Im heimischen Kreis soll der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 um rund drei Viertel verringert werden. Das nun veröffentlichte integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept zeigt Wege und Potenziale auf, das gesteckte Ziel zu erreichen. Gleichzeitig wird deutlich, dass dies nur dann gelingen kann, wenn alle Akteure – Bürger, Gemeinden, Politik und Wirtschaft –­ an einem Strang ziehen.

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Zwei Millionen Tonnen Treibhausgase wurden im Jahr 2015 im heimischen Kreis ausgestoßen. Das kann dem Konzept entnommen werden, welches in einjähriger Arbeit mit der Energieagentur des Landkreises unter Beteiligung der Öffentlichkeit entstanden ist. Auf 158 Seiten beschreibt das umfangreiche Konzept den Ist-Zustand des Co2-Ausstoßes im Landkreis, das Potenzial bei Wärme und Strom und einen Katalog von 79 Maßnahmen zur Energieeinsparung und -Versorgung, erneuerbare Energien, Effizienzsteigerung sowie Mobilität

Der größte Anteil an klimaschädlichen Gasen geht auf das Konto des verarbeiteten Gewerbes, wie Georg Lutz, Fachbereichsleiter Umwelt, und Ulrich Hoehler, Erster Landesbeamter, in einem Pressegespräch erklärten. Für 23 Prozent ist der Verkehr verantwortlich, davor stehen aber noch die privaten Haushalte, die überwiegend in Sachen Wärme hervorstechen. Vergleichsweise gering zeigt sich der Beitrag des Kleingewerbes und kommunaler Liegenschaften, erläuterte Lutz.

Um effektiv gegenzusteuern, sollen fossile Energieträger durch erneuerbare ersetzt werden, wie es weiter hieß. Insbesondere im Bereich der Photovoltaik gibt es ein großes, technisch erschließbares Potenzial im Kreis Lörrach. So wurden im Jahr 2015 lediglich knapp 14 Prozent des Gesamtpotenzials der Dachflächen zur Stromgewinnung genutzt.

Stromproduktion übersteigt den Verbrauch

Insgesamt sei es langfristig möglich, im Stromsektor der Region mehr erneuerbare Energien zu produzieren, als Strom im Kreis verbraucht werde. Laut Lutz würden sich prinzipiell rund 90 Prozent aller Dächer in der Region für Solaranlagen eignen.

Deutlich Luft nach oben zeige sich auch bei der Windenergie. Allerdings: Hierzu müssten auch alle windhöffigen Standorte erschlossen werden, verwies Lutz auch auf den Blauen. Derzeit produzieren die neun Windräder bei Gersbach, Hasel und Fröhnd insgesamt 20 Megawatt. Um das maximale Potenzial zu erreichen, müssten noch 15 weitere Windkraftanlagen an geeigneten Standorten in Betrieb genommen werden, geht aus der Studie hervor.

Die klassischste Form im Bereich erneuerbarer Energien, die Wasserkraft, ist indes nahezu ausgeschöpft. Das im Klimaschutzkonzept präsentierte Szenario sieht im günstigsten Fall eine komplette Ersetzung fossiler Energieträger zur Stromerzeugung im Jahr 2037 vor. Den größten Anteil daran hat die Solarenergie, merkte Lutz an.

Was Einsparmöglichkeiten bei der Wärme angeht, ist vor allem die Industrie betroffen. Lutz betonte, dass hier der Fokus auf Effizienz in der Anlagentechnik gelegt werden müsse. „Industrie und Gewerbe leiten viel Wärme ungenutzt ab“, sagte Lutz. Die Effizienzsteigerung sei auch Thema im Gebäudesektor, verwies er auf den Bestand an Altgebäuden und einer ungenügenden Wärmedämmung. Hier müssten die Energieverbräuche signifikant sinken. Trotz aller Anstrengungen könnten aber selbst bei einem Maximalszenario die fossilen Energieträger bis zum Jahr 2050 im Bereich Wärme nicht ersetzt werden.

Was die Maßnahmen angeht, zeigt sich, dass der Kreis nur bei etwa der Hälfte direkte Einflussmöglichkeiten hat, bei 25 sei der Einfluss gut und bei den restlichen neun gering.

Landesziele werden nicht alle erreicht

Unter dem Strich lasse sich der Ausstoß an Treibhausgasen um 1,5 Millionen Tonnen verringern, so Hoehler. Und weiter: „Es macht keinen Sinn, sich nur auf Maßnahmen zu beschränken, die in der Kraft des Kreises liegen.“ Dass ohne Partner in der Umsetzung der Handlungsvorschläge wenig erreicht werden könne, ließ er nicht unerwähnt. Aber: Das Thema werde in der Bevölkerung immer ernster genommen, ergänzte Lutz.

Zusammengefasst benötigt die Region eine ambitionierte Wende hin von fossil erzeugter Energie hin zu erneuerbaren Energien, dabei werden auch die Rahmenbedingungen hinsichtlich langer Förderunterstützung durch Bund und Länder eine wichtige Rolle spielen.

Laut Hoehler könne der Energieverbrauch gegenüber dem Jahr 1990 um 50 Prozent gesenkt und die Reduzierung der Treibhausgase um 90 Prozent erreicht werden, womit zwei Ziele des Landes Baden-Württemberg erreicht wären. Nicht realisiert werden kann ein Anteil von 80 Prozent an erneuerbaren Energien.

Offene Fragen seien zudem noch bei der Mobilitätsstrategie, und auch bei Wärme und Kraftstoffen seien noch weitere Kenntnisse notwendig, um etwas Belastbares ableiten zu können, sagte der Erste Landesbeamte. Mit dem Konzept werde man dazu beitragen, im Landkreis etwas bewegen zu können, zeigte sich Hoehler zuversichtlich. Nach der heutigen Vorberatung im Umweltausschuss wird der Kreistag das Konzept am 24. Oktober verabschieden.