Kreis Lörrach Bewährte Strukturen erhalten

Das Forstwesen wurde vor einem Jahr landesweit neu strukturiert. Seither bilanziert der Landkreis Einnahmeausfälle. Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach - Die landesweite Forstneuorganisation ist vor einem Jahr umgesetzt worden. Dabei konnten bewährte Strukturen weitgehend beibehalten werden, wie Michael Kauffmann, Dezernent für den ländlichen Raum im Landratsamt Lörrach, jüngst erklärte. Der Holzverkauf wurde derweil vollständig privatisiert.

Die Neuorganisation fand unter schwierigen Bedingungen statt und führte zu einschneidenden strukturellen Änderungen, sagte Kauffmann, der eine erste Bilanz zog.

Der Staatswald wurde aus der bisherigen Organisationsstruktur der unteren Forstbehörden ausgegliedert. Bewirtschaftet und betreut wird der Staatswald nun vom neu gegründeten Forstbezirk „Schwarzwald Südwest“ mit Sitz in Schopfheim, der neben dem Staatswald im Landkreis Lörrach auch die Landkreise Waldshut und Breisgau-Hochschwarzwald betreut.

Die Mehrzahl der hoheitlichen Aufgaben und Betreuungsaufgaben für den Körperschaftswald wie auch die Beratung und Betreuung des Privatwaldes verblieben als Aufgaben beim Landratsamt, berichtete Kauffmann. Weiterhin sind 24 Forstreviere für den Körperschafts- und Privatwald zuständig, wobei die Forstbezirke Kandern und Todtnau mit regionalen Aufgaben betraut sind.

Wegen wettbewerbsrechtlicher Vorgaben mussten die bisherigen Betreuungsverträge mit den Gemeinden zum 1. Januar 2020 umgestellt werden. Seither müssen die Dienstleistungen nach den tatsächlich anfallenden Kosten abgerechnet werden. Nach Vorgabe des Landes werden 1,25 Millionen Euro auf die Waldbesitzer umgelegt, darin ist der Mehrbelastungsausgleich des Landes in Höhe von 296 000 Euro berücksichtigt.

Laut Kauffmann liegt das mittlere Betreuungsentgelt jährlich nun bei 54 Euro pro Hektar und damit rund 15 Euro über den bisherigen Kosten. „Alle forstlichen Dienstleistungen inklusive der allgemeinen Verkehrssicherungspflicht sind im Betreuungspaket enthalten.“ Das Kostenniveau sei damit im Vergleich zu anderen Landkreisen günstiger, insbesondere für große Waldbesitzer über 2000 Hektar Fläche.

Kostenlose Beratung

In Sachen Privatwälder bleibt die Beratung für deren Besitzer kostenlos, erklärte Kauffmann. Die Abrechnung von Betreuungskosten erfolge nun nach einem reduzierten Stundensatz von 16,50 Euro. Von der bisherigen institutionellen Förderung habe man sich verabschiedet und diese durch eine direkte Förderung ersetzt. Fiskalisch führt die Reform wegen komplexer Verfahren, schwieriger Rahmenbedingungen (Stichwort Waldschäden) und insbesondere fehlerhafter Ermittlung der zu erbringenden Betreuungsleistungen durch das Land zu Einnahmeausfällen von rund 350 000 Euro, erklärte der Dezernent.

Der Holzverkauf ist nunmehr vollständig privatisiert worden, die kreiskommunalen Holzverkaufsstellen wurden aufgelöst. Die drei Forstbetriebsgemeinschaften Todtnau, Dreiländereck und Kleines Wiesental organisieren den Verkauf komplett selbständig. Laut Kauffmann ist die Gründung einer gemeinsamen Dachorganisation für den Holzverkauf aus fachlicher Sicht wünschenswert, bisher sei dies aber nicht umgesetzt.

„Die Umsetzung der Neuorganisation im Landkreis Lörrach war grundsätzlich erfolgreich“, sagte Kauffmann. Die Organisation habe sich bereits unter den schwierigen Bedingungen der aktuellen Waldschäden bewährt. Ortskenntnisse und Arbeitsstrukturen blieben erhalten. Indes: Eine auskömmliche Refinanzierung des Betreuungsangebots im Privatwald sei derzeit nicht gegeben. „Sollte das Land nicht nachsteuern, wird eine Anpassung des Angebots auf den Bedarf hin zwingend.“ Und: Die Entgelte für den Körperschaftswald sollen zum 1. Januar 2023 überprüft werden.

Klimabedingte Waldschäden sind auch im Landkreis Lörrach ein großes Problem: Das Land hat die Finanzmittelausstattung im vergangenen Jahr auf 34 Millionen Euro erhöht. So hat die Kreisverwaltung eine deutliche Steigerung der Zahl der Förderanträge und Auszahlungsbeiträge erfasst. Gingen im Jahr 2019 Fördermittel von rund 200 000 Euro an Waldbesitzer, so waren es vergangenes Jahr insgesamt schon 1,5 Millionen Euro. Darüber hinaus profitieren nicht mehr ausschließlich Privatwaldbesitzer von der Aufarbeitungsprämie. Die Förderung fließt nunmehr auch in Körperschaftswälder.

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