mietvertrag erhalten. Seit dem Jahr 2016 seien es in enger Kooperation mit der Städtischen Wohnbau Lörrach 35 Haushalte gewesen. „Die Wohnbau Lörrach kommt ihrem sozialen Auftrag nach“, lobte Heinz. Auch in Rheinfelden konnte die AGJ die Beratungstätigkeit im sozialen Kompetenzzentrum fortsetzen.

Die Fachstelle Wohnungssicherung hat bei steigender Tendenz kreisweit insgesamt 416 Haushalte erreicht. Wie Leiterin Sylvia Ziegler erklärte, konnte bei 135 Haushalten die Wohnung gesichert oder Alternativwohnraum gefunden werden.

In der Mitte der Gesellschaft

„Das Problem ist schon längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, meinte Ziegler. Kleine Einkommen, Scheidung oder der Tod des Partners können dafür sorgen, dass finanzielle Schieflagen entstehen und sich Mietschulden anhäufen, die zu einer Räumungsklage führen können. Als problematisch wertete sie zudem die Höhe der angemessenen Kosten der Unterkunft die vom Jobcenter getragen werden. Hier müsste laut Ziegler dringend angepasst und der zulässige Betrag erhöht werden.

In Anbetracht weiter steigender Immobilienpreise und einer Verknappung von preiswertem Wohnraum würde es laut Heinz nicht verwundern, dass die ambulante Fachberatung für Wohnungslose eine ungebrochen hohe Nachfrage erfährt. 708 Menschen wurden beraten, oftmals befanden sich diese in großer Not, sagte Slavica Stanojevic von der Fachstelle der mobilen Obdachlosenbetreuung. Die Zahlen seien rückläufig, bewegten sich aber auf einem hohen Niveau. Eine steigende Tendenz bilanzierte Heinz bei den Übernachtungszahlen der Notschlafstelle. Bei 113 Nutzern wurden 1475 Übernachtungen gezählt.

Finanzierung muss neu ausgehandelt werden

„Wir bieten ein niederschwelliges Angebot an, das Haus steht jedem offen, und wir müssen niemanden abweisen“, kommentierte Heinz die Zahlen. Allerdings müsse die Finanzierung ab 2020 mit dem Kreis und der Stadt Lörrach neu ausgehandelt werden. Die bisherige Förderung sei nicht mehr gegeben. Bis Jahresende springe die Caritas ein.

Die Tagesstätten wurden von 295 Personen aufgesucht, womit die Besucherzahl wieder leicht gestiegen ist. Gesunken ist indes die Zahl der Menschen in den längerfristigen Wohn- und Betreuungsangeboten. Heinz sprach von einer zunehmenden Betreuungsdauer, was dem extrem angespannten Wohnungsmarkt geschuldet sei. Dieser biete so gut wie keine angemessenen und bezahlbaren Wohnungen für besondere Bedarfsgruppen wie Wohnungslose. Heinz wertete es als großen Erfolg, dass von 52 Betroffenen insgesamt 13 Menschen in eine eigene Wohnung wechseln konnten.

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