Kreis Lörrach Befürchtungen nicht bewahrheitet

Die Oberbadische
Der Weg zur Arbeit führt aus dem Landkreis Lörrach vor allem nach Basel-Stadt, Baselland und in den Aargau. Foto: Marco Fraune Foto: Die Oberbadische

Von Marco Fraune

4489 Menschen aus dem Landkreis Lörrach haben zwar eine Grenzgängerbewilligung, doch nutzten diese im vergangenen Jahr nicht. Trotz der Auswirkungen der Frankenstärke ist der Trend aber ungebrochen, dass es im Dreiländereck immer mehr Grenzgänger gibt.

Kreis Lörrach. Zum ersten Mal ist jetzt die tatsächliche Grenzgängerzahl bekannt, die sich 2015 für den Landkreis Lörrach auf 21352 belief und für den Landkreis Waldshut auf 14 387. Das Schweizer Bundesamt für Statistik in Neuchâtel hat in diesem Jahr erstmals die Grenzgängerzahlen erfasst, nachdem in den Vorjahren lediglich die Bewilligungen für eine Arbeit jenseits der Grenze übermittelt wurden. Daher lassen sich nun exakte Aussagen über die tatsächlich in den Schweizer Grenzregionen arbeitenden Grenzgänger treffen, wie Alexander Maas, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Südwest, erklärt, welche das Zahlenwerk gestern übermittelte. „Zwei Dinge waren für uns als Wirtschaftsförderungsgesellschaft bekannt, manifestierten sich jetzt aber aufgrund der neuen Erhebungsmethode: Erstens die Zahl der nicht in Anspruch genommenen Grenzgängerbewilligungen und zweitens die hohe Zahl der De-facto-Grenzgänger.“

Entwicklung: Für den Vergleich zu den Vorjahren müssen noch die Grenzgängerbewilligungen herangezogen werden, deren Zahl für das vergangene Jahr 25 841 beträgt (Kreis Waldshut: 17486). Dies sind trotz der Frankenstärke und den damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen in der Schweiz nochmals 695 mehr als ein Jahr zuvor. Seit Jahren steigt diese Zahl. So lag die Zahl im Jahr 2008 mit 19 754 Grenzgängerbewilligungen noch unterhalb der 20 000er-Marke. Eine ebenfalls kontinuierliche Steigerung der Grenzgängerbewilligungen steht auch für den Landkreis Waldshut zu Buche.

Einschätzung Wirtschaftsförderung: Besonders angesichts der Entscheidung der Schweizer Nationalbank im Januar 2015, die Bindung des Schweizer Frankens an den Euro aufzugeben, ist bei Maas nun Erleichterung aufgekommen. „Die Befürchtungen waren groß, dass in Folge dessen der Euro abgewertet und dies Auswirkungen auf die Schweizer Exportzahlen, Unternehmensergebnisse und mittelfristig auch auf die Anstellung von Grenzgängern haben würde.“ Tatsächlich sank laut der Statista-Gesellschaft der Export Schweizer Waren um 2,62 Prozent von 208,36 Milliarden im Vorjahr auf 202,9 Milliarden Schweizer Franken in 2015, weiß der Wirtschaftsförderer. Doch: Auf die Grenzgängerzahlen hatte dies im Umkehrschluss zum jetzigen Stand keine sichtbaren Auswirkungen. „Bisher konnten wir nicht feststellen, dass die Stärke des Schweizer Frankens dazu geführt hat, dass Schweizer Unternehmen Grenzgänger entlassen hätten. Vielmehr hören wir vielfach von unseren Partnern aus der Schweiz, wie wichtig die Grenzgänger für den unternehmerischen Erfolg empfunden werden“, erläutert Maas.

Herkunft der Grenzgänger: Von den insgesamt 21 352 tatsächlich in der Schweiz tätigen Grenzgängern wohnt etwa ein Viertel in Lörrach (5230 Grenzgänger). Ebenfalls eine vierstellige Zahl entfällt auf Rheinfelden (3506 Grenzgänger), Weil am Rhein (3394), Grenzach-Wyhlen (2087) und Schopfheim (1149). In die „Top 10“ schaffen es auch Efringen-Kirchen mit 858, Steinen mit 845, Kandern mit 624, Schliengen mit 373 und Bad Bellingen mit 352 Grenzgängern. Doch auch in Inzlingen (348), Binzen (348), Maulburg (331) und Eimeldingen (305) wird die 300er-Marke gerissen. Im Nachbar-Landkreis Waldshut führt Waldshut-Tiengen mit 2021 Grenzgängern die Liste an, gefolgt von Bad Säckingen mit 1574.

Arbeitsorte: „Zielkantone“ der Grenzgänger aus dem Landkreis Lörrach sind vor allem die drei Nordwestschweizer Kantone. 10 855 Grenzgänger arbeiten laut der Statistik in Basel-Stadt, 6050 in Baselland und 3154 im Aargau. Es folgen dann Zürich und Solothurn, wo 495 beziehungsweise 416 Grenzgänger aus dem Landkreis Lörrach einen Job haben.

Im Landkreis Waldshut sind die Top-Zielkantone Aargau (7290 Grenzgänger), Zürich (3485) und Schaffhausen (1210). Erst dann folgen Basel-Stadt (1090 Grenzgänger) und Baselland (848).

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