Kreis Lörrach - Gelber Sack, Gelbe Tonne, oder gar Wertstofftonne? Wie Leichtverpackungen im heimischen Kreis zukünftig gesammelt werden sollen, beschäftigt derzeit die Verwaltung. Im Betriebsausschuss des Kreistags wurde am Mittwoch ausgiebig über die Wertstofferfassung diskutiert.

In die Diskussion um die Zukunft der Sammlung von Leichtverpackungsmüll ist in der Meinungsbildung der Politik auch der Bürger gefragt, welcher derzeit im Rahmen einer Umfrage auf der Homepage der Abfallwirtschaft abstimmen darf. „Wir erfahren eine sehr große Resonanz“, freute sich Silke Bienroth, Leiterin des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft. Mittlerweile hätten schon 3000 Bürger teilgenommen, derzeit zeige das Pendel in Richtung Tonne, ergänzte Landrätin Marion Dammann.

Hintergrund

Die Frage, ob Verpackungsmüll in Sack oder Tonne gesammelt werden soll, hat das zum Januar in Kraft getretene, lang diskutierte neue Verpackungsgesetz ausgelöst. Der Landkreis als öffentlich-rechtlicher Entsorger kann das kreisweite Erfassungssystem von Leichtverpackungen neu verhandeln und modifizieren. Das neue Gesetz eröffnet dem Kreis auch die Möglichkeit, die bestehende vierwöchentliche Sammlung der Gelben Säcke zweiwöchentlich durchführen zu lassen. Vieles bleibt aber unverändert, so wird das Duale System weiterhin die Erfassung und Verwertung von Verpackungen organisieren. Fest steht, so Bienroth: Das Sammelsystem muss eine haushaltsnahe Erfassung vorsehen, technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar sein. Und: Es darf die im Landkreis Lörrach vorhandenen Sammelsysteme für üblichen Hausmüll nicht überschreiten.

Verwertung im Kreis

Im Landkreis werden die Gelben Säcke von der Firma Kühl eingesammelt und nach Rheinfelden gebracht, wo das Unternehmen Vogt Plastic die Verwertung übernimmt. Bei dem Großteil der Abfälle handelt es sich um Kunststoffe (40 Prozent), acht bis zehn Prozent Weißblech, etwa acht Prozent Getränkeverbundverpackungen, fünf Prozent Papierverbunde und rund vier Prozent Aluminium. Aufbereitungsreste machen zwischen 30 und 40 Prozent aus, erläuterte Bienroth.

Vor- und Nachteile

Der Gelbe Sack mit einer vierwöchentlichen Abholung ist laut Bienroth ein etabliertes und kostengünstiges System. Vor allem im verdichteten Wohnraum hat es einen geringen Platzbedarf. Zudem ist der Inhalt des Sacks sichtbar, Fehlbefüllungen können so reglementiert werden. Nachteile sind die Verunreinigung bei der Bereitstellung, ein unschönes Straßenbild und ein zusätzliches Abfallaufkommen durch den Einweg-Sack. Mit Blick auf eine mögliche zweiwöchentliche Abholung würde der Platzbedarf und die Haufen geringer, und das bei einer höheren Flexibilität. Nachteile sind nach wie vor Verunreinigung und zusätzlich höhere Kosten.

Mit der möglichen Einführung einer Gelben Tonne wird laut Sitzungsvorlage eine höhere Abfallmenge erwartet, die Bereitsstellung werde aber sauberer, da die zerrissenen Säcke dann der Vergangenheit angehören würden. Erschwert würde indes die Kontrolle des Inhalts, außerdem gehe die Einführung der Tonne mit einem höheren Platzbedarf einher. Und: Der Systembetreiber müsse mit höheren Kosten für Einführung und Betrieb rechnen, welche über die Produzenten auf den Verbraucher abgewälzt würden. Ein Mischsystem Tonne/Sack sei laut Bienroth vermutlich nicht verhandelbar.

Als weitere Option ist die Wertstofftonne zu nennen. Hier würden, anders als bei den anderen Systemen, Kosten auf den Kreis zukommen, die über Gebühren gedeckt werden müssten, erklärte die Betriebsleiterin auf Nachfrage. Zudem steige der Sortieraufwand, auch sei mit einem sehr hohen Anteil an Fehlwürfen zu rechnen. Darüber hinaus seien die rechtlichen Grundlagen für Verhandlungen mit dem Systembetreiber unklar.

Diskussion

Kreisrat Paul Renz (CDU) lobte das Vorgehen der Verwaltung: „Dass zunächst einmal die Bürger befragt werden, ist der richtige Weg.“ Der Gelbe Sack stoße auf breite Akzeptanz, eine Tonne würde indes Platzprobleme verursachen. Parteikollege Bernhard Escher merkte an, dass sich das jetzige System bewährt habe, die Qualität der Säcke indes nicht. Die Gelbe Tonne werde jedenfalls am Platzmangel scheitern, befand er.

Die Qualität der Säcke sei in der Vergangenheit in Diskussionen mit dem Betreiber immer wieder thematisiert worden, erklärte Bienroth. Forderungen nach Verbesserung scheiterten am Argument, dass die Bürger die Gelben Säcke dann zweckentfremden würden. Sollte der Kreis am bisherigen System festhalten, müsse dieser um bessere Säcke kämpfen, sagte Bienroth.

Vor den nächsten Schritten gehe es darum, erst einmal die Bürger zu Wort kommen zu lassen, meinte Klaus Eber­hardt (SPD), dann soll das Thema in der Begleitkommission SaTraG („Sammeln, Transportieren und Gebühren“) diskutiert werden. Der im Raum stehenden Option, das Abhol- auf ein Bringsystem (Gang zu Rcyclinghöfen) umzustellen, erteilte er angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft eine Absage: „Das können wir den Bürgern nicht zumuten.“ Wie Heinrich Lohmann (Grüne) ankündigte, wird seine Kreistagsfraktion gemeinsam mit der SPD einen Antrag zur Einführung einer Wertstofftonne als Alternative einbringen. Er erinnerte daran, dass diese bundesweit eingeführt werden sollte, was an einer Blockade im Bundesrat scheiterte. „Wir wollen das Maximum an Wertschöpfung“, bekräftigte Lohmann das Anliegen.

Weiteres Vorgehen

Für den Kreis gilt in Sachen Umsetzung einer neuen Abstimmungsvereinbarung eine Übergangsfrist bis Ende 2020. Damit ein neues System aber schon ab Januar 2021 möglich ist, müssen die Verhandlungen schnellstmöglich geführt und eine Vereinbarung bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden. Allerdings: Laut Bienroth werden die Verhandlungen mit dem Dualen System nicht einfach, schon jetzt werde andernorts geklagt. Das weitere Vorgehen sieht eine Information im Bürgermeisterforum am 25. Februar vor, dann werden die Handlungsoptionen bewertet und im SaTraG diskutiert, bevor der Kreistag die Rahmenvorgabe beschließen wird.

  • Die Umfrage findet sich unter hier.