Kreis Lörrach Bezahlbarer Wohnraum im Blick

Kreis Lörrach - Bevölkerungswachstum, mehr Verkehr und ein steigender Bedarf an Wohn- und Gewerbeflächen: Das Wiesental wird sich in den nächsten Jahren verändern. Das „Regionale Raumkonzept Wiesental 2040“ von Agglo Basel und dem Landkreis Lörrach zeigt auf, welches Entwicklungspotenzial besteht, und an welchen Stellschrauben gedreht werden kann, um die Zukunft aktiv zu gestalten. Dabei sind auch die Ideen der Bürger gefragt, die im Rahmen einer Mitwirkungsveranstaltung großes Interesse zeigten.

Wie wichtig es sei, die Entwicklung aktiv zu steuern und die heimische Region bestmöglich weiterzuentwickeln, erklärte Landrätin Marion Dammann dieser Tage in der Schopfheimer Stadthalle. Dort fand eine Mitwirkungsveranstaltung statt, bei der ein Konzept für das Wiesental vorgestellt wurde. „Wir wollen gestalten und haben die Möglichkeiten erkannt.“ Dabei müssten Fehlinvestitionen vermieden und das Kirchturmdenken überwunden werden. Im laufenden Prozess seien Richtungsänderungen und eine gewisse Fehlertoleranz aber erlaubt, meinte die Landrätin. Der Verein Agglo Basel habe bereits wichtige Impulse gegeben und Fördermittel erhalten. „Dabei ist es keine Selbverständlichkeit, dass ein anderer Staat Fördermittel über Grenzen hinaus für In­frastrukturmaßnahmen verteilt“, freute sich Dammann. Von diesen profitiere aber die gesamte Region, verwies sie auf ein gemeinsames Zukunftsbild.

Dieses wurde von Roman Hanimann vom Zürcher Planungsbüro Van de Wetering und Julian Baker der Berner Kontexplan AG vorgestellt. In drei Themenblöcken „Verkehr“, „Siedlung“ und „Landschaft“ wurde veranschaulicht, welche Handlungsoptionen bestehen.

Verkehr

Konkret gehen die Planer bis zum Jahr 2040 von einem Bevölkerungszuwachs um 8000 bis 10 000 Einwohner aus, zudem wird mit einem Plus von 19 000 Fahrten täglich im Individualverkehr gerechnet. Mit dem Konzept soll die bestmögliche Abstimmung von Siedlung und Verkehr erreicht werden.

Der prognostizierte Mehrverkehr soll deshalb möglichst gleichmäßig auf den ÖPNV und das Fahrrad verlagert werden. Derzeit nutzen 71 Prozent das Auto, hier soll laut Handlungsansatz eine Verringerung im Modalsplit um vier Prozent erreicht werden, gleichzeitig wird im ÖPNV eine Steigerung von zwölf auf 14 Prozent anvisiert und im Fahrradverkehr ein Zuwachs von acht auf neun Prozent. Zu Fuß sollen dereinst zehn Prozent unterwegs sein.

Damit sich der Modalsplit ändert, soll nicht nur der Takt der Regio-S-Bahn, die neben der B 317 als Rückgrat und Impulsgeber der Siedlungsentwicklung gilt, optimiert werden – auch sehen die Planer die Notwendigkeit eines gut ausgebauten Radwegenetzes (Stichwort Pendlerroute), verbesserte Umsteigemöglichkeiten an Bahnhöfen (Park & Ride) oder sichere Fahrradstationen samt Serviceangeboten. Dabei kam auch aus der Bevölkerung der Wunsch auf, die Seitentäler besser anzubinden und die Fahrradmitnahme im ÖPNV auszubauen. Außerdem wurden Stimmen laut, die Barrierefreiheit zu verbessern. Zudem spielt die verkehrliche Engpassbeseitigung eine wichtige Rolle.

Siedlung

Was die Siedlungsentwicklung angeht, verorten die Planer strategische Gebiete, und zwar am Zoll Lörrach/Riehen, auf dem Gesundheitscampus Entenbad-Ost, wo im Jahr 2025 das neue Zentralklinikum seine Pforten öffnen soll, am Kreisel der B 317 in Steinen, in Maulburg-West, Schopfheim-West und in der Umgebung des Zeller Bahnhofsi.

Intensiv diskutiert wurde das Thema bezahlbarer Wohnraum, eine Herausforderung, die nicht nur Ballungsräume, sondern immer mehr auch den ländlichen Raum betrifft, wie der Zeller Bürgermeister Peter Palme verdeutlichte. Mit einer guten Verkehrsanbindung steigen auch die Baupreise, weshalb man auf innerörtliche Verdichtung setzen sowie Gewerbe und Wohnen (Mischnutzung) näher zusammenbringen will. So brauche es, falls es diese noch nicht in den Gemeinden gibt, eine strategische Bodenpolitik, fasste Baker zusammen. Kreisrat Herbert Baier merkte an, dass ein Flächenerwerb zu vernünftigen Preisen oft an den Forderungen der Grundstücksbesitzer scheitere. Dass die bauliche Verdichtung grundsätzlich der richtige Weg sei, meinte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Gerhard Zickenheiner: „Im Gegenzug müssen die Freiräume aufgewertet werden. So wird Nachverdichtung erträglich.“ Und: So könne der Zersiedelung der Landschaft entgegengewirkt werden. Laut Hanimann steige auch die Akzeptanz durch eine bessere ortsnahe Versorgung.

Landschaft

In Sachen Landschaft sieht das Konzept die Stärkung der Wiese und ihrer Zuflüsse, außerdem werden Gewässer sowie Kanäle als Rückgrat des Wiesentals definiert. Weiter sollen angesichts der Bevölkerungsentwicklung neue Erholungsangebote geschaffen werden, gleichzeitig aber auch ausreichend Flächen für den Hochwasserschutz vorgehalten werden, wie Hanimann erläuterte. Weiter wurde im Rahmen der Veranstaltung der Blick auf die Seitentäler gelenkt, die mit einem größeren ÖPNV-Angebot besser an die Hauptverkehrsachsen angebunden werden sollen. So könne wirksam der Abwanderung junger Menschen begegnet werden. Nicht weniger wichtig sei die Versorgungsautonomie, sagte ein Teilnehmer. Und: Es brauche Zukunftskonzepte für die Landwirtschaft, verwies ein Teilnehmer auf die Pflege der Kulturlandschaft. 

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