Kreis Lörrach Berufliche Perspektiven schaffen

Die Oberbadische
Nicht nur ein Weihnachtswunsch: Befristet Beschäftigte im Schuldienst wünschen sich berufliche Perspektiven. Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Mehr als 200 befristet beschäftigte Lehrer arbeiten derzeit im Schulamtsbezirk Lörrach. Das sei landesweit die höchste Zahl, betont GEW-Kreisvorsitzende Anja Hanke. Und eine Besserung sei nicht in Sicht.

Kreis Lörrach. Die Not der Beschäftigten im Schuldienst mit befristeten Verträgen ist spürbar, wie der Kreisverband Lörrach der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mitteilt. Die wiederkehrende Arbeitslosigkeit im Sommer mit Terminen bei der Agentur für Arbeit sowie die bei Neueinstellung von vorne beginnende Probezeit empfinden viele Kollegen als große Belastung. Hinzu kommt laut Mitteilung die finanzielle Not durch die unbezahlten sechs Wochen Sommerferien.

Praxis wird seit Langem kritisiert

„Die Kritik an der Praxis der befristeten Verträge im Schuldienst ist nicht neu. Selbst die Bundesregierung hat das Land Baden-Württemberg für diese schon gerügt. Peinlicher geht es für eines der reichsten Bundesländer eigentlich nicht“, lässt sich Anette Eckstein vom GEW-Kreisverband Lörrach zitieren. Konkret ärgere es den Bund, dass statt der Landeskasse so die Arbeitslosenversicherung für die Sommermonate aufkommen müsse.

Hanke hebt noch einen anderen Aspekt hervor: „Es ist schlicht fahrlässig, die Kollegen ohne jede Vorbereitung, ohne jede fachliche und pädagogische Begleitung vor die Klassen zu stellen. Viele fühlen sich trotz hoher Motivation von der Situation überfordert. Sie müssen dann an den Schulen um Hilfe bitten, trauen sich dies aber oft nicht, da Kollegien und Schulleitungen aufgrund des Lehrermangels ohnehin überlastet sind. Das schafft Unzufriedenheit.“

Im Rahmen einer GEW-Infoveranstaltung der Landkreise Lörrach und Waldshut für befristet beschäftigte Personen im Schuldienst forderte die Gewerkschaft erneut Weiterqualifizierungsmöglichkeiten und damit verbunde berufliche Perspektiven für Quereinsteiger.

50 Lehrer sollen entfristet werden

Zahlreiche betroffene Kollegen, die in der Region arbeiten, waren eigenen Angaben zufolge der Einladung der GEW an die Realschule Wehr gefolgt, um sich über mögliche Verbesserungen ihrer prekären Arbeitsverhältnisse zu informieren. Anlass hierfür war die Ankündigung des Kultusministeriums, landesweit 50 Personen entfristen zu wollen.

„Dies ist lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein und viel zu wenig angesichts von mehr als 1000 Personen im ganzen Land Baden-Württemberg ohne festen Arbeitsvertrag“, beklagt Eckstein.

Ein Teil der Kollegen käme als Quereinsteiger aus berufsfernen Feldern, ein Teil hätte Vorerfahrung in pädagogischen Bereichen und ein weiterer verfüge über eine Lehramtsausbildung aus einem anderen EU- oder Bundesland, die hier jedoch nicht anerkannt werde.

Was dies bedeutet, konnte Benita Hasselblatt laut GEW am eigenen Leib erfahren. Sie sitzt neben Eckstein für die Gewerkschaft als Angestelltenvertreterin im Personalrat. Jahrelang habe sie sich von einem zum nächsten befristeten Vertrag gehangelt. Nun sei sie für ihre letzten beiden Dienstjahre entfristet worden. Dies sei ein Glücksfall, schreibt die GEW.

Leider aber auch nur eine Einzelfallregelung. „Wir wollen transparente Regelungen und Weiterqualifizierungsmöglichkeiten für alle Kollegen“, wird Hasselblatt zitiert.

Weiter führte Hanke während der Infoveranstaltung das Beispiel einer Kollegin an, die anonym bleiben will: Diese Person habe einen Abschluss in Germanistik und Romanistik mit Zusatzausbildung „Deutsch als Zweitsprache“. Sie habe mehrere Praktika im Ausland absolviert, sei für die Arbeit mit geflüchteten Kindern also eigentlich prädestiniert.

Sie empfand den Sprung ins kalte Wasser als sehr hart, habe sich jedoch mit hoher Motivation und Eigeninitiative gut eingearbeitet. Der Schulleiter bescheinigte ihr hervorragende Arbeit und würde sie dauerhaft an seiner Schule behalten.

Keine Chance für die Nichterfüller

Dafür gibt es derzeit jedoch keine Chance. Bis auf die benannten 50 Stellen weigert sich laut Mitteilung das Land Baden-Württemberg beharrlich, den sogenannten „Nichterfüllern“ einen Weg ins System zu ermöglichen.

Das Kultusministerium will die Sache aussitzen und beruft sich auf das vermutete Ende des Lehrermangels bis 2023, schreibt die GEW. Sie bezweifelt aber diese Prognose. Der Lehrermangel werde sich nur schrittweise abbauen und außerdem würden auch über den aktuellen Mangel hinaus langfristig zusätzliche Leute im System benötigt, hebt die Gewerkschaft hervor.

Es werde höchste Zeit, Menschen mit guter Qualifizierung im System zu verankern, statt sie hinauszuwerfen.

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