Das integrierte Klimaschutzkonzept des Kreises zeigt Wirkung, dennoch sehen die Verantwortlichen noch deutlich Luft nach oben. Insbesondere der Anteil der Fotovoltaik soll zunehmen, wie es dieser Tage im Umweltausschuss hieß.

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Mit dem European Energy Award (eea), an dem der heimische Kreis seit vier Jahren teilnimmt, wurde ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess bei den Energie- und Klimaschutzzielen festgeschrieben. Das darüber hinaus zu erarbeitende Klimaschutzkonzept soll weitere Hilfestellungen geben, die Energiewende im heimischen Kreis umzusetzen, wie Kai Hilbert von der Energieagentur Landkreis Lörrach dieser Tage im Umweltausschuss sagte. Er gab einen Zwischenbericht zum integrierten Klimaschutzkonzept.

Die jüngste Potenzialanalyse, die in einen Maßnahmenkatalog und ein politisches Leitbild münden, zeigt, dass der Energieverbrauch und Kohlendioxid-Emissionen in den Sektoren Verarbeitendes Gewerbe, private Haushalte und Verkehr im heimischen Kreis hoch sind. Konkret handelt es sich um insgesamt sieben Millionen Megawattstunden im Jahr 2015, wie Hilbert erklärte. Festgestellt wurde auch, dass es zwischen den Jahren 2012 und 2015 zu einer Verringerung der Treibhausgasemissionen um acht Prozent über alle Sektoren gekommen ist.

Wie Hilbert sagte, könne das den Klimaschutzaktivitäten des Kreises zugeschrieben werden. „Es ist aber erst eine Bestandsaufnahme, ein Trend lässt sich daran noch nicht festmachen, weshalb eine Bilanzierung für weitere drei Jahre nötig ist“, sagte der Vertreter der Energieagentur im Gremium.

Sonnenenergie im Fokus

Was die Potenzialanalyse bis zum Jahr 2050 angeht, rückt die Sonnenenergie in den Fokus: Mit Blick auf die Stromerzeugung bestehe laut Studie bei der Nutzung von Fotovoltaik auf Dächern das höchste Potenzial. Betrug die Erzeugung im Jahr 2015 rund 57 000 Megawattstunden, sieht die Studie ein Potenzial von 361 000 Megawattstunden. Auch die Windkraft zeigt noch deutlich Luft nach oben, von 47 000 auf rund 157 700 Megawattstunden.

Bei der Wasserkraft sei dieses nahezu ausgeschöpft, sagte Hilbert. Und: Bei der Wärmebereitstellung durch erneuerbare Energien wird deutlich, dass insgesamt kaum Potenzial besteht. Dort soll der Fokus aber auf Effizienz gelegt werden, verwies Hilbert auf die Sanierungsquote im Gebäudebestand.

Wichtig ist der Verwaltung, die Kreisbevölkerung mit ins Boot zu nehmen. Bei der Auswertung der Beteiligungsverfahren wurde der Wunsch nach konkreten Maßnahmen festgestellt: Der Ausbau des ÖPNV und von Radwegen und die Schaffung von Anreizen, den Individualverkehr zu reduzieren, wurde angeregt. Zudem soll mehr Dachfläche für Fotovoltaikanlagen zur Verfügung gestellt und an der Akzeptanz für Windkraft gearbeitet werden. Was Energieeinsparung betrifft, sollen verstärkt unabhängige Informationen zur Verfügung gestellt werden. In diesem Zusammenhang regte SPD-Kreisrat Herbert Baier an, in Sachen energetischer Sanierung die Energieagentur als Wegweiser auftreten zu lassen, die unabhängig vom Verkaufsgedanken Informationen zur Verfügung stellt.

Zum Ausbau der Fotovoltaikanlagen auf Dächern sah Klaus Eberhardt (SPD) eine Herausforderung darin, das Vorhaben in die Gemeinden zu bringen. „Laut Potenzialanalyse müsste jeder Hausbesitzer solch eine Anlage installieren.“ Hier seien Umsetzungsvorschläge angebracht. Und auch Paul Renz (CDU) sagte, es sei eine Herausforderung, ins Private zu wirken. Dass die Handlungsfähigkeit des Kreises begrenzt sei, verwies FDP-Kreisrat Christoph Hoffmann auf die Bundespolitik.

Derzeit kommt der heimische Kreis nach einem Audit am 8. Februar auf einen eea-Zielwert von 63,8 Prozent, wie weiter zu erfahren war. Im Jahr 2015 betrug der Wert noch 56,3 Prozent.