Kreis Lörrach Ausbildungsmarkt klart auf

Michael Werndorff
Ausbildungsberufe rund um Fahrzeugtechnik stehen ganz oben auf der Beliebtheitsliste. Foto: Pixabay

Insgesamt 14 Prozent mehr Ausbildungsstellen und 3,5 Prozent mehr Bewerber als im Vorjahr: Die Agentur für Arbeit Lörrach registriert in ihrem Bezirk eine hohe Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen, wie bei einem Pressegespräch deutlich wurde.

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Die Lage sei ähnlich wie auf dem Arbeitsmarkt, wo die Facharbeiter fehlten. Auch auf dem Ausbildungsmarkt könnten viele Stellen nicht besetzt werden, bilanzierte Agenturchef Horst Eckert. Dennoch zeigten sich die Verantwortlichen im Rahmen des Pressegesprächs, da die Talfahrt angesichts steigender Bewerberzahlen erst einmal unterbrochen sei.

„Die Betriebe wollen und können ausbilden“, kommentierte Eckert das Ausbildungsjahr 2020/21. Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen sei hoch, doch jeder fünfte Ausbildungsplatz blieb unbesetzt (29,9 Prozent). Und: „Das Matching von Angebot und Nachfrage bleibt weiterhin schwierig.“ Das Bewerber-/Stellenverhältnis sei kontinuierlich gesunken und erreichte in diesem Jahr einen neuen Tiefstand, berichtete der Agenturleiter. Die Arbeitsagentur Lörrach liege mit 57 Bewerbern auf 100 Ausbildungsstellen weit unter dem Bundes- und Landesschnitt mit 77 Bewerbern. Gleichwohl befinde man sich mit einer hohen Ausbildungsquote unter den Top 5 im Bundesgebiet. Mit einer Ausbildungsquote von 6,4 Prozent belege die Region nach der Pandemie wieder den dritten Platz, was sehr erfreulich sei, so Eckert.

Klar sei auch: Der regionale Ausbildungsmarkt habe sich in den vergangenen zehn Jahren zu einem Bewerbermarkt entwickelt. Die Jugendlichen entscheiden, welchen Weg sie einschlagen wollen, verwies Eckert auf derzeit 617 offene betriebliche Ausbildungsstellen und 45 suchende Bewerber in den Kreisen Lörrach und Waldshut. Knapp zwei Drittel der gemeldeten Bewerber hätten dieses Jahr eine Ausbildungsstelle gefunden, jeder Sechste gehe weiter zur Schule.

Zu den beliebtesten Ausbildungsberufen gehören nach wie vor der Kfz-Mechatroniker, Verkäufer, Kaufmann für Büromanagement und medizinische Fachangestellte sowie Industriemechaniker. Hingegen bestehe eine geringe Nachfrage in den Ausbildungen zur Zahnmedizinischen Fachangestellten, Koch, Kaufmann im Einzelhandel oder Verkäufer, wie die Statistik zeigt.

Kaum Wohnraum zur Verfügung

Selber ausbilden sei für Unternehmen die einzige Möglichkeit, an Fachkräfte zu kommen. Es sei nicht mehr so einfach, Bewerber aus anderen Regionen Deutschlands ins Dreiländereck zu lotsen. Und wenn es einmal gelinge, stellten fehlende Unterbringungsmöglichkeiten ein Problem dar, ergänzte Kreishandwerksmeister Martin Ranz. Das sei bekannt, erwiderte Annette Rebmann-Schmelzer aus der Geschäftsleitung der Freiburger Handwerkskammer. Ein Arbeitskreis soll für Abhilfe sorgen.

Vor-Corona-Niveau nicht erreicht

Im Bereich Lörrach habe die Handwerkskammer Freiburg den Vorjahresknick ausgebügelt und verzeichnet 3,7 Prozent mehr Azubis. Gleichwohl habe man das Vor-Corona-Niveau längst nicht erreicht. Zudem sprach sie von einer Abwärtsspirale in einzelnen Berufen. Der Fachkräftemangel sei längst da, dramatisch werde die Lage, wenn die Generation der Baby-Boomer in den nächsten drei bis fünf Jahren in den Ruhestand gehen werde. Seit dem Jahr 2007 hätten 500 junge Menschen weniger den Weg ins Handwerk gefunden. „Der Rückgang erfüllt uns mit Sorge.“

Derweil verzeichnete die IHK-Hochrhein-Bodensee zum 31. Oktober 5,8 Prozent mehr Ausbildungsverträge als im Vorjahr, und das mit einem Abiturientenanteil von 25 Prozent. Allein auf Hotel- und Gaststätten entfällt ein Plus von 79,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch wurden rund 20 Prozent weniger Verträge abgeschlossen als 2019.

Die Handwerkskammer Konstanz zählte einen Zuwachs von insgesamt 1,5 Prozent.

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