Kreis Lörrach Bürgerhinweise sind unverzichtbar

Eigentlich sind es doch fast alles Kleinigkeiten, die Eckhard Mikuszies aufzählt, wenn er über Mängel in der Behindertenfreundlichkeit in der Stadt spricht. Der Vorsitzende des Behindertenbeirates steckt schon etliche Jahre in der Seniorenarbeit drin, ist sogar Vorsitzender des Seniorenbeirates und kennt daher etliche Probleme der älteren Generation.

Von Rolf Reißmann

Rheinfelden. Aber Barrierefreiheit ist noch mehr, wird benötigt von Personen, die keineswegs zu den Senioren gehören, aber mit Einschränkungen leben müssen. Eben darum kümmern sich die sieben Mitglieder des Behindertenbeirates.

Ungehinderte Mobilität ist das Wichtigste

Mit Einschränkungen gut durch die Stadt zu kommen ist Anliegen jener, die mit Rollator, Gehhilfen und Rollstuhl unterwegs sind, gleiches gilt aber auch für Passanten mit Kinderwagen oder eben für Personen, die einfach nicht mehr so sicher auf den Beinen sind, wie man landläufig sagt. Oft meinen Nichtbetroffene, da nunmehr die meisten Bordkanten abgesenkt sind, müssten die Hindernisse fast beseitigt sein. Doch da gibt es immer noch viel zu tun. Zum Beispiel auf dem Friedhof. Etliche Wege sind nicht fest genug für Rollatoren, da sinken Räder ein, hier gibt es auch noch Kanten, die ursprünglich als gestalterische Elemente angelegt wurden, weil damals eben Ästhetik vor Zweckmäßigkeit stand. Hindernisse gibt es vielfach auch, wo sie oft gar nicht vermutet werden, wie in Arztpraxen. Nicht alle Probleme lassen sich baulich lösen, zum Beispiel an der Rosenapotheke, dort schafft eine Klingel Abhilfe. Wer die Stufen nicht hoch kommt, ruft damit das Personal nach draußen. Auf Behindertenparkplätzen sind Markierungen vielfach nur auf dem Boden angebracht. Dies wird nicht immer gesehen, deshalb regte der Behindertenbeirat an, dahinter noch Schilder in üblicher Verkehrszeichenhöhe aufzustellen, dann fällt die Markierung wirklich auf und jene, die das nicht so genau nehmen, können sich nachher nicht herausreden. Das betrifft nicht nur Parkplätze im öffentlichen Raum, sondern ebenso auf Firmenplätzen. Kaufland habe da zum Beispiel gut reagiert, meinte Mikuszies.

Mitreden ist erwünscht

Um die weiter notwendigen Verbesserungen zu finden und dann die Lösungen zu besprechen, ist unbedingt die öffentliche Diskussion zu suchen. „Wir erkennen doch nicht alles, weil wir nicht jeden Straße und jeden öffentlichen Raum ständig durchstreifen,“ sagte Eckhard Mikuszies. „Für Veränderungen benötigen wir zweierlei. Erstens sind dies Hinweise auf Defizite von den Betroffenen selbst. Dann ist es oftmals die konstruktive Zusammenarbeit mehrerer Partner, um die beste Lösung zu finden.“ Mit der Stadtverwaltung läuft die Zusammenarbeit sehr gut. So gab es die frühzeitige Einbindung beim Neubau des Hochrheinzentrums. „Auch die Wohnbau GmbH ist sehr ansprechbar,“ lobte Mikuszies. „In den vergangenen Jahren gelang der Aufbau eines Netzwerkes, in dem sich Planer, Bauleute und Nutzer über die zweckmäßigsten Lösungen austauschen, dabei ist Fachkompetenz unverzichtbar.“ Manchmal gibt es auch rechtliche Unstimmigkeiten, so etwa für das Mitführen von Blinden- und Assistenzhunden. Der Behindertenbeirat spürt die enorme Wandlung bei Stadt, Geschäftsleuten und Dienstleistern gegenüber den Positionen vor etwa 30 Jahren bei behindertengerechten Angeboten. Doch nicht immer ist jede Verbesserung so schnell möglich, wie sie wünschenswert wäre. Schließlich hängt vielfach auch eine nicht unerhebliche Finanzierung daran. Sie muss mitunter langfristig geplant werden. Auch sind Vorschriften einzuhalten, nicht jedes Geschäft darf eine Rampe vor seiner Ladentür anlegen, solche Lösungen müssen sicher sein für alle. Aber wie gesagt, alle Probleme müssen den Entscheidern bekannt werden, deshalb ist die Bürgerinformation unverzichtbar.

Spenden zum guten Sitzen

Zwar sind Senioren- und Behindertenbeirat zwei getrennte Gremien, doch oftmals überlappen sich ihre Aufgaben durch die Personalunion beim Vorsitz derzeit noch intensiver als sonst. Der Seniorenbeirat stiftete vier Bänke fürs Stadtzentrum, rund ums Rathaus wurden sie aufgestellt. Selbstverständlich sind sie alters- und behindertengerecht, also die Sitzfläche etwas höher über dem Boden und an den Seiten mit massiven Armstützen versehen, die zum Aufstehen genutzt werden können. Solche sollen in öffentliche Areale und an Bushaltestellen aller Ortsteile gelangen.

„Behinderung“ lautet das Schwerpunktthema der Aktion „Leser helfen Not leidenden Menschen“ in diesem Jahr. Neben der Unterstützung von Einrichtungen und Projekten für „Menschen mit Behinderung“ geht es auch darum, mit redaktionellen Beiträgen und Reportagen die Themen Behinderung und Inklusion ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen.

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